WSF 2050
Urbane Landwirtschaft , Stadtgestaltung und Neue Energie

Ziel des Projektes ist es, eine städtebauliche Perspektive zu entwickeln, die auf regionale wirtschaftliche und soziokulturelle Potentiale sowie auf Partizipation setzt:
Brachliegende Flächen werden für eine genossenschaftlich organisierte Nutzung durch urbane Landwirtschaft vorgeschlagen. Gemeinnütziger Zweck der Genossenschaft, der alle interessierten Bürger beitreten können, ist die optimale Stadtentwicklung und Freiraumpflege gemäß dem Leitbild "Grüne Stadt an der Saale".
Die Gärten sind als multifunktionale Dienstleister gedacht, die der Stadt sowohl Arbeitsplätze als auch potentiell eine neue Identität verschaffen.
Der wirtschaftlichen Produktion werden die gestalterische Aufwertung des Stadtraums, die bis dato ausstehende Bürgerbeteiligung sowie eine touristische Nutzbarmachung gleichgestellt.
Sachstand:
Demografie:
Während in Weissenfels knapp 200 Kinder im Jahr geboren werden, sterben über 400 alte Bewohner (Stand 2006). Zwar wies die Stadt schon seit den 1960er Jahren Schrumpfungstendenzen auf, diese Entwicklung hat sich aber seit den 1990er Jahren verschärft:
Bis 2006 verringerte sich die Einwohnerzahl von knapp 40.000 auf etwa 30.000 Einwohner, das Statistische Landesamt Sachsen-Anhalt geht von einem weiteren Rückgang bis zum Jahr 2025 auf etwa 20.000 Einwohner aus.
Besonders gravierend wirkt sich dabei die Entwicklung der Altersstruktur aus: Junge Leute im Alter der Arbeitssuche und Familiengründung wandern ab, die Gruppe der Rentner nimmt zu. Der Anteil der unter 15-jährigen hat sich zwischen 1990 und 2006 halbiert, während die Bevölkerung ab 65 Jahre um über 37 Prozent anstieg.
Leerstand:
In Weissenfels steht statistisch jede fünfte Wohnung leer. Betroffen sind insbesondere unsanierte Altbauten in der historischen Altstadt und im Bezirk Mitte - darunter viele stadtbildprägende Einzeldenkmale - sowie Plattenbauten der 1950er und 60er Jahre, die mehrheitlich von alten Menschen bewohnt werden. Die Altstadt weist einen Leerstand von 41,5 Prozent auf, der Stadtteil Mitte 35,3 und die Neustadt 27,8 Prozent.
Seit 2000 wurden 320 Wohnungen statt der empfohlenen 3.000 im Rahmen des Stadtumbaus Ost abgerissen(1,6 % des Gesamtbestands von etwa 20.000 Wohnungen).
Dem Rückbau entgegen stehen die Interessen der Eigentümer sowie die Tatsache, dass die Plattenbaubestände der organisierten Wohnungswirtschaft bereits aufwändig saniert wurden.
Leerstand:
Entwicklungspotetiale
Grüne Potentiale
Dank der guten Böden und des ausgewogenen Klimas hat die Saale-Unstrut-Region bereits eine 1000jährige Weinkultur. Auf dem 664 Hektar großen Gebiet gedeihen heute 20 Rebsorten an steilen Terrassen, allen voran der Müller Thurgau und der Weißburgunder.
Die Stadtränder von Weissenfels, aber auch das Umland sind traditionell durch eine intensive Landwirtschaft geprägt. Dies könnte zukünftig den Anbau von Biomasse oder die Ausdehnung von Symbiosen mit der städtischen Lebensmittelindustrie begünstigen.
Die aus Leipzig im späten 19. Jahrhundert stammende Kleingartenkultur hat auch in Weissenfels Tradition: Rings um die Stadt nutzen bis heute zahlreiche Bürger Schrebergärten zur Entspannung, zum Knüpfen sozialer Kontakte und als Möglichkeit, sich günstig mit Obst und Gemüse zu versorgen.
Neue Energien
Immer mehr Städte setzen heute trotz hoher Investitionskosten auf erneuerbare Energien wie Solar- und Wasserkraft, Windenergie und Biomasse. Energieautarkie, die Schaffung von Arbeits- und Ausbildungsplätzen sowie eine hohe Effizienz sind einige Vorteile der regionalen Energiewirtschaft. Denn werden regionale Erzeugung und regionaler Verbrauch in intelligente Kreisläufe eingebunden können hohe Energieverluste, wie sie bei der zentralen Versorgung üblich sind, vermieden werden.
Für Städte, die wie Weissenfels in Erneuerungsprozessen begriffen sind, könnte eine Verknüpfung des Stadtumbaus mit einem nachhaltigen, regionalen Energiekonzept strategisch sinnvoll sein.
Urbane Landwirtschaft:
Die Idee der urbanen Landwirtschaft sieht die landwirtschaftliche Nutzung von innerstädtischen Flächen vor. In Weissenfels wird dazu eine Zonierung vorgeschlagen, die sich konzentrisch vom Stadtkern, über den Kernstadtrand bis zur Vorstadt erstreckt.
Zone I umfasst die Kernstadt mit kleineren Brachen, auf denen entsprechend kleine Beete mit Kräutern, Arzneipflanzen und Rosengärten angebaut werden.
Dem Kernstadtrand (Zone II) mit seinen größeren Industriebrachen sind Gemüsegärten, Kleintiere und Energiepflanzen vorbehalten, wohingegen auf den großen Flächen der Vorstadt (Zone III) Viehhaltung, Streuobstwiesen sowie konventionelle Land- und Forstwirtschaft denkbar sind.
Städtebaulich bedeutsam sind hierbei die positive Neubesetzung der Brachen, eine Erhöhung der Wohn- und Lebensqualität sowie mögliche identitätsstiftende Impulse.
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