BERUFUNG, JOB, MALOCHE -
Arbeiten, Herstellen und Handeln Hannah-Arendt-Lesekurse in Weißenfels
Mit freundlicher Unterstützung:
Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig, WVW Weißenfels, Stadt Weißenfels, Landkreis Weißenfels, Volkshochschule Weißenfels, KUNSTSTIFTUNG SACHSEN-ANHALT
Für den Höhepunkt des Veranstaltungsjahres 2006 wurde die Berliner Künstlerin Judith Siegmund eingeladen, eigens für Weißenfels und dessen schwierige soziale und kulturpolitische Situation ein Kunstprojekt zu entwickeln. Judith Siegmund hat vor diesem und dem Hintergrund des 100. Geburtstages von Hannah Arendt mit Menschen verschiedenen Alters, sozialer Herkunft, Bildung und Lebensmusters (Akademiker, Studenten, Schichtarbeiter, Arbeitslose, Behinderte im Arbeitsprozess, schwer in das Arbeitsleben integrierbare Jugendliche ) in sechs Lesekursen aus Arendts Buch "Vita Activa" zum Thema "Arbeiten, Herstellen, Handeln" gelesen. Ziel der Lesekurse war es, mit den Menschen ins Gespräch über die zentrale gesellschaftliche und biografische Bedeutung, die Arbeit heute hat, zu kommen. Dabei wurde über neue Perspektiven und Fragen, die Hanna Arendt zu diesem schwierigen Thema aufwirft, diskutiert.

Aus den Statements, die viele der Kursteilnehmer anschließend vor der Kamera gaben, entwickelte sie eine Video-Installation, die im Oktober 2006 in Berlin in der internationalen Kunstausstellung Hannah-Arendt-Denkraum zu sehen war. J. Siegmund schreibt über das Kunstprojekt in dem Journal zum Hannah-Arendt-Denkraum: „Weißenfels in Sachsen-Anhalt ist eine Arbeiterstadt, die heute durch hohe Arbeitslosigkeit geprägt ist. Hier und im brandenburgischen Steinhöfel habe ich Menschen aus ganz verschiedenen Schichten in Hannah-Arendt-Lesekursen zusammengebracht und sie anschließend um Statements vor der Kamera gebeten. Im Mittelpunkt stand das Thema "Arbeit": als Theoriebegriff bei Arendt, vor allem aber als Sphäre einer sozialen Erfahrung, die einmal vertraut war und die sich heute zu entziehen beginnt. Die gedachte Ordnung der Vollbeschäftigung zerfällt und beginnt sich neu zu organisieren. Improvisation, Irritation und Ungewißheit zeigen sich als Teil der Lebenswirklichkeit. Die Lebenserfahrung, um deren Irritation es der Kunst in der Vergangenheit ging, wird selbst zur Irritation. Davon bleibt künstlerische Arbeit nicht unberührt. Statt Irritation zu zelebrieren, wirft sie die Frage auf, wie Strukturierung, wie gemeinsames Handeln unter solchem Horizont möglich ist. So zeigt sich: Kunst ist nicht festgelegt auf Funktionen für ein Publikum. Sie läßt vielmehr die Erfahrung des Sozialen nah an sich heran, formt sie um und verändert sich selbst.
Bilder der Veranstaltungen
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Bilder der Lesekurse

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