Pressestimmen zu Projekten der BRAND - Sanierung

2017
Bei der Lilie kommt Farbe ins Spiel
Gymnasiasten sehen sich "Mythos Wasser" in der Brandsanierung an
Zehn Schüler spürten am Donnerstag dem "Mythos Wasser" nach. Die Ausstellung von Angelika Flaig wird derzeit noch in den Räumen des Kunstvereins Brandsanierung in der Weißenfelser Neustadt gezeigt. Die Jugendlichen waren im Rahmen ihres Religionsunterrichts zu Christina Simon gekommen, die Vereinsvorsitzende ist und gleichzeitig im Goethegymnasium unterrichtet.
Was bildende Kunst und Religion miteinander zu tun haben? Lukas Dieterich verwies auf Wasser mit seiner Symbolkraft, die gut zur Religion passe. Und spannend sei ein Unterricht außerhalb der Schule allemal. Unterm Strich stand, dass manches sehr abstrakt war, der Interpretationsspielraum kaum fassbar schien. Doch bei "Große Wasserlilie" zum Beispiel sei die Blume deutlich zu sehen, komme auch mehr Farbe ins Spiel wie sonst eher nicht bei dieser Künstlerin. So jedenfalls sagte es Diana Garkuscha.
Bei "Wasserbau" machte Claudius Hentzschel nicht nur ein Wasserrad aus, sondern auch eine gewisse Asymmetrie. Er sagte: "Hier wird der Fortschritt in der Menschheitsgeschichte gezeigt." Bild drei, das von Lukas Dieterich besprochen wurde, zeigt einen Kopf und Fische. Das Gesicht wäre das einer Wasserleiche, die von Fischen umgeben sei. Das Gesicht stellt das einer Tänzerin dar, die Angelika Flaig in eine Performance integriert hatte. Ihr Foto hatte sie in einen lithografischen Steindruck umgewandelt, die Fische sind gemalt. "Man sieht förmlich, wie das Herz der Künstlerin an ihren Arbeiten hängt", sagte Frau Simon.
Auch Felizitas Franke und Stefanie Müller hatten sich mit Inhalten beschäftigt. In "Zeitklang" ist ein Notenblatt im Zusammenhang mit Wasser zu sehen. Sie sprachen von einer ähnlichen Grundmelodie des Lebens, aber von verschiedenen Strömungen und Menschen mit einer ganz eigenen Individualität.
Am Ende verwies Christina Simon auf ein nicht leichtes Thema. Da sind die Symbole und Metaphern, die zur Moderne des 20. Jahrhunderts gehören und die jeder auf seine Weise deuten muss. Sie und ihre Kolleginnen nutzen die Ausstellungen in der Brandsanierung gern, um die Schüler intensiver mit der Kunst bekannt zu machen. "Hier können sich die Gedanken frei entfalten." Die Ausstellung ist offiziell noch bis zum 25.Juni zu sehen.
Anschauen kann man sie zu den offiziellen Öffnungszeiten diesen und nächsten Sonnabend und Sonntag von 15 bis 18 Uhr.
MZ vom 17/18.06.2017

Die Kraft des Wassers im Bild
Vor der Ausstellungseröffnung in der Weißenfelser Brandsanierung berichtete die Künstlerin Angelika Flaig über ihre Arbeit
Ümit Öztoprak kam am Wochenende mit seiner Familie aus einem bestimmten Grund nach Weißenfels. Der Mann wollte bei der Ausstellungseröffnung"Mythos Wasser" von Angelika Flaig dabei sein. Diese wurde in der Brandsanierung, ein Verein für Kunst und Kultur, von der Vereinsvorsitzenden Christina Simon initiiert.
Ümit Öztoprak gehörte zu den vielen Gästen, die sich die Ausstellung ansehen wollten. Während der Eröffnung sprach Irmgard Sedler von den Museen der Stadt Kornwestheim und würdigte das Schaffen der Ausstellerin. Musikalisch wurde die Veranstaltung von Ulrike Stortz begleitet, die Stücke der Komponistin Adriana Hölszky auf der Geige spielte. Christina Simonging auch auf das Wirken der Künstlerin ein. Ümit Öztoprak freute sich, dass er bei einer Eröffnung von Angelika Flaig dabei sein konnte. Vor 32 Jahren war er ihr Schüler gewesen. Und nicht nur das. "Sie hat mich auf das Gymnasium geschickt. Ohne sie hätte ich kein Abitur", sagte er. Heute ist der 48-jährige Doktor in der psychologischen Arbeitsvermittlung. Angelika Flaig winkte bescheiden ab. Das sei früher gewesen.
Heute widmet sich die 66-Jährige ihrer Kunst. Das ist die Lithographie. Es ist eine spezielle Drucktechnik, bei der ein Stein bemalt, das Bild fixiert und anschließend gedruckt wird. In der Ausstellung steht das Wasser im Mittelpunkt. "Wir gehen jeden Tag mit Wasser um", sagte die Künstlerin, die früher in Kornwestheim lebte und heute in der Magdeburger Börde zu Hause ist. Es sei lebensspendend bis lebensbedrohend, machte sie auf das breite Spektrum aufmerksam und verwies sowohl auf Dürren als auch auf Überschwemmungen, die es auf der Welt gibt. In ihren Werken hat die Frau verschiedene Materialien verwendet. Diese und die gewählten Farben kommen in der Brandsanierung gut zur Geltung. Angelika Flaig schaute sich um und lobte die hellen und schönen Räume. Sie und Christina Simon hatten sich vor einigen Jahren während einer Ausstellung der Weißenfelserin in der Partnerstadt Kornwestheim kennengelernt. Der Wunsch nach einer Ausstellung Flaigs in der Brandsanierung wurde nie vergessen und ist Wirklichkeit geworden.
MZ vom 03.04.2017

Kunst und Wasser
Ausstellung mit vielschichtigen Werken von Angelika Flaig eröffnet
"Mythos Wasser" heißt die Ausstellung, die in genau acht Tagen im Weißenfelser Kunstverein Brandsanierung in der Novalisstraße eröffnet wird. Vorab konnten zum Tag des Wassers aber schon einmal Gäste die mehr als 40 Bilder in Gegenwart der Künstlerin Angelika Flaig in Augenschein nehmen. Daneben präsentierte sie Arbeiten während einer Installation zum Thema per Polylux.
Ekkart Günther, Geschäftsführer der Weißenfelser Stadtwerke, sprach von 3,8 Millionen Kubikmeter Wasser, die man im Jahr für Industrie und Haushalte zur Verfügung stelle, und war sich mit der Künstlerin einig, welche Gewalt Wasser entfalten kann. Er verwies auf die Flut von 2013 und auf deren zerstörerische Wirkung, sie sah auch die poetische und sinnliche Kraft. Angelika Flaig stammt übrigens aus Kornwestheim, ist inzwischen aber in Bösdorf bei Oebisfelde ansässig, ohne freilich ganz vom Württembergischen lassen zu können.
Immerhin ist ihre Weißenfelser Ausstellung, die am 1. April eröffnet wird, noch nicht ganz zu Ende, wenn die 1950 Geborene ab dem 24. Mai in Stuttgart weitere Arbeiten zeigt und gleichzeitig für ihr Lebenswerk geehrt wird. Es ist in Sachsen-Anhalt übrigens ihre zweite Schau nach Salzwedel, die sie an der Saale bestreitet. Es sind Lithografien, die sie aus ihrem Wasser-Zyklus zeigt. Bei einer kleinen Führung durch die Räume gewährte sie Einblicke in ihr Schaffen und sprach von ihrem Arbeitsstil, den andere Künstler wie ein Geheimnis hüten, wie sie sagt, den Angelika Flaig aber gern offenbart.
Da sind ihre Drucke, die sie immer wieder mit anderen Elementen kombiniert. So gibt es Zeichnungen, verschiedene Materialien bis hin zu Seidenpapier und Verpackungen, die die Wirkung von Flaigs Werken steigern. Aber auch das Kreisrund einer simplen CD findet sich.
Inspiriert von ihrem Vater hat sie sich früh mit technischen Dingen beschäftigt und stellt seit über 50 Jahren aus. Es sind faszinierende Arbeiten, die ihre Wirkung auch aus der Beschäftigung mit der Mythologie schöpfen.
MZ vom 24.03.2017

Auf 700 Jahre langer Zeitreise
Jahresheft wird im Verein Brandsanierung vorgestellt. Buchkunst im Mittelpunkt
Es war ein Augenschmaus, der den Gästen in denRäumen des Kunstvereins Brandianierung in der Weißenfelser Novalisstraße am Freitagabend gebotenwurde. Da war das von Jens- Fietje Dwars 1 kreierte Jahresheft für die Jahre 2014/15, das mehrere Autoren vereint und im Verlag IIe& Riemer erschienen ist. Den Umschlag zieren Arbeiten von Goethegymnasiasten.
Bei der Vorstellung machte Dwars nicht viele Worte um den sehenswerten und inhaltsschweren Band, sondern leitete fast zu schnell zu Büchern über, die zum Welterbe zählen und heute unbezahlbar sind. Nach einem guten halben Jahr hielt Caroline Karl ein zweites Mal einen Vortrag. Diesmal ging es um die Geschichte der Buchkunst von den Karolingern bis zu den Stundenbüchern des Herzogs von Berry.
Es war eine gut 700 Jahre lange Zeitreise. Dabei zeigte sie den interessierten Gästen auch ein Bild mit Bücherdeckeln, die Karl der Große in Auftrag gegeben hatte. In Elfenbein sind filigrane Darstellungen verewigt, die ihresgleichen suchen dürften. Dieser Reichtum an Details blieb bis ins späte Mittelalter erhalten, auch manche Auflage blieb wertvoll wie zuvor, wenn sie für Kaiser und Könige gefertigt worden ist. Aber die schöne Malerei wich mit der Erfindung des Buchdrucks Holzschnitten und Kupferstichen, was die Produktion preiswerter machte.
Ursprünglich hatte Frau Karl Geologie studiert, obwohl sie im Goethegymnasium zu den besten Schülerinnen von Kunstlehrerin Christina Simon gehörte, die die Vorsitzende des Vereins Brand-Sanierung ist. Das Geologie-Studium habe sie nie bereut, weil es ihr ganz andere und zusätzliche Einblicke gewähre. Dabei bekennt sie, einen Faible für Caspar David Friedrich und, Max Liebermann zu haben, widmet sie sich aber in ihrer jetzigen Masterarbeit dem älteren Pieter Bruegel und möchte anschließend noch promovieren
MZ vom 17.03.2017

Gymnasiasten präsentieren ihre Kunst
in Weißenfels. Sie wurden ebenso von der Sparkasse Burgenlandkreis finanziert wie die 50 Euro, die als Gruppenpreis für eine Klassenveranstaltung verwendet werden sollen. Damit wurden Arbeiten gewürdigt, die im Rahmen der Ausstellung "Wer zwei Röcke hat, gebe dem, der keinen hat" entstanden sind. Sie konnte offiziell bis Ende Januar in den Räumen des Kunstvereins "Brandsanierung" in der Novalisstraße 13 der Saalestadt besucht werden. Bis Mitte März sei aber laut der Vereinsvorsitzenden Christina Simon ein Besuch noch auf Voranmeldung möglich, ehe dann die die nächste Ausstellung vorbereitet wird. Simon war es auch gelungen, die Kreissparkasse mit ins Boot zu holen. Und das nicht nur für diese Schau, sondern für weitere Schülerausstellungen.
So sollen in diesem Jahr Arbeiten von Jungen und Mädchen der Neustadtschule gezeigt werden. Dorothea Schütz vom Vorstandsstab der Sparkasse war dann auch bereits Ende Januar dabei, als eine Jury die Preisträger ausgewählt hat. Gestern war Constanze Grundei-Peikert als Vertreterin des Keditinstitutes bei der Preisverleihung anwesend. Annemarie Wenzel (14) wurde gleich mehrfach aufgerufen, kann sie doch auch auf gute Leistungen in anderen Fächern verweisen. An der Ausstellung beteiligte sie sich mit dem Bild "Wenn du mich brauchst". Es zeigt eine Frau, die einen Jungen auf ihrem Arm tröstet. Das schien der Neuntklässlerin passend, wird dabei doch menschliche Wärme zum Ausdruck gebracht. Davon, dass sie dafür mit einem Preis geehrt wurde, war sie überrascht. Ob sie das Fach Kunst besonders mag, verneint sie. Sie mache alles gern.
Luise Börnchen (13) geht in die 7. Klasse und für sie ist die Beschäftigung mit Kunst das Lieblingsfach. Sie hatte eine Collage unter dem Titel "Franziskus predigt den Tieren" kreiert. Sie habe dabei Bilder aus Zeitungen und Magazinen verarbeitet. "Ich habe nicht gedacht, dass das so gut ankommt," sagte sie. Sie zeigte sich davon überrascht, dass sie als Preisträgerin aufgerufen wurde. Im Flur daheim würden schon einige ihrer Bilder hängen, möglich, dass nun auch der "Franziskus" dort Platz findet.
MZ vom 04.02.2017

Spektakuläre Ausstellung im Oktober - Vereinschefin zu Bilanz und erstem Ausblick
Der Verein Brandsanierung hat im vergangenen Jahr mit drei Ausstellungen auf sich aufmerksam gemacht. Eine mit Arbeiten von Schülern des Goethegymnasiums läuft noch bis zum 30. Januar. MZ-Redakteur Holger Zimmer sprach über die Bilanz und die Vorhaben dieses Jahres mit der Vorsitzenden Christina Simon.
Der Etat des Vereins ist für dieses Jahr gesichert?
Simon: Wir haben bei der Stadt und dem Landkreis eine Projektförderung beantragt. Doch zurzeit kann ich noch gar nichts sagen und hoffe, dass es weitergeht. Sicher ist aber, dass uns die Sparkasse Burgenlandkreis demnächst wieder unterstützt und die Schirmherrschaft für eine Abschlussveranstaltung der noch laufenden Schülerausstellung übernommen hat.
Wie sind denn die anderen Ausstellungen gelaufen?
Simon: Zahlreiches Publikum kam im späten Frühjahr zur Eröffnung der Ausstellung "Das Rätsel der Tiefe" des Nordhäusers Jürgen Rennebach. Dazu gab es Bildvorträge der Kunsthistoriker Caroline Karl und Roland Rittig. Ab September waren Fotos von Peter Lisker zum Thema "Ein Dorf siedelt um" zu sehen, musste doch Grünau der Braunkohle weichen. Dazu gab es den preisgekrönten Dokumentarfilm "Land am Wasser" zu sehen und Falk Zenker war zu Gast, von dem die Filmmusik stammt.
Schon jetzt wirft eine Schau ihren Schatten voraus, die erst im Oktober eröffnet wird...
Simon: Bei "Sonnengesang des Echnaton aus dem antiken Ägypten" geht es um die Auseinandersetzung zwischen den geistigen Quellen der Menschheitsgeschichte und der abendländischen Kultur. Es ist ein Nachfolgeprojekt der Schau "Das Hohelied Salomonis" von 2015. Fünf Künstler sind diesmal dabei.
Sie konnten sogar einen Archäologen für das Projekt interessieren.
Simon: Der Architekt und Archäologe Christian Tietze hat 20 Ausgrabungskampagnen in Ägypten und Syrien geleitet. Seine Forschungsergebnisse hat er auch im Römisch-Germanischen Museum in Köln gezeigt und wird nun die Kulturgeschichte des Orients in der Brandsanierung vermitteln. Tietze hatte bereits 2001 Anteil an der Sonderausstellung "Von Ägypten nach Preußen" im Weißenfelser Schloss.
Daneben ist in diesem Jahr wieder auswärts eine Ausstellung geplant.
Simon: Wir zeigen in der halleschen Moritzkirche "Das Hohelied Salomonis". Nach Naumburg im Vorjahr ist es das zweite Mal, dass wir das Engagement eines Vereins zur Kirchenerhaltung unterstützen. Außerdem wollen wir auf diese Weise die Kultur- und Bildungslandschaft der Region stärken.
MZ vom 04.01.2017

2016
Gymnasiasten präsentieren ihre Kunst
Denn bis Ende Januar sind 215 Arbeiten von fast 200 Schülern des Goethegymnasiums in Räumen der Weißenfelser Brandsanierung zu sehen. Die Kunst- und Religionslehrerin konnte sich dabei auf die Lehrer Christel Geißler, Uta Sommer, Uli Zander und Matthias Elter verlassen. Natürlich habe man bereits in der Sparkasse und der Marienkirche ausstellen können, auch der Verein Brandsanierung, dessen Vorsitzende Christina Simon ist, hat Heranwachsenden schon öfter seine Räume geöffnet. Ein Vergleich zur "Galerie der Jungen Meister", die es in DDR-Zeiten bis zur Wende gab, verbiete sich zwar. Aber gerade die Präsentation bei solchen öffentlichen Ausstellungen fördere das Selbstwertgefühl und steigere das Selbstbewusstsein. Für sie stehe schon jetzt fest, dass es im nächsten Jahr mit Mädchen und Jungen der Neustadtschule eine Neuauflage geben wird. Und sollten sich Sponsoren und weitere Ausstellungsräume finden, könnte man jungen Meister wieder eine größere Präsentationsmöglichkeit bieten. Das habe letztlich etwas mit der Förderung junger Menschen und deren künstlerischen Talenten zu tun. Diesmal war Anlass der Martinstag im St.-Claren-Kloster. Die Legende um den Heiligen sowie das Christina Simon sagte, dass Barmherzigkeit in Zeiten von Flüchtlingsströmen von allen Menschen gefordert sei.
Im Zuge der Ausstellungsvorbereitung sind wunderschöne Arbeiten entstanden. So haben vier Achtklässer jeweils ein quadratisches Fensterbild beigesteuert. Im Gegenlicht kommen die leuchtenden Farben besonders zur Geltung, ist Martin auch bei der Taufe und als Bischof zu sehen. Damit haben Kassandra Maul, Charlotte Schubert, Luisa Zeymer und Yannick Harnisch die Anregungen von Christina Simon perfekt umgesetzt. Bei der Eröffnung der kleinen Schau waren sie selbst nicht dabei, sind nun aber stolz, wenn ihre Arbeiten von fremden Menschen betrachtet werden können. Beim Rundgang durch die Räume lässt Christina Simon auch Max Kuhnert und Alexander Bruch den Inhalt von Bildern, Skulpturen und Collagen interpretieren. Zum Beispiel das Abendmahl, an dem Tiere teilnehmen, was die Zusammengehörigkeit aller Geschöpfe versinnbildlichen soll. Oder jene zwei Hände, die sich von den Fesseln der Gewohnheit befreien. Der Spielraumfür Interpretationen ist groß.
MZ vom 21.11.2016

Einfühlsame Bilder einer Umsiedlung
Zwanzig Jahre nach der Umsiedlung wegen des heranrückenden Braunkohletagebaus stand die einstige Gemeinde Großgrimma gleich doppelt im Fokus der neuen Ausstellung in der Galerie Brandsanierung. Am Freitagabend ist eine Fotoschau des MZ-Fotografen Peter Lisker eröffnet worden, die aus den Jahren 1997 und 1998 Bilder der letzten Tage vor dem Umzug der Menschen nach Hohenmölsen zeigt.
Zur Vernissage lief dann der Film "Land am Wasser", für den Tom Lemke in eindrucksvollen Bildern eingefangen hat, wie drei Männer, allein auf sich gestellt, im bereits geräumten Ort weiterleben. Vor allem der Landwirt Silvio harrt bis zum Schluss aus, bestellt seine Felder, füttert sein Vieh, schlachtet und verkauft nicht zuletzt an ehemalige Großgrimmaer das Fleisch. Anstelle des Filmemachers war Produzent Thomas Jeschner gekommen und ein gefragter Gesprächspartner des Abends. Er hatte das Geld aufgetrieben, um den 80-minütigen Streifen zwischen 2004 und 2013 drehen zu können. Lohn war schließlich eine "Goldene Taube" bei der Leipziger Dokumentarfilmwoche 2015.
Das traurige Mädchen
Die Bilder beider Teile der Ausstellungseröffnung ergänzen sich. Die Fotos von Lisker werden noch bis zum 1. Oktober zu sehen sein. Der Blick darauf lohne sich, sagte die Weißenfelser Fotografikerin Ingelore Lohse in ihren einführenden Worten. Die Fotografien zeigten, wie der Autor die Zeitdokumentation für die Zeitung mit künstlerischen Aspekten verbunden habe.
Besonders anschaulich sei das in dem Bild des traurigen Mädchens am letzten Tag, an dem der Kindergarten in Großgrimma geöffnet hatte.
Mit virtuosem Gitarrenspiel umrahmte Falk Zenker übrigens die Ausstellungseröffnung und die Filmvorführung in der Brandsanierung.
Zenker hat auch die Musik für den Film geschrieben und selbst umgesetzt.
MZ vom 04.09.2016

Vernissage in Brand-Sanierung Weißenfels - Das Rätsel der Tiefe
Die Brand-Sanierung in Neustadt ist ein Ort der Kunst und verbindet internationale Künstler mit der regionalen Kunst im Burgenlandkreis. "Ich verstehe die Brand-Sanierung in der Neustadt als Brennpunkt der Kultur", sagt Christina Simon, Initiatorin des Kultur- und Kunstprojektes. Daher veranstaltet der Verein regelmäßig Ausstellungen für das regionale Publikum. Dabei zählt sie auf die Unterstützung von Künstlern wie Jürgen Rennebach, der seit vergangenem Samstag in der Neustadt ausstellt.
"Ich finde diesen Ort sehr schön und es ist ein Glücksfall für Weißenfels, Menschen wie Christina Simon zu haben", sagt der Maler Jürgen Rennebach. Für ihn sind Orte mit eigener Strahlkraft sehr wichtig für das kulturelle Publikum. Gezeigt wird von ihm ein Querschnitt seines Schaffens. "An einzelnen Bildern hängt nicht mein Herz. Aber immer wieder fällt es mir schwer, von den letzten Werken Abschied zu nehmen", erzählt der Künstler im Anschluss der Ausstellungseröffnung, die sowohl für ihn als auch für den Verein durch die große Resonanz des Publikum ein Erfolg geworden ist.
"Der Kontakt ist über den Dozenten und Autoren Walter Martin Rehahn aus Halle entstanden", berichtet die Künstlerin und Kunstschaffende. Sofort seien sie ins Gespräch gekommen und die Idee von der Ausstellung in der Brand-Sanierung wurde geboren. Die Vernissage "Das Rätsel der Tiefe" zeigt Gemälde und Grafiken des in Nordhausen geborenen Künstlers. Simon selbst honoriert vor allem das Engagement Rennebachs. Der Maler ist nicht nur Künstler, sondern auch Leiter des Museums Tabakspeicher in Nordhausen. "Dafür schätze ich ihn wirklich sehr. Diese Doppelbelastung zu bewältigen ist schwierig", sagt sie und betont, dass sie das selbst von ihrer Tätigkeit als Lehrerin, Künstlerin und Kunstschaffende kenne.
Auf seinen Gemälden spiegeln sich nicht nur Land- und Stadtansichten wider. "Die Deutung ist oft schwierig. Aber gerade das Schweigen baut dem Betrachter poetische Brücken zum Bild selbst und so erhält es Mehrdeutigkeit", erklärt Walter Martin Rehahn, der Rennebach schon seit seinem elften Lebensjahr kennt und mit ihm gerne zusammenarbeitet. Der Leiter des Canstein-Bibelzentrums in Halle ist selbst Schüler von Rennebachs Vaters gewesen und mit dem Sohn habe sich eine langjährige, schöne Freundschaft entwickelt. Die beiden Männer können über Kunst und Kultur reden, sich aber auch gegenseitig kritisieren. "Das ist uns beiden auch ganz wichtig", sagt Jürgen Rennebach. Meist kritisiert Rehahn nur kleine Äußerlichkeiten. Aber eben das finde Rennebach gut. "Da erfährt man einen Blick von Außen und der kann einen weiterbringen", berichtet der 56-jährige Nordhausener.
Die Farbwahl und Ausdruckskraft der Bilder haben die ersten Besucher der Ausstellung besonders gefesselt. "So abstrakt wie ich es mir zuerst vorgestellt habe, sind die Bilder gar nicht", sagt Martha Becker überrascht. Die Rentnerin ist zum ersten Mal in den Ausstellungsräumen gewesen und positiv überrascht. "Ich hatte keine genauen Vorstellungen, das gebe ich gerne zu", verrät die Rentnerin aus Braunsbedra. Eine Freundin habe ihr von den Gemälden Jürgen Rennebachs berichtet und ihre Neugier geweckt. "Seine Botschaften erkenne ich sehr gut. Mit meiner Frauengruppe werde ich bestimmt noch einmal kommen", hofft die 73-Jährige.
Jenes Publikum soll die Brand-Sanierung auch ansprechen. "Jede Generation hat andere Fragen an die Kunst", sagt Christina Simon zufrieden. Durch Kultur verändere sich die Neustadt vom sozialen Brennpunkt zum Positiven.
MZ vom 08.06.2016

2015
Künstlerin malt Musik
Ingrid Moll-Horstmann zeigt beim Weißenfelser Kunstverein Brandsanierung die Schau "Zeichen für das Ende dieser Zeit"
Hochwasser, Vulkanausbruch, Luftangriffe, Flucht- die Medien sind täglich gefüllt mit negativen Schlagzeilen und Themen. Dazu kommt das persönliche Leid, die Last, die ein jeder Mensch mit sich herumträgt. "In einer solchen Zeit", sagt Christina Simon, "braucht man Hoffnung". Ihrer Meinung nach birgt die Kunst diese Hoffnung für alle - egal, ob Musik, Tanz oder die bildende Kunst, denn aus ihr keimt ein Neubeginn, der Wille zum Weiterbestehen. Ähnlich sieht es auch die 72-jährigeKünstlerin Ingrid Moll-Horstmann. Die in Herne geborene Künstlerin stellt derzeit ihren Bilderzyklus "Zeichen für das Ende dieser Zeit" in der Weißenfelser Brandsanierung aus. Künstlerisch beschäftigte sie sich mit religiösen Themen und arbeitete 40 Jahre lang mit Holzschnitten, die Moll-Horstmann in Farbe und vielen Facetten gestaltete. Es sei während eines Konzertbesuches gewesen, in dem Olivier Messiaens Werk "Quartett Zeichen auf das Ende der Zeit" gespielt wurde, erinnert sich Moll-Horstmann. "Diese Musik ließ mich nicht mehr los - ich wollte sie malen." Noch in der gleichen Nacht begann sie zu malen. Entstanden ist in der Folge ein 21-teiliger Zyklus, in dem sie sich mit den Zeichen der biblischen Apokalypse und dem damaligen Weltgeschehen auseinandersetzte.
Neben verschiedenen Bildern der Offenbarung wie den sieben Posaunen und den Engel mit Beinen wie Feuersäulen, nahm sie auch Themen auf wie das Erdbeben und der Tsunami in und vor Japan auf. Auch eigene Erinnerungen wie die Flucht aus Schlesien finden sich im Zyklus wieder. Verwendet hat die Künstlerin aus Paderborn kräftige Acrylfarben, die verschiedene Musikinstrumente und Klangfarben widerspiegeln. Ebenso wie Moll-Horstmann bewundert Gastgeberin Christina Simon den Komponisten Messiean, der die Musik im Internierungslager in Görlitz während des Zweiten Weltkrieges zu Papier brachte und dessen Dessen Uraufführung in einem Waschraum stattfand. "Kunst ist ein Hoffnungsträger", so Simon, "auf die Kunst kann man nicht verzichten und diese Ausstellung zeigt, wie interdisziplinär und verbindend sie sein kann." Auch Götz Ulrich (CDU), Landrat im Burgenlandkreis, bekräftigt diese Aussage während der Eröffnung der Vernissage: "Die Kunst regt an nachzudenken, die Welt anders wahrzunehmen, sich mit den Symbolen Zeit auseinanderzusetzen." Daher sei es auch wichtig, solche Projekte wie den Verein der Brandsanierung in seiner Schaffenskraft zu unterstützen und sich für dessen Erhalt einzusetzen. "Weißenfels entwickelt sich zu einer Kulturhauptstadt des Burgenlandkreises", sagt Ulrich. Allein die altersmäßige Zusammensetzung der Besucher von Jugendlichen bis zu Senioren zur Eröffnung zeige dies deutlich. Das Interesse des jungen Publikums aus dem Weißenfelser Goethegymnasium, an dem Christina Simon unterrichtet, an der bildenden Kunst lässt Kommunalpolitiker und die Veranstalter der Brandsanierung hoffen. Denn weitere Veranstaltungen sind geplant.
MZ Oktober 2015

Ingelore Lohse Die schnellste Fotografin
Er kennt und schätzt ihre Leidenschaft seit Jahrzehnten - die Fotografie. Ihre Arbeiten in Schwarz-Weiß und in kraftvollen Farben, die gleichermaßen verblüffen und anregen, können kontrastreicher nicht sein. "Wir sind wie Geschwister im Geiste", sagte Jochen Ehmke in seiner Laudatio zur Eröffnung der Ausstellung "Zurück nach vorn", die am Wochenende anlässlich des 70. Geburtstages der Fotografin Ingelore Lohse beim Kunstverein Brandsanierung in Weißenfels eröffnet wurde.
Der Fotograf aus Halle würdigte vor zahlreichen Gästen Ingelore Lohses jahrzehntelanges Schaffen. Und das tat der Wegbegleiter auf eine bemerkenswert vergnügliche Weise, denn Ehmke würzte seine kurze Rede mit einer bilderreichen Sprache, wie es sich für eine Fotografin gehört. Er sprach von einem "Attentat", das sie auf ihn vorhatte - nämlich für ihre Jubiläumsschau Laudator zu sein. Und Ehmke nannte sie die "schnellste deutsche Fotografin" - in Erinnerung an ihre sportlichen Leistungen als eine der weltbesten Leichtathletinnen in der DDR-Nationalmannschaft von 1969 bis 1972.
Fast vier Jahrzehnte hat sie als Fotojournalistin Maßstäbe in der Pressefotografie gesetzt, davon zwölf Jahre im Regionalteil der Weißenfelser Ausgabe der Mitteldeutschen Zeitung. Durch ihre gewachsene Verbundenheit mit der Region entschied sich Ingelore Lohse, nach ihrer Zeit als Pressefotografin Kunst und Kultur in Weißenfels und Umgebung mitzugestalten. Sie und Jochen Ehmke verbindet nicht nur das Fotografieren, sondern auch das Nachdenken darüber sowie das Weitergeben praktischer Erfahrungen - ob im Fotozirkel oder einer Arbeitsgemeinschaft an Gleichgesinnte.
In mehreren Ausstellungen ist das deutlich geworden, nicht allein in Ingelore Lohses eigenen, sondern in jenen der Arbeitsgruppe (AG) "Die Fotografen" und in Kreisfotoschauen. Als Leiterin der AG und Initiatorin hat sich die Fotografikerin engagiert, hat sie Akzente gesetzt. Die gebürtige Hallenserin ist zudem Gründungsmitglied des Kunst- und Kulturprojektes Brandsanierung. Grund genug, um hier Lust auf Ausstellungen zu haben - wie eben jetzt wieder - aus gegebenem Anlass.
Da sind Beispiele aus der Landschaftsfotografie wie in der Sonne leuchtendes Herbstlaub, dem Ingelore Lohse den Titel "Blattgold" gab. Sie zeigt Motive der Fotografik wie "Blättertraum" und "In der Puszta". Und da sind der "Abend am Mondsee" bei Hohenmölsen und "Das kreisende Rad des täglichen Tuns läuft auf Hochtouren". Die Schau ist spannend. Kontraste machen sie lebendig, interessant und liebenswert. Sie hält, was der Titel verspricht: "Zurück nach vorn". Laudator Ehmke begründete das auf seine Art: "Alte Hasen wie wir haben Ruhe gefunden, aber uns nicht zur Ruhe gesetzt. Und jetzt, wo wir in die Jahre gekommen sind, machen wir die Fotos, die wir wollen." Ehmke wagte die Prognose, dass Fotografen sehr alt werden würden. Bestes Beispiel sei der gebürtige Weißenfelser Horst P. Horst. Der Künstler, dessen Porträts um die Welt gingen, wurde 93 Jahre und starb 1999 in den USA.
"Die Natur begeistert mich immer wieder", erklärt Ingelore Lohse. Natur sei die größte Künstlerin - mit ihrem Licht, den Farben und Formen, mit Weite und Raum. In einer früheren Ausstellung hat sich die Fotografin in Erinnerung an den Romantiker Novalis seinen Texten gewidmet.
Ausschnitte sind in der Jubiläumsschau zu sehen.
MZ vom 11.05.2015

2014
Literaturherbst in Weißenfels Mit Erich Kästner und Manfred Schmitz durch das Jahr
Das Haus war - wie immer auch am Freitagabend - voll beim Weißenfelser Kunstverein Brandsanierung in der Novalisstraße 13. "Die dreizehn Monate" von Erich Kästner, vertont von Manfred Schmitz, ließen Uta Hauthal (Gesang) und der Pianist Derek Henderson aus Dresden vor Publikum unterschiedlicher Generationen vom Studenten bis zur Rentnerin lebendig werden.
Mit dem im Jahr 1955 entstandenen Gedichtzyklus, den Schmitz 1979 vertonte, beendete die Brandsanierung auf kurzweilige und vergnügliche Weise, ihr Jahresprogramm 2014. Vereinsvorsitzende Christina Simon sammelte auch an diesem Abend Spenden, die sehr wichtig für den Erhalt der Kulturinsel in der Neustadt sind.
Pfarrer Martin Schmelzer von der evangelischen Kirchengemeinde der Stadt nutzte die letzte Veranstaltung im alten Jahr für einen Aufruf, die Petition des jungen Weißenfelsers Martin Wimmer zu unterschreiben und sich für den Erhalt des Kulturstandortes in der Neustadt stark zu machen. Es sei notwendig, die Brandsanierung solidarisch zu unterstützen. Diese setze laut Schmelzer mit ihrer Initiative seit Jahren auf Ästhetik, Bildung und Soziales.
MZ vom 13.12.2014


Ausstellung in Weißenfels Zwischen Licht und Schatten
Sie ist in Merseburg zu Hause, er in München. Beide zeigen ihre künstlerischen Arbeiten seit dem vergangenen Wochenende in Räumen des Kunstvereins Brandsanierung. Unter dem Titel "Schwarz - Weiß - Grau" stellen Irene Buchanan und Markus Epha Holzschnitte und Drucke aus, die Geschichten erzählen, Gedanken zwischen Licht und Schatten widerspiegeln. Passend zu den Bildern hat der Schauspieler, Musiker und Arrangeur, Holger Vandrich, festes Ensemblemitglied am Theater Naumburg, die Ausstellung mit Gitarrenklängen am Samstagabend im sanierten Gründerzeitdenkmal Novalisstraße 13 eröffnet. Um zu wissen, worauf er sich einlasse, besuchte Vandrich die Schau bereits am Freitagabend, als sie sich noch im Aufbau befand.
Während sich Irene Buchanan, verheiratet mit einem Amerikaner, mit dem Thema Salz auseinandersetzt und Arbeiten von einer England-Reise zeigt, widmet sich Markus Epha mit seinen Porträts von Schauspielerin, Tänzerin und Musikerin sowie Engelsgesichtern von Grabstätten-Skulpturen dem Leben und dem Tod. Sie alle, auch die Bilder von der Insel Rügen, Eis an der Scheibe, Reflexe aus dem Wasser, die Wendeltreppe und der bärtige Engel im Eingang zur Ausstellung tragen keine Titel. Betrachter sollen Bilder hören - "ich mag es, weil ich mich als Geschichtenerzähler verstehe", erklärt der Künstler. "Leben und Tod, beides gehört wie Schmerz und Übergang von Licht zu Schatten zusammen", erklärt der Mann aus Bayern. Er spricht von einer Zeitreise.
Schon lange wollte Epha, der ebenso wie Buchanan kein Unbekannter in der Brandsanierung ist, mal wieder hier ausstellen. Ihn fasziniere zudem die Landschaft im Burgenlandkreis mit ihren Sand- und Kalksteinen, Weinbergen, Burgen und Schlössern. "Die Region hat ihre besondere Ausstrahlung", ist Markus Epha angetan von der "lieblichen Saale-Unstrut-Gegend".
Immer sei er bloß durchgefahren. Jetzt wolle er öfter anhalten, aussteigen - verweilen, genießen.
MZ vom 06.05.2014


Konzert in Weißenfels Gitarrist lässt höfische Musik aus dem 13. Jahrhundert modern klingen
Würde er sie nicht als acht höfische Tänze aus dem 13. Jahrhundert ankündigen, könnte das Publikum glauben, dass der Mann mit den flinken Fingern den Blues und Jazz von heute spielt. Gitarrist Falk Zenker gab am Samstagabend vor 80 Gästen ein Konzert beim Weißenfelser Kunstverein Brandsanierung. Dabei spielt der 47-Jährige aus Weimar seine Gitarre bei Stücken von höfisch über stürmisch bis engelhaft wie ein Schlagzeug. Das gefällt, kommt an bei Zuhörern im Alter von sieben bis 80. Ohne zwei Zugaben lässt ihn das Publikum nicht fort.
"Es ist unglaublich, die Musik der Minnesänger von Burgen und Schlössern klingt so modern wie unsere heutige, vor allem so wie Jazz", sagt Maximilian Schmidt beeindruckt nach dem virtuosen Spiel des gewandten Weltmusikers Zenker, der den Flamenco in Andalusien studierte und mit südamerikanischen Musikern auf Tournee ging.
Schmidt, der 19-jährige Weißenfelser, gehört zu den jüngsten Besuchern der Veranstaltung, in der Gastgeberin Christina Simon und Verleger Jörg Riemer den Katalog zur Ausstellung "Sei mir gegrüßt, Melancholie" vorstellen. Die Künstlerin zeigte die gerade zu Ende gegangene Schau mit ihrem druckgrafischen Werk von 1985 bis 2013 anlässlich ihres 50. Geburtstages.
Und weil sich der Musiker Zenker und die Bildende Künstlerin Simon seit Jahren kennen und einander schätzen, kommt es zu regelmäßigen Begegnungen, ist von beiden zu erfahren. "Die Lithografien mit Arbeiten aus dem Leben bedeutender Frauen des Mittelalters wie Mechthild von Magdeburg und Elisabeth von Thüringen passen zu meiner Musik", erklärt Klangkünstler Falk Zenker.
Es reize ihn, Klanggeheimnissen auf den Grund zu gehen, die Wurzeln der abendländischen Musik zu erforschen und für das heutige Publikum erlebbar zu machen - mit neuen, frischen und interessanten Arrangements, plaudert der Mann an der Gitarre auf natürliche und bodenständige Art.
Von Anfang an gewinnt Zenker die große Zuhörerschar, unter der sich ehemalige Schüler und Kollegen von Christina Simon vom Weißenfelser Goethegymnasium ebenso befinden wie Falk Zenkers Schwiegermutter Uta Töppe aus Goseck. Hier, beim Raumklang-Label im Gosecker Schloss, hat der Saitenzauberer auch die acht Tänze als Album "Estampie" aufgenommen, die er in der Brandsanierung präsentiert. "Nach den Stücken der mittelalterlichen Troubadoure wurde getanzt und gestampft", beschreibt er die königliche Liedersammlung vom französischen Königshof der Jahre 1290 bis 1310. "Ich habe geglaubt, auf Blues, Folk, Jazz und zum Teil Musik des russischen Komponisten Modest Mussorgski gestoßen zu sein", erläutert Falk Zenker seine berührende Gedanken- und Zeitenreise zwischen den verschiedenen Tänzen. Christina Simon und Jörg Riemer vom Verein Brandsanierung lassen am Ende traditionsgemäß den Hut herumgehen, um Spenden zu sammeln. Etwas ist anders: Antragsformulare liegen für Interessenten aus, die den Verein künftig nicht nur als Gäste, sondern zudem zahlende Mitglieder mit einem Jahresbeitrag von 36 Euro unterstützen wollen. "Das sind drei Euro im Monat", sagt Christina Simon. "Damit können Sie uns dauerhaft helfen, denn Spendengeld aus der Wirtschaft und die Fördermittel von Stadt, Burgenlandkreis sowie dem Land werden eher weniger als mehr", wirbt die Vereinsvorsitzende für den weiteren Fortbestand der eintrittsfreien Kulturinsel für zeitgenössische Kunst in der Novalisstraße 13.
MZ vom 29.04.2014


Ausstellung in Weißenfels - Christina Simon präsentiert Katalog
Christina Simon zeigt anlässlich ihres 50. Geburtstags ihr druckgrafisches Werk beim Weißenfelser Kunstverein "Brandsanierung". Der Katalog ist jetzt unter dem Titel "Sei mir gegrüßt, Melancholie" erschienen und gibt Einblicke in ihr abwechslungsreiches Schaffen.
"Sie schneidet immer noch" - so heißt eine graubraun-weinrote Lithografie von Christina Simon. Diese typische Arbeit der Weißenfelser Künstlerin aus dem Jahr 2009 ist Teil einer Ausstellung, die noch bis Monatsende auf der Neustadt-Kulturinsel "Brandsanierung" in der Novalisstraße 13 gezeigt wird. Anlässlich ihres 50. Geburtstages präsentiert Christina Simon dort, wo sie arbeitet und lebt, ihr druckgrafisches Werk von 1985 bis 2013.
Der Weimarer Komponist, Klangkünstler und Gitarrenvirtuose Falk Zenker kommt zum Ende der Ausstellung (Finissage) am Sonnabend, dem 26. April, um 15 Uhr in die Weißenfelser Brandsanierung. Während der Veranstaltung mit Zenkers Konzert wird auch der zur Schau gerade erschienene Katalog vorgestellt. Besucher sind dazu eingeladen.
Unter dem Titel "Sei mir gegrüßt, Melancholie" gewährt die Vorsitzende des Kunstvereins "Brandsanierung" Einblicke in ihr abwechslungsreiches Schaffen, das mit Szenen aus dem elterlichen Wohn- und Gasthaus "Zur Post" in ihrem Heimatdörfchen Markröhlitz bei Goseck begann. Der schwarz-weiße Linolschnitt "Meine Mutter sucht ständig ihre Brille" aus dem Jahr 1985, "Unsere alte Eiche im Garten" und "Die alte Dorfstraße" sind solch liebenswerte Beispiele. Sonnenrosen, Federn, Kakteen erinnern an ihr Zuhause mit Garten, Feld und Vieh. Stillleben wie Wirsing und Zwiebeln vermitteln Blicke in Mutters rustikale Speisekammer. Die Heimatverbundenheit kommt auch in den Landschaften rund um Schloss Goseck mit der Saale zum Ausdruck.
Wie ein roter Faden ziehen sich Fäden, Netze, Stricke, ja auch Musiknoten und Fußspuren durch Christina Simons Werke - als Metaphern für verschiedene Darstellungen. Auch Nägel und Schlüssel gehören dazu. "Mein Vater Erhard Simon war Werkzeugmacher", sagt sie, ihre Affinität zum Handwerk erklärend. Christina Simon ist ausgebildete Gymnasiallehrerin für Kunst, Mathematik und Religionspädagogik.
Während ihrer Studienzeit in Erfurt setzte sich die ausgebildete Gymnasiallehrerin für Kunst, Mathematik und Religionspädagogik mit den Themen Geselligkeit und Einsamkeit auseinander. Spirituelles und Geschichte werden in Arbeiten mit Acrylfarben, Öl und Tempera ebenso sichtbar wie in Aquarellen, Radierungen, Collagen und - schließlich den Linolschnitten in kraftvollen Farben. Inspiration holt sich die gebürtige Weißenfelserin in der griechischen Mythologie. Das Alte und das Neue Testament sind ihr als wesentliche Quellen hilfreich.
Studienkollege und Freund Falko Bornschein würdigt Christina Simon als eine Suchende und eine Pilgerin mit dem Schnittmesser als Wanderstab. Der Weißenfelser, der am Dom der Thüringer Landeshauptstadt arbeitet, hat mit ihr gemeinsam den gerade zur Ausstellung erschienenen Katalog zusammengestellt. Freunde und Verwandte der Künstlerin haben die Druckkosten unterstützt. "Ebenso haben mir meine Kollegen des Weißenfelser Goethegymnasiums hilfreich zur Seite gestanden", sagt die Künstlerin und Pädagogin. Kunstlehrerin Uta Sommer und die ehemalige Kollegin Renate Deckert nennt sie stellvertretend für viele. Der Katalog soll am 26. April zur Finissage vorgestellt werden.
MZ vom 09.04.2014


Stadtrat und Verwaltung liegen über Kreuz
Der Beschlussentwurf der Stadtverwaltung war eindeutig. Der Antrag des Kunstvereins Brandsanierung, seine Arbeit mit 8 000 Euro im Jahr zu fördern, soll abgelehnt werden. Die Antwort des Stadtrates war am Donnerstagabend ebenso eindeutig, wenn auch mit knapper Mehrheit von 20 zu 17 Stimmen, gefasst: Die Brandsanierung bekommt das Geld. Dass der Verein dennoch seine Kosten fürs laufende Jahr nicht decken kann, liegt daran, dass es noch eine Lücke von 2 000 Euro gibt. Ein zweites Hindernis ist vorerst, dass Oberbürgermeister Robby Risch (parteilos) gegen den Beschluss Widerspruch einlegt, wie er am Freitag gegenüber der MZ sagte. "Ich tue das nicht, weil ich dem Verein das Geld nicht gönne, sondern weil eine institutionelle Förderung für ein Jahr nicht rechtens ist. Das muss man dann langfristig regeln," sagte Risch. Er will das nun mit der Haushaltsdiskussion verbinden.
"Aber ich sage auch, wenn wir das Geld dorthin geben, müssen wir es an anderer Stelle wegnehmen."
Dabei waren sich alle Redner des Abends darin einig, dass die Brandsanierung eine wichtige Arbeit leistet; dass es weit und breit nichts Ähnliches gibt, was unter anderem Schülern zeitgenössische Kunst nahebringt. Allerdings gingen die Schlussfolgerungen auseinander. Franz Patzschke (Fraktion Bürger für Weißenfels/Landgemeinden) forderte bei aller Anerkennung der Arbeit eine Gleichbehandlung von Vereinen und somit die Förderung von Projekten.
Mario Kabisch-Böhme (FDP/Freie Wähler) sah das ebenso und forderte zudem, dass die Brandsanierung mehr auf eigene Einnahmen schauen müsse. "Man kann auch von Schülern eine kleine Beteiligung verlangen." Das sei schließlich im Schützhaus ebenso, so Kabisch-Böhme.
Deutliche Argumente zugunsten des Kunstvereins kamen aus der CDU-Fraktion. Deren Vorsitzender Manfred Rauner sagte, im Verein werde erstklassige Arbeit geleistet. Schon die Reduzierung der Förderung von 10 000 auf 8 000 Euro, wie vom Kulturausschuss vorgeschlagen, werde für den Verein zur Herausforderung. Sein Fraktionskollege Jörg Riemer erinnerte daran, dass Vereinsvorsitzende Christina Simon und die anderen Mitglieder alle Arbeit ehrenamtlich leisten.
Johannes Kunze (SPD) stellte die Frage: Ist die Brandsanierung in und für Weißenfels eine Institution? Und er beantwortete sie mit Ja. Daher verdiene sie die institutionelle Förderung, die zudem einfacher zu handhaben sei für die Verwaltung als eine Projektförderung.
Oberbürgermeister Risch versuchte letztlich noch einen Vorstoß. Die Leistung des Vereins sei unstrittig, aber die Kassen seien leer. Man habe sich verpflichtet, Schützhaus, Heimatnaturgarten, Literaturkreis Novalis und Museum institutionell zu fördern, mehr gehe nicht.
Stadtratsvorsitzender Jörg Freiwald (Die Linke) versuchte es noch mit einem Kompromiss. Der Antrag solle noch einmal an den Hauptausschuss gehen und im Zusammenhang mit der Haushaltsdiskussion entschieden werden. Letztlich bekam aber auch der Kompromiss keine Mehrheit im Stadtrat, sondern es gab den Beschluss, die 8 000 Euro zu geben. Der Widerspruch des Oberbürgermeisters schiebt die Sache nun allerdings auf. Die Haushaltsdiskussion im Stadtrat soll es laut einer Information von Risch im April geben.
2013
Ausstellungseröffnung in Weißenfels Kafkas "Process" als Linolschnitt
Es ist Zufall, dass dieser zehnteilige Linolschnitt-Zyklus überhaupt entstehen konnte, der seit Samstagnachmittag in den Räumen des Vereins Brand-Sanierung in Weißenfels zu sehen ist. Denn Franz Kafka hatte in seinem Testament verfügt, dass sein Werk vernichtet werden sollte. Darüber wurde sich hinweggesetzt, wodurch der Roman "Der Process" überhaupt erst erhalten blieb. Und diesen hat Jörg Traeger im Rahmen seines Staatsexamens 1966 bildkünstlerisch umgesetzt.
Es ist Zufall, dass dieser zehnteilige Linolschnitt-Zyklus überhaupt entstehen konnte, der seit Samstagnachmittag in den Räumen des Vereins Brand-Sanierung in Weißenfels zu sehen ist. Denn Franz Kafka hatte in seinem Testament verfügt, dass sein Werk vernichtet werden sollte. Darüber wurde sich hinweggesetzt, wodurch der Roman "Der Process" überhaupt erst erhalten blieb. Und diesen hat Jörg Traeger im Rahmen seines Staatsexamens 1966 bildkünstlerisch umgesetzt.
Laut Christina Simon von der Brand-Sanierung sei die Wahl des Termins für die Ausstellungseröffnung am Gedenktag an die Pogromnacht 1938 mit Bedacht gewählt worden. Letztlich ist es ihrem Engagement zu verdanken, dass der Zyklus überhaupt den Weg in die Saalestadt gefunden hat. Denn sie kennt den Regensburger Kunsthistoriker Hans-Christoph Dittscheid seit einem Seminar in Griechenland. Und dieser hatte bereits im Vorjahr die Linolschnitte im Kunst- und Gewerbeverein der Donaustadt zum 70. Geburtstag des vor acht Jahren verstorbenen Traeger gezeigt. Freilich nicht ganz so professionell mit Rahmen und Passepartout wie in Weißenfels, wie er betont.
Zum "Process" führt Dittscheid aus, dass es in ihm um einen Justizmord geht. Dabei wird die Hauptfigur des Romans ohne erkennbare Untaten verhaftet, verurteilt und ermordet. Wie könne Kunst eine Ahnung von dem später in Deutschland praktizierten Antisemitismus haben, fragt der Kunsthistoriker. Denn Kafkas 1914/15 entstandenes Werk vermittle bereits die Vorahnung der kommenden Katastrophe, in der sechs Millionen Juden dem Rassenhass der Nazis zum Opfer fielen.
Das schroffe Schwarz-Weiß der Drucke vermittelt in lapidarer Sprache die Konzentration aufs Wesentliche: die Verlorenheit des Menschen, seine Isolation und den gesamten psychischen Druck. Sie reichen von der Kraftlosigkeit gegenüber der Allmacht des Advokaten bis zum Gang zur Hinrichtung und zur Exekution. "Es sind wie aneinandergefügte Filmsequenzen." Letztlich haben die Empfindungen Kafkas in der Reichspogromnacht schreckliche Wirklichkeit erfahren, wie Dittscheid betont. Diesen Spannungsbogen stellt Traeger in seinem Zyklus ebenfalls dar. Aber er ist in seinen Arbeit die Ausnahme, weil er sich später als Professor für Kunstgeschichte nur in den Semesterferien der Malerei gewidmet habe, seien Landschaften von Bayern, Italien und Schottland entstanden.
Eine komplexe Annäherung an Kafkas Gesamtwerk blieb dem evangelischen Theologen Gerhard Begrich vorbehalten. Angesichts dessen, dass viele Weggefährten des Autors den Massenmord nicht überlebten, bezeichnet er es als Segen, dass Kafka bereits vor 1933 verstarb und das nicht erleben musste. Begrich verweist auf das Edvard-Munch-Bild "Der Schrei" und sagt, dass die in jenen Jahren ausgebliebene Hilfe für die Juden für ein ganzes Jahrhundert stehe.
MZ vom 12.11.2013


Ausstellung in Weißenfels Literatur im Banne der Kunst
Eine Ausstellung in der Galerie Band-Sanierung in Weißenfels zeigt mitteldeutsche Buchkunst und Grafik am Beispiel der thüringischen Literaturzeitschrift "Palmbaum".
In Sachsen-Anhalt heißt "Ort der Augen", was in Thüringen "Palmbaum" betitelt ist. Es handelt sich in beiden Fällen um ebenso liebevoll wie aufwendig gestaltete Literaturzeitschriften. "Ort der Augen" erscheint vierteljährlich als Broschüre von rund 100 Seiten. Der "Palmbaum" ist ein Halbjahresperiodikum und mit über 200 Seiten so dickleibig wie ein Buch. Jede Ausgabe der beiden Zeitschriften ziert ein künstlerisch ganz individuell gestalteter Einband.
Wie man sich das Äußere des in Jena wurzelnden literarischen "Palmbaum" vorzustellen hat, zeigt eine Ausstellung in den Räumen der Galerie Brand-Sanierung in Weißenfels. Auch die bibliophile Buchreihe "Edition Ornament" wird in der Galerie in der Novalisstraße 13 vorgestellt.
Jens-Fietje Dwars ist sowohl Redakteur der Zeitschrift als auch Herausgeber der "Edition Ornament". Der Jenaer Germanist hat für Weißenfels - die Stadt seiner Kindheit und Jugend - auch die Schau zusammengestellt, die unter dem Titel "Palmwedel für Weißenfels - Grafik und Buchkunst aus Mitteldeutschland" steht. Zu dieser hatte Christina Simon, treibende Kraft und guter Geist des Brand-Sanierung e.V., den Autor eingeladen.
1992 als Vierteljahreszeitschrift gegründet, erscheint das literarische Journal seit 2005 mit zwei Heften pro Jahr und künstlerisch hochwertigem Einband. Als erster Künstler gestaltete Andreas Berner aus dem südthüringischen Wurzbach vor acht Jahren das Äußere. Seither kann der "Palmbaum" auf 16 Ausgaben mit höchst unterschiedlich gestalteten Covern verweisen. In den ersten beiden Räumen der Brand-Sanierung sind ausgewählte Andrucke der Titel- und Rückseiten samt der entsprechenden Originale zu sehen. Das ist faszinierend, weil vor dem Druck oft noch dezente Veränderungen vorgenommen werden.
Berners abstrakte Zeichnung etwa wurde digital blau eingefärbt und zusätzlich mit einem Hintergrundbild unterlegt.
Für das erste "Palmbaum"-Heft 2013 hat der bekannte Leipziger Grafiker Karl-Georg Hirsch einen künstlerischen Beitrag geleistet. Sein blutrot gehaltener Holzschnitt ist eine Illustration des Gedichtes "Todin" des ebenfalls in Leipzig lebenden Schriftstellers Peter Gosse.
Der begegnet dem Besucher in der Weißenfelser Schau auch mit dem Essayband "Über das allmähliche Verfertigen von Welt im Dichten", erschienen als neueste Publikation in Dwars' edler "Edition Ornament". Diese Reihe orientiert sich in ihrer Machart an der klassischen deutschen Buchkunst der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Vorbild sind für Dwars die "Der jüngste Tag"-Bücher des Leipziger Kurt Wolff Verlags. Wie diese sind auch die Veröffentlichungen der "Edition Ornament" in einfache schwarze Pappe gebunden. "Erst auf den zweiten Blick", sagt Dwars, "erweisen sich ihre Feinheiten mit handgeleimten Etiketten, Blindprägung, Lesefaden, verschiedenfarbigen Vorsatzpapieren und ausgewogener Gestaltung in Bild und Text."
Bislang erschienen zwölf illustrierte Bände. Jeder in einer limitierten Auflage von 500 Exemplaren. Den ersten 50 liegt stets eine signierte Originalgrafik bei. Mit Wilhelm Bartsch gehört auch ein hallescher Autor zu den jüngsten "Ornament"-Autoren. Illustriert wird dessen Gedichtband "Die alte Marke Wanderer" mit markanten Farbzeichnungen von dem ebenfalls in Halle lebenden Künstler Moritz Götze
Die Schau klingt aus mit einem Kabinett, in dem Holzschnitte und -stiche Karl-Georg Hirschs auf 13 erotische Farbzeichnungen von Gerd Mackensen aus Sondershausen treffen. Letztere sind durchaus schlüpfrig. Sie entstanden für den Band "Lob der Jadeflöte", der 33 Gedichte und Geschichten zum Menantes-Preis für erotische Dichtung 2010 enthält. Die Ausstellung in der Brand-Sanierung zeigt große Kunst auf engem Raum. Sie erfreut nicht nur das Auge des Liebhabers edler Buchkunst und Grafik, sondern auch das Herz. Eben weil diese Schau nicht in Halle oder Leipzig, sondern in der ebenfalls kulturgeschichtlich bedeutenden, aber weit weniger bekannten "Stadt am Saalebogen" zu sehen ist, wie der gebürtige Weißenfelser Schriftsteller Martin Gregor-Dellin (1926-1988) Weißenfels nannte.
Die nächste große Ausstellung in der Brand-Sanierung wird Ende Februar eröffnet: Christina Simon, deren künstlerische Vorliebe der Farblinolschnitt ist, wird anlässlich ihres 50. Geburtstages einen Einblick in ihr grafisches Werk aus dreißig Jahren geben. Man darf gespannt sein.
MZ vom 28.10.2013


Finanzspritze: Kunstverein Brandsanierung soll mit 8.000 Euro gefördert werden
Der Kulturausschuss der Stadt Weißenfels hat in seiner jüngsten Sitzung am Donnerstagabend beschlossen, den Kunstverein Brandsanierung mit einer Förderung von 8 000 Euro im nächs-ten Jahr zu unterstützen. Dem Stadtrat wurde damit eine entsprechende Empfehlung gegeben.
Der Verein hatte bei der Verwaltung eine institutionelle Förderung von 10 000 Euro jährlich beantragt, dieser Antrag fiel angesichts der angespannten Haushaltssituation durch. Mit dem Vorschlag aus den Reihen des Ausschusses, die restlichen 2000 Euro bei Sponsoren einzu-werben, kann der Verein mitgehen, wie Christina Simon und Bernd Steudtner vom Vorstand erklärten. Dies sei der berühmte Spatz in der Hand, sagte Steudtner. Er verwies auf Betriebskosten, die der Verein jedes Jahr in Höhe von 4 000 Euro tragen müsse.
Der Abstimmung war eine Führung durch die neue Ausstellung "Palmwedel für Weißenfels" zu Grafik und Buchkunst aus Mitteldeutschland (die MZ berichtete) in Räumen der Brandsanierung in der Novalisstraße 13 vorausgegangen, in denen die Ausschussmitglieder diesmal tagten. Die Räte zeigten sich beeindruckt von den modernen Schauräumen im denkmalge-schützten Backstein-Denkmal aus der Gründerzeit, in das die WVW als Wohnungsunterneh-men der Stadt mit Sanierungsmaßnahmen viel Geld fließen ließ. Zudem erlasse die Wohnungsbau Wohnungsverwaltung dem hier angesiedelten Verein die Mietkosten.
"Die Brandsanierung ist kein Privatvergnügen von Christina Simon, die den Verein vor zwölf Jahren aus einem Kunstkreis heraus mit Gleichgesinnten aufgebaut und weiterentwickelt hat", sagte Manfred Rauner (CDU-Fraktion), der für seinen Fraktionskollegen Udo Becker an der Sitzung teilnahm. Der Verein und seine bildungsorientierten sozialen und kulturellen Projekte müssten weiter von Stadt und Landkreis (in diesem Jahr kamen 3 000 Euro vom Burgenland-kreis) gefördert werden, bekräftigte Rauner. Es handele sich um ein Haus der Stadt mit Alleinstellungsmerkmal. "Wir sollten froh und dankbar sein, dass sich dafür Menschen wie die Künstlerin und Pädagogin Christina Simon engagieren", hob Rauner hervor und erinnerte an die Schließung des soziokulturellen Zentrums Seumeclub. "Das war dramatisch und ein großer Fehler", sagte der ehemalige Oberbürgermeister. Mario Kabisch-Böhme (Fraktion Freie Wähler/FDP) und Johannes Kunze (SPD-Fraktion) regten Eintrittspreise für Ausstellungen beziehungsweise den Verkauf von Bildern und anderen Kunstobjekten, wie es in Galerien üblich sei, an, um für den Verein weitere mögliche Einnahmequellen zu erschließen.
Vereinschefin Christina Simon sah dies für eine Region wie Weißenfels und Umgebung eher skeptisch. Sie verwies aber auf Spenden, die die Brandsanierung regelmäßig von interessier-ten Besuchern bei Ausstellungseröffnungen beziehungsweise bei Rahmenprogrammen erhielten.
MZ vom 18.10.2013


Akkordeon im Zwiegespräch
KLANGPROJEKT Junge Talente aus drei verschiedenen Weißenfelser Schulen stellen sich Besuchern beim Abschlusskonzert in Räumen der Brandsanierung vor.
Das Akkordeon führt in diesem besonderen Konzert viele Zwiegespräche - mit Trommel, Rassel, Flöte und Klangschale, mit Regenstab und Tamburin. Die Musikerin und Leiterin des Klangprojektes Nancy Laufer geht beim Weißenfelser Kunstverein Brandsanierung in der Novalisstraße 13 von Raum zu Raum und entlockt ihrer großen Ziehharmonika Töne, auf die Schülerinnen und Schüler mit den eingangs genannten Instrumenten antworten. Mädchen und Jungen aus der Neustadt-Sekundarschule, dem Goethegymnasium und der Schlossgartenschule für geistig Behinderte lassen den Wind um das Haus sausen, den Regen durch die Dachrinne tropfen, den Stoff eines Kleides rauschen und Vögel im Baum zwitschern.
Sie haben mit ihren unterschiedlichen individuellen Fähigkeiten eine Woche lang Talente entfaltet, sich dabei gegenseitig in die Verantwortung genommen und gelernt, sich zu respektieren. So formulierte es Vereinsvorsitzende und Projekt-Initiatorin Christina Simon während des Konzertes, mit dem das Klangprojekt am Sonnabend vor zahlreichen Gästen zu Ende ging.
"Ich hatte keine Angst, das Tamburin vor ganz vielen Leuten zu spielen", erklärt Dominik aus der Schlossgartenschule. Dabei strahlt der 16-Jährige über das ganze Gesicht. Die schmächtige Tokessa hat es geschafft, in "tiefes Blech" zu blasen und strotzt vor Stolz. "Dafür braucht man richtig Puste", berichtet die zwölfjährige Neustadtschülerin. "Ich bin jeden Tag gerne hergekommen, weil wir keinen normalen Unterricht hatten, das hat so viel Spaß gemacht", versichert das Mädchen aus der Klasse 6a. Der 13-jährige Mike, der ebenfalls in die Neustadtschule geht und in der siebenten Klasse lernt, hat sich mit Daniel aus der Förderschule im Schlossgarten angefreundet. "Wir wollen uns nach der Schule treffen und jeden Tag rausgehen, zusammen was unternehmen", kündigt Mike an. Und Emil, der 14-jährige Gymnasiast, zeigt sich "überrascht von den besonderen Talenten und Begabungen im gemeinsamen Spiel." Damit habe er nicht gerechnet, berichtet der Achtklässler beeindruckt.
Beeindruckt zeigen sich auch Eltern und Pädagogen, die im Publikum sitzen. "Musik verbindet und baut Brücken, es ist ähnlich wie im Sport", sagt Jürgen Mannke. Der Leiter des Goethegymnasiums erntet damit viel Zustimmung bei anderen Besuchern. Mannke räumt aber ein, dass dieses emotionale Projekt des gemeinsamen Lernens nicht übertragbar sei auf den normalen Schulunterricht. "Gemeinsames Lernen behinderter und nichtbehinderter Kinder und Jugendlicher in Mathematik und Deutsch halte ich für problematisch, für nicht umsetzbar", nennt Mannke zwei Beispiele. Seine Stellvertreterin Cornelia König berichtet, dass es unter Lehrern des Gymnasiums geteilte Meinungen zum Klangprojekt gab, ob es okay sei, Schüler dafür eine Woche vom Unterricht freizustellen. "Ich finde, dass es richtig war, die Kinder haben fürs Leben gelernt", so König. Kathrin Frohl-Heinold, die Chefin der Schlossgartenschule, hat genau beobachtet, "dass Schüler und auch Lehrer dabei aufgeblüht sind."
MZ vom 24.09.2013


Klangprojekt in Weißenfels - Schulen bringen mit Musik Kinder zusammen
Junge Talente aus drei verschiedenen Weißenfelser Schulen stellen sich Besuchern beim Abschlusskonzert in Räumen der Brandsanierung vor. Behinderte und nicht behinderte Schüler hatten eine Woche lang gemeinsam funktioniert.
Das Akkordeon führt in diesem besonderen Konzert viele Zwiegespräche - mit Trommel, Rassel, Flöte und Klangschale, mit Regenstab und Tamburin. Die Musikerin und Leiterin des Klangprojektes Nancy Laufer geht beim Weißenfelser Kunstverein Brandsanierung in der Novalisstraße 13 von Raum zu Raum und entlockt ihrer großen Ziehharmonika Töne, auf die Schülerinnen und Schüler mit den eingangs genannten Instrumenten antworten. Mädchen und Jungen aus der Neustadt-Sekundarschule, dem Goethegymnasium und der Schlossgartenschule für geistig Behinderte lassen den Wind um das Haus sausen, den Regen durch die Dachrinne tropfen, den Stoff eines Kleides rauschen und Vögel im Baum zwitschern.
Sie haben mit ihren unterschiedlichen individuellen Fähigkeiten eine Woche lang Talente entfaltet, sich dabei gegenseitig in die Verantwortung genommen und gelernt, sich zu respektieren. So formulierte es Vereinsvorsitzende und Projekt-Initiatorin Christina Simon während des Konzertes, mit dem das Klangprojekt am Sonnabend vor zahlreichen Gästen zu Ende ging.
"Ich hatte keine Angst, das Tamburin vor ganz vielen Leuten zu spielen", erklärt Dominik aus der Schlossgartenschule. Dabei strahlt der 16-Jährige über das ganze Gesicht. Die schmächtige Tokessa hat es geschafft, in "tiefes Blech" zu blasen und strotzt vor Stolz. "Dafür braucht man richtig Puste", berichtet die zwölfjährige Neustadtschülerin. "Ich bin jeden Tag gerne hergekommen, weil wir keinen normalen Unterricht hatten, das hat so viel Spaß gemacht", versichert das Mädchen aus der Klasse 6a.
Der 13-jährige Mike, der ebenfalls in die Neustadtschule geht und in der siebenten Klasse lernt, hat sich mit Daniel aus der Förderschule im Schlossgarten angefreundet. "Wir wollen uns nach der Schule treffen und jeden Tag rausgehen, zusammen was unternehmen", kündigt Mike an. Und Emil, der 14-jährige Gymnasiast, zeigt sich "überrascht von den besonderen Talenten und Begabungen im gemeinsamen Spiel." Damit habe er nicht gerechnet, berichtet der Achtklässler beeindruckt.
Beeindruckt zeigen sich auch Eltern und Pädagogen, die im Publikum sitzen. "Musik verbindet und baut Brücken, es ist ähnlich wie im Sport", sagt Jürgen Mannke. Der Leiter des Goethegymnasiums erntet damit viel Zustimmung bei anderen Besuchern. Mannke räumt aber ein, dass dieses emotionale Projekt des gemeinsamen Lernens nicht übertragbar sei auf den normalen Schulunterricht. "Gemeinsames Lernen behinderter und nichtbehinderter Kinder und Jugendlicher in Mathematik und Deutsch halte ich für problematisch, für nicht umsetzbar", nennt Mannke zwei Beispiele.
Seine Stellvertreterin Cornelia König berichtet, dass es unter Lehrern des Gymnasiums geteilte Meinungen zum Klangprojekt gab, ob es okay sei, Schüler dafür eine Woche vom Unterricht freizustellen. "Ich finde, dass es richtig war, die Kinder haben fürs Leben gelernt", so König. Kathrin Frohl-Heinold, die Chefin der Schlossgartenschule, hat genau beobachtet, "dass Schüler und auch Lehrer dabei aufgeblüht sind."
Die Förderer
Die Aktion Mensch, die Kultur- und Brauchtumsstiftung der Sparkasse Weißenfels, das Land Sachsen-Anhalt, der Burgenlandkreis sowie die Stadt Weißenfels und ihr Wohnungsunternehmen WVW sind die Förderer des Klangprojektes. Als Folgeprojekt plant der Kunstverein Brandsanierung eine Publikation mit Texten und Fotos, um die Ergebnisse des Projekts zu dokumentieren. Parallel dazu läuft eine Ausstellung zum Thema Buchkunst, die am 18. Oktober in der Novalisstraße 13 offiziell eröffnet werden soll.
MZ vom 23.09.2013


Die mit den Farben zaubert
Genau 155 Häuser in Weißenfels tragen die Handschrift einer Künstlerin aus Franken. Seit gut 18 Jahren hat Rosalinde Weber-Hohengrund verschiedenen Fassaden ihre Farbe gegeben. Eine neue Schau beim Verein Brandsanierung zeigt weitere Werke der Künstlerin.
Das Bürgerbüro der Weißenfelser Stadtverwaltung in der Großen Burgstraße 1 trägt ihre (jüngste) Handschrift. Innen und außen hat sie hier Farbe bekannt, bevor das Haus im Dezember 2011 seiner Bestimmung übergeben wurde. Dem Wohn- und Geschäftshaus in der MerseburgerStraße/Ecke Goethestraße in der Neustadt - die alte Post - hat Rosalinde Weber-Hohengrund ebenfalls ihren Farbstempel wirkungsvoll aufgedrückt. Seit Sommer 2011 herrscht hier wieder Leben, alle Räume sind vermietet. Jetzt wird das Schaffen der sensiblen Künstlerin, die mit den Farben spielt und dabei facettenreich zaubert, in einer Ausstellung in Räumen des Kunstvereins Brandsanierung gewürdigt. Die Stadt Weißenfels, deren kommunales Wohnungsunternehmen Wohnungsbau Wohnungsverwaltung GmbH (WVW) und der Verein mit Sitz in der Novalisstraße 13 in der Neustadt ziehen dabei an einem Strang.
Schon zur Eröffnung der Ausstellung wurde das deutlich, als Stadtarchitektin Diana Wagner, der langjährige WVW-Geschäftsführer, jetzt im Ruhestand, Bernd Steudtner, und Künstlerin Christina Simon als Vorsitzende des Vereins Brandsanierung, die passenden Grußworte für das Werk der Malerin Rosalinde Weber-Hohengrund fanden. Gut 18 Jahre lang hat die jetzt 79-jährige Künstlerin aus dem fränkischen Schwabach bei Nürnberg deutliche Spuren in und an Weißenfelser Häusern hinterlassen.
Hochhaus, Parkhaus, Bootshaus
Es sind genau 155 denkmalgeschützte und andere Gebäude - vom Hochhaus über das Parkhaus bis zum Bootshaus. Dazu gehören außerdem Häuser in der Altstadt wie unter anderem in der Alten Leipziger Straße, am Markt 6 und 7, wo die MZ wohnt, in der Stadtmitte wie in der Beuditzstraße und in den Plattenbauten der Saalestadt - jener Stadt, in der auch der Dichter und Geologe Friedrich von Hardenberg (Novalis) wirkte. "Ich fühle mich seit fast zwei Jahrzehnten schon sehr eng mit Weißenfels verbunden", sagt die Künstlerin, die in ihrer fränkischen Heimat sehr viele Farbkonzepte für Denkmale entwickelt und umgesetzt hat. Anteil an ihrer Liebe zu Weißenfels hätten nicht nur Frau Wagner, Frau Simon und Herr Steudtner, der sie nach Weißenfels lockte und Kontakte herstellte, sowie Architekten und Handwerker aus der Region, mit denen sie gerne zusammengearbeitet habe. Auch Novalis, der Frühromantiker und Dichter der blauen Blume habe sie nach Weißenfels gezogen. "Sein Werk berührt und inspiriert mich - und die Farbe Blau sowieso", meint sie. Mehrfach hat Rosalinde Weber-Hohengrund Aquarelle mit Porträts des Dichters ( zu sehen auch in der Novalisgedenkstätte beim Literaturkreis in der Klosterstraße 24 - Novalishaus) und seiner ersten verlobten Sophie von Kühn geschaffen. Auch diese Arbeiten befinden sich zusammen mit Stillleben und weiteren Porträts in der aktuellen zweigeteilten Ausstellung in der Brandsanierung. Blaue Irisblüten, Pfingstrosen in Rosé und Weiß blühen an den Wänden, die feinstes Hellgrau in der modernen Galerie in der Novalisstraße tragen. Die Schauräume mit ihren restaurierten Stuckdecken sind selbst ein Kunstwerk, an dem die Frau aus Franken meisterhaft und mit großer Hingabe maßgeblich mitgewirkt hat.
"Wir werden den Verein Brandsanierung mit seiner modernen und einmaligen Galerie auch weiterhin unterstützen", sagte Kathleen Schechowiak, die vor zwei Jahren die Geschäftsführung der WVW übernahm. Beeindruckt zeigte sich nicht nur sie von den Arbeiten in der über zwei Etagen laufenden Schau, die in einem Teil ein großes Stück Weißenfelser Stadtentwicklung von 1994 bis 2011 dokumentiert. Ekkart Günther, Geschäftsführer der Weißenfelser Stadtwerke und Mitglied des Stadtrates, fand als Gast ebenso anerkennende Worte für das Engagement Rosalinde Weber Hohengrunds. Zudem erinnerte der Weißenfelser als alteingesessenes Mitglied im Ruderverein 1884 an viele Spuren, die die Malerin außen und innen im Bootshaus an der Saale hinterlassen habe.
MZ vom 18.04.2013


Kulturausschuss wirft OB Unglaubwürdigkeit vor
Der Kulturausschuss der Stadt Weißenfels hat sich in seiner jüngsten öffentlichen Sitzung sehr ausführlich mit dem Antrag des Vereins Brandsanierung auf institutionelle Förderung beschäftigt

Die als Gast anwesende Vereinsvorsitzende Christina Simon hatte dafür einen Jahresbetrag von 10 000 Euro beantragt. Die Summe soll für Projekte - in diesem Jahr sind das vier Ausstellungen und die Erstellung des aktuellen Jahrbuches sowie Betriebskosten - verwendet werden. Zuvor hatte Oberbürgermeister Robby Risch (parteilos) in einem MZ-Beitrag geäußert, dass die Verwaltung einen solchen Antrag aufgrund der angespannten Haushaltssituation ablehnen müsse, den Verein aber weiterhin projektbezogen fördern wolle.
Mit dieser Aussage gab sich der Ausschuss nicht zufrieden, wie eine heiße Debatte erkennen ließ. Die Stadträte Udo Becker und Jörg Riemer (beide CDU-Fraktion) erinnerten an die Eröffnung der Ausstellung "Simon & Barnickel" in der schwäbischen Partnerstadt Kornwestheim am 14. Dezember 2012, an der sie teilgenommen hatten. Dort habe der Weißenfelser Verwaltungschef angekündigt, den Verein mit einer solchen Summe wie er sie bereits im August des Vorjahres beantragt hatte, zu unterstützen, sollte sich der Burgenlandkreis an einer Vereinsförderung nicht beteiligen. "Es geht hier um Glaubwürdigkeit unseres Stadtoberhauptes", kritisierte Becker scharf. "Die Verwaltung ist nicht ehrlich, eine Ablehnung des Antrages ist schnell hingeschrieben", beklagte Riemer. Otto Klein (Fraktion Bürger für Weißenfels/Landgemeinden) drängte auf eine Entscheidung. "Wir haben die Pflicht, diese Galerie mit zeitgenössischer Kunst zu erhalten und zu fördern. Es gibt nichts Vergleichbares im Burgenlandkreis", sagte Klein und würdigte sowohl Professionalität als auch Außenwirkung des Kunstvereins.
Er stelle nicht allein Bilder aus, sondern lade Künstler ein, mit denen das Publikum ins Gespräch kommen könne. Ein solches Angebot gebe es in der Region nur in der Weißenfelser Novalisstraße 13. Erinnert sei an die derzeit laufende Ikonen-Ausstellung, zu deren Eröffnung mehr als hundert Menschen kamen.
Mario Kabisch-Böhme (Fraktion FDP/Freie Wähler) und Bernd Ringmayer (CDU-Fraktion) vermissten konkrete Fakten und Zahlen des Vereins Brandsanierung im Sachstandsbericht des Kulturamtes. "Wir müssen doch wissen, worüber wir hier abstimmen sollen", lautete deren Tenor. Kulturamtsleiter Robert Brückner bedauerte dieses Versäumnis durch die Verwaltung, denn der Verein selbst habe alle nötigen Unterlagen rechtzeitig eingereicht. Brückner verwies auf die institutionelle Förderung der gemeinnützigen GmbH Heimatnaturgarten, des Musikvereins "Heinrich Schütz", des Fremdenverkehrsvereins und des Literaturkreises Novalis.
Jedes Jahr müsse die Stadt mit allen vier Institutionen neu verhandeln und habe damit eine dauerhafte Verpflichtung übernommen. Nun auch noch die Brandsanierung "institutionell" zu fördern, sei nicht realisierbar.
Der Ausschuss sprach sich dennoch vehement dafür aus, dieses Jahr eine Summe bis zu 10 000 Euro für die Brandsanierung im Haushalt der Kommune einzustellen. Dies sollte aber nicht zu Lasten anderer Vereine gehen.
MZ vom 12.03.2013


Fenster in die Ewigkeit
Traditionelles und Modernes zeigt die neue Ausstellung rund um das Thema Ikonen aus Russland: Abbilder auf Glas stehen Linolschnitte in der Brandsanierung gegenüber

Lieselotte Frohl kommt aus dem Staunen nicht heraus. Zusammen mit ihrer Tochter Kathrin Frohl-Heinold gehört die Frau aus Weißenfels zu den ersten hundert Besuchern der neuen Ausstellung rund um das Thema Ikonen - Abbilder auf Holz, Glas und Linoleum. Der Kunstverein Brandsanierung zeigt bis zum Monatsende Linolschnitte seiner Vorsitzenden Christina Simon sowie Glasmalerei von Gabi Weiss und russische Ikonen aus der Erfurter Sammlung Pohl.
"Mich faszinieren nicht nur die wunderbaren Arbeiten der Künstler und Sammler, ich bin auch begeistert von den Ausstellungsräumen, ich war noch nie hier", erklärt Lieselotte Frohl. Auch ihre Tochter bekennt, dass sie es schon ganz lange vorhatte, die Brandsanierung zu besuchen. Nun endlich habe es geklappt. Frohl-Heinold ist Leiterin der Geistigbehindertenschule im Weißenfelser Schlossgarten und plant ein Projekt zusammen mit dem Verein, der sich vor allem der zeitgenössischen Kunst widmet. Doch erst einmal wolle die Pädagogin die Schau genießen, sagt sie und nimmt sich Zeit dafür, bevor es zum Vortrag "Fenster in die Ewigkeit" über die Geschichte der byzantinischen und russischen Ikonen mit dem Hallenser Experten Walter-Martin Rehahn geht.
Auch für Glasgestalterin Gabi Weiss, die Christina Simon während eines Projektes in Paderborn kennen- und schätzen gelernt habe, ist der Ort der Ausstellung neu. "Er ist einmalig und bietet viel Raum, in dem meine Ikonen mit Schwarzlotlinien und Goldgrund auf Glas richtig gut zur Geltung kommen", sagt die Grafikerin und Designerin aus Baden-Württemberg überzeugt. Die gemeinsame Ausstellung haben Christina Simon, Gabi Weiss und Vertreter der thüringischen Sammlung Pohl bereits in Magdeburg und in Halle präsentiert, bevor die Exponate von der "Maria mit Kind" bis zur "Gottesmutter von Vladimir" nach Weißenfels wanderten.
Das Spannende an der Ausstellung sei laut Weiss, dass einer Auswahl russischer Ikonen aus vier Jahrhunderten zwei moderne Darstellungsformen gegenüberstehen. Das Traditionelle und Neuzeitliche - wie eben Simons Linolschnitte - und die Glaskunst der Illustratorin vom Bodensee - dokumentieren die ständige Auseinandersetzung mit den Glaubensfragen in der Welt der Kunst. Der Weißenfelser Künstler Dieter M. Weidenbach, der heute in Weimar lebt und arbeitet, findet viele Komplimente für die Ausstellung und hat sich im Gästebuch verewigt: "Mögen die künstlerische Kompetenz von Gastgeberin und Initiatorin Christina Simon und der Geist dieses Ortes erhalten bleiben - mit Gottes Segen. Dank für das Ereignis."
MZ vom 20.02.2013


Dem Kunstverein "Brandsanierung" droht das Aus
Der Kunstverein Brandsanierung in der Weißenfelser Neustadt ist vom Aus bedroht. Die Betriebskosten des Vorjahres in Höhe von 5 000 Euro verschlangen laut der Vereinsvorsitzenden Christina Simon die Rücklagen.
Christina Simon wirkt angespannt. Die Vorsitzende des Weißenfelser Kunstvereins Brandsanierung fühlt sich hin- und hergerissen. Denn bei jeder Ausstellung, die sie vorbereitet, hat sie die Geldsorgen des Vereins im Hinterkopf. Einerseits erhält die Brandsanierung jedes Jahr projektgebunden finanzielle Unterstützung für Ausstellungen, literarische Veranstaltungen und Gespräche über zeitgenössische Kunst. "Die Stadt Weißenfels und der Burgenlandkreis sowie Sponsoren aus dem Mittelstand sind da regelmäßig mit im Boot", anerkennt die Vereinschefin. Als Beispiel nennt sie die Sparkasse und die Wohnungsbau Wohnungsverwaltung GmbH (WVW). Letztgenanntes Unternehmen sponsert dem Verein zudem die Mietkosten für Räume im sanierten Gründerzeit-Denkmal in der Novalisstraße 13.
Doch der Schwerpunkt liegt eben seit Jahren auf kontinuierlicher Projektförderung. "Was wir aber außerdem dringend brauchen, ist eine institutionelle Förderung", macht Simon das eigentliche Problem deutlich, das dem Verein zunehmend zu schaffen macht. "Die Betriebskosten vom Vorjahr mit stattlichen 5 000 Euro haben unsere Rücklagen aufgefressen", sagt die Vorsitzende. "Das können wir in Zukunft nicht stemmen", fügt die 49-jährige Pädagogin und Künstlerin wehmütig hinzu. Die Weißenfelserin baut auf die Hilfe seitens der Stadt. Sollte sich keine Lösung finden, drohe der Kulturinsel in der Neustadt das Aus. Doch daran wolle sie gar nicht denken. Denn laut Oberbürgermeister (OB) Robby Risch (parteilos), mit dem sie kürzlich während einer Ausstellungseröffnung in der Partnerstadt Kornwestheim im Gespräch war, soll nach Alternativen gesucht werden. Risch bestätigt das auf MZ-Nachfrage. "Einer institutionellen Förderung, wie sie der Verein beantragt hat, werden wir nicht zustimmen, das gibt unser Haushalt nicht her", erklärt der Verwaltungschef. Allerdings suche die Stadt nach anderen Wegen. Was die Betriebskosten angehe, wolle sie Gespräche mit Unternehmen führen. "Wir werden den Verein nicht hängen lassen, dafür schätzen wir sein Engagement und auch die Leistungen seiner Vorsitzenden viel zu sehr", betont der OB.
Kulturamtsleiter Robert Brückner äußert sich ähnlich und spricht von einem Alleinstellungsmerkmal, das die Brandsanierung nicht nur in Weißenfels und im Burgenlandkreis, sondern auch im Raum Sachsen-Anhalt Süd kennzeichne. "Zeitgenössische Kunst wird facettenreich und spannend angeboten", würdigt Brückner die ehrenamtliche Arbeit. Er selbst freue sich, dass die Schau in Kornwestheim mit Linolschnitten von Christina Simon zum Jahresende auch im Weißenfelser Museum gezeigt werden soll. Der OB hatte diese Idee. "Wir bereiten das Projekt gerade gemeinsam vor", kündigt Brückner an.

MZ vom 06.03.2013


2012
Brücken zu Luther
LITERATURHERBST Zwischen Denkzettel und Anschlag: Zehnt- und Elftklässler haben Religionsunterricht in aktueller Ausstellung beim Kunstverein Brandsanierung.

Religionsunterricht inmitten einer Ausstellung: Schüler der zehnten und elften Klasse des Weißenfelser Goethegymnasiums erlebten ihn beim Kunstverein Brandsanierung in der Novalisstraße 13. Gast dieser besonderen Schulstunde war der Literaturhistoriker und Buchautor Roland Rittig aus Zeitz. Anlässlich des sechsten Literaturherbstes an Saale, Unstrut und Elster zeigt Rittig im Jahr der Lutherdekade als Herausgeber der Grafiken zum Reformator bis zum 11. November Bilder zu Luther unter dem Motto "Nicht an Worten, an den Taten kennet sie..."
Der Experte für Literaturgeschichte sprach nicht nur über die "Deutschen und ihren Luther" sowie über das Entstehen und Verschwinden von Kunst in der DDR. Rittig forderte die Jugendlichen anhand von Lutherdenkmalen auf Postern heraus, darüber zu diskutieren, was der Protestant, Familienvater und Christenmensch, der Schöpfer der modernen deutschen Prosa Luther den 15- und 16-Jährigen heute noch zu sagen hat - in einer Zeit, in der sich die Protestanten in der Minderheit befinden. In einer Zeit, in der Luther - der dem Volk aufs Maul schaute und mit Chorälen das Lieben lehrte - von Schmalkalden bis Wittenberg hoch und runter vermarktet wird - mit schwarzen und roten Luthersocken, mit Luthertassen, Luthertinte, Lutherbrot und 800 zwergenhaften Lutherskulpturen aus farbigem Kunststoff. Ein weinrotes Exemplar dieser kleinwüchsigen Figuren, die der 62-jährige Künstler Ottmar Hörl geschaffen hat und die 2010 auf dem Wittenberger Marktplatz standen - für die Einen als Faszination und für andere als Provokation - befindet sich in der Ausstellung in der Neustadt.
"Es interessiert mich, es ist total spannend. Je mehr ich über Luther zu hören bekomme, umso mehr will ich wissen", sagte Philipp Krüger nach dieser ungewöhnlichen Unterrichtsstunde, der eine Fahrt mit der Klasse und Lehrerin Christina Simon in die Lutherstadt Wittenberg vorausgegangen war. Beeindruckt zeigte sich der 15-Jährige von der Doppeldeutigkeit von Wörtern wie Denkzettel und Anschlag sowie vieler "Luther-Kernsätze" über Freiheit und Verantwortung, zum Beispiel "Ein Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemandem untertan." Oder: "Prüfet aber alles und das Gute behaltet." Während bei Luther der Denkzettel als Merkzettel gegen das Vergessen gegolten habe, verpasse man heutzutage jemanden aus Wut und Rache einen Denkzettel, hieß es in der Runde. Ein Anschlag werde heute mit Terrorismus in Verbindung gebracht. Die Stunde war ein Impuls, so die Schüler, um sich weiter mit Luther zu beschäftigen und die Schau noch einmal zu besuchen.
MZ vom 25.10.2012


"Die besten Dinge kosten nichts"
Sächsin und Schotte stellen Schmitz-Chansons nach Texten von Erwins Eva vor

"September", "Herbst" und "Die besten Dinge des Lebens kosten nichts - frisches Wasser, Luft und Liebe", singt die Frau mit der dunklen Haarmähne. Der Raum beim Kunstverein Brandsanierung in der Weißenfelser Novalisstraße war am Samstagabend voll besetzt. Diese Texte von Eva Strittmatter haben ganz viel mit ihr selbst zu tun. Deshalb ist Uta Hauthal auch "tief eingestiegen", nachdem der Berliner Jazz-Komponist Manfred Schmitz ihr eines Tages Zeilen von der bekannten Lyrikerin und Schriftstellerin geschickt hatte.
Hauthal hat keinen Fernseher, besitzt kein Handy und vermisst nichts, wie sie betont. Ihre Briefe schreibt sie noch immer mit der Hand. Das Motorradfahren hat sie vor ein paar Jahren zwar aufgegeben, aber die 46-Jährige fährt dafür leidenschaftlich gern und viel mit dem Fahrrad. Die Pädagogin und Künstlerin singt und rezitiert aus Schulzenhofer Briefen und der Schotte Derek Hendersen begleitet die Sängerin und Buchautorin aus Dresden am Klavier.
Bereits im Jahr 2003 musizierte das Duo vor Publikum am selben Ort. Und als hätten sich viele Zuhörer daran gern erinnert, füllen mehr als 40 Gäste die Stuhlreihen. Chansons von Manfred Schmitz nach Gedichten von Erwins Eva erweisen sich als Zugnummer. Wer an diesem Abend Lust auf mehr davon bekommt, kann sich die neue CD "Zwischen Himmeln und Erden" und weitere Bücher oder Tonträger mit nach Hause nehmen.
Gastgeberin Christina Simon und Uta Hauthal kennen sich aus ihrer Zeit als Lehrerinnen Ende der 80er/Anfang der 90er Jahre an der Weißenfelser Neustadtschule und wurden Freunde. Bis 1994 unterrichtete Hauthal am damaligen West-Gymnasium der Saalestadt Deutsch und Musik. Heute schreibt die Frau mit der klaren Sopranstimme Bücher, gestaltet Liederabende, vorwiegend im Raum Dresden, Meißen und Radebeul. Die Sächsin unterrichtet zudem angehende Köche und Restaurantfachleute in Deutsch.
MZ vom 24.09.2011


Hüllen fallen auf Kulturinsel
DENKMAL Gründerzeit-Haus "Brandsanierung" in Weißenfelser Neustadt strahlt von innen und außen. Wohnungsunternehmen WVW investiert eine Million Euro

Die Schauräume sind einladend und suchen in Weißenfels ihresgleichen. Solche Ausstellungs- und Veranstaltungsbereiche als attraktive Galerien gibt es weder im Schloss Neu-Augustusburg noch im Kulturhaus oder irgendwelchen anderen Musentempeln der Stadt. Ausgerechnet oder besser gesagt: gerade in der vom Leerstand gebeutelten Neustadt befindet sich diese Kulturinsel in der Novalisstraße 13/15. Eine Galerie zum Vorzeigen, die den Namen des Kunst- und Kulturvereins "Brandsanierung" trägt.
Zwar noch nicht bis zum Ende saniert, aber längst zum Markenzeichen geworden, nahmen das kommunale Wohnungsunternehmen WVW als Bauherr und der Verein den Mittwochnachmittag zum Anlass, um die Türen für Besucher weit zu öffnen und unter dem Motto "Die Hüllen sind gefallen" bisher Restauriertes Revue passieren zu lassen.
Bernd Steudtner, der bis vor einem reichlichen Jahr Geschäftsführer der WVW war, erinnerte an ein "heruntergewirtschaftetes und außerdem schlecht behandeltes Haus" aus der Gründerzeit um 1900 und an das Jahr 2001, als nur eine einzige Familie hier wohnte. Pädagogin und Künstlerin Christina Simon, die hier mit Mann und Tochter zu Hause ist, habe ihn mit ihrer Begeisterung für zeitgenössische bildende Kunst angesteckt. Inzwischen gibt es hier zwei weitere ausgebaute und modernisierte Wohnungen und das Domizil für den Verein "Brandsanierung", dessen Vorsitzende Christina Simon, die Expertin für Druckgrafik, ist. Mehrere Jahresmagazine hat sie zusammen mit ihrem Vorstand herausgegeben.
Diese Publikationen berichten über literarisch-musikalische Veranstaltungen, über Lesungen und Filmvorführungen, Konzerte, Vorträge und Podiumsdiskussionen im Denkmal, das nach dem Fallen der Baugerüste seine rote Backsteinfassade und schmiedeeiserne Balkone in voller Schönheit zeigt. 850 000 Euro hat die WVW bisher in die Sanierung gesteckt, wie die jetzige WVW-Chefin Kathleen Schechowiak vor zahlreichem Publikum aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung erklärte. Weitere 200 000 Euro seien noch einmal notwendig, um eine dritte Wohnung auszubauen und die hinteren maroden Gebäude abzureißen und ein parkähnliches Gelände zu gestalten. Dann könnten Veranstaltungen des Vereins im Freien stattfinden. "Natürlich werden wir auch Fahrzeug-Stellplätze für Besucher schaffen", versicherte Schechowiak. Allerdings seien die genannten Vorhaben nicht mehr in diesem Jahr zu realisieren, schätzte sie ein. Und die dritte Wohnung wolle die WVW erst dann herrichten, wenn die beiden anderen vermietet seien, hob die Geschäftsführerin hervor.
Neben professionellen Künstlern aus Berlin, Weimar, Jena, Halle und Magdeburg bildet die Brandsanierung auch Laien eine Plattform der Präsentation an. Davon zeugt momentan die zweigeteilte Ausstellung "Novalis-Traumreise" anlässlich des 240. Geburtstages des Dichters der deutschen Frühromantik, Friedrich von Hardenberg (Novalis). Sowohl Arbeiten der in Weißenfels lebenden Fotografikerin Ingelore Lohse als auch Bilder und Zeichnungen von Schülern des Goethegymnasiums werden noch bis zum 23. Juli im Erdgeschoss und in der ersten Etage des denkmalgeschützten Hauses gezeigt.
"Hier hat sich die Zusammenarbeit mit Schulen bewährt", sagte Christina Simon, die am Goethegymnasium Kunst und Religionspädagogik unterrichtet. "Auch mit unseren Nachbarn der Neustadt-Sekundarschule arbeiten wir zusammen", betonte die 48-jährige Gastgeberin. "Die Neustadt ist das sozial schwächste Quartier in Weißenfels mit dem höchsten Anteil an Jugendlichen", sagte sie. Gerade deshalb sei die Brandsanierung hier zu Hause und sehe sich in ihrer sozialen Verantwortung und im Bildungsauftrag bestätigt. Das Projekt sei auf drei Säulen aufgebaut: Ästhetik, Bildung und Soziales.
Das mehrgeschossige Backsteinhaus in der Novalisstraße 13/15 in Weißenfels konnte dank der Wohnungsbau Wohnungsverwaltung Weißenfels GmbH (WVW) vor dem weiteren Verfall gerettet werden. In enger Kooperation mit dem Kunst- und Kulturverein Brandsanierung, den es seit elf jahren gibt, konnte sich hier eine gefragte Adresse für Profis und Laien etablieren, die in der Stadt einzigartig ist.
MZ vom 13.07.2012


Auf Spuren des Querdenkers
NOVALISEHRUNG Illustres Gäste-Trio plaudert und provoziert vor einer großen Besucherschar in Schauräumen des Weißenfelser Kunstvereins Brandsanierung

Er war unterhaltsam, witzig und provokativ - der launige Novalisabend rund um die blaue Blume der Romantik. Anlässlich der Wiederkehr des 240. Geburtstages Friedrich von Hardenbergs (Novalis) hatte Gastgeberin Christina Simon dazu illustre Gäste in die Räume des Weißenfelser Kunstvereins Brandsanierung eingeladen. Ein Philosoph, Buchautor und Filmemacher wie Jens-Fietje Dwars aus Jena, eine Pfarrerin wie Oda Beuschel aus Weißenfels und ein Kunstmaler wie Dieter Weidenbach, der heute in Weimar lebt, plauderten am Donnerstagabend im Domizil Novalisstraße 13 vor reichlich erschienenem Publikum, auf welche Weise sie sich dem Bergbauinspektor und Dichter der deutschen Frühromantik, Novalis, mit Texten und Illustrationen genähert haben.
Bevor sich das Trio lesend und moderierend auf Spuren des vielseitigen Querdenkers begab, spielten Siebentklässler des Goethegymnasiums dessen Märchen "Hyazinth und Rosenblüthe" und ließen dabei singend und tanzend Veilchen, Kätzchen und Co. aus dem Ende der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts lebendig werden.
Nicht nur das Publikum in den voll besetzten Räumen - die Stühle reichten kaum aus - zeigte sich fasziniert von der zauberhaften mit modernen Elementen aufgepeppten Aufführung. Auch das Künstlertrio reagierte "be- und angerührt", wie es Weidenbach spontan formulierte.
Passend zur Kulisse der Ausstellungen "Novalis-Traumreise" präsentierte Oda Beuschel ihr Märchenbuch "Die blaue Blume" mit Bildern von Dieter Weidenbach. Die Besucherschar erhielt nicht nur Einblicke darüber, wie es zu der Idee und der Zusammenarbeit kam. Die Gäste interessierte auch, welche Pläne die 78-jährige Autorin und der zehn Jahre jüngere bildende Künstler noch haben. Und so standen die beiden befreundeten Gesprächspartner einem wunderbaren, jüngeren Moderator wie Jens-Fietje Dwars Rede und Antwort. Nein, böse Bilder wie einst wolle er nicht mehr malen, versprach Paradiesvogel Weidenbach. Der gebürtige Weißenfelser widme sich nach Reisen, die ihn nach Griechenland und in die Türkei führten, nun dem Thema "Hellas - Antike". Autorin Beuschel will sich um die Ausstellung des Maler-Nachlasses ihres gestorbenen Mannes Walter Beuschel aus Lobitzsch kümmern. Die Schau öffnet im Oktober im Stadtmuseum.
TRAUMREISE Die Ausstellung
Fotografien unter dem Thema Novalis-Traumreise von der Fotografikerin Ingelore Lohse und Schülerarbeiten anlässlich des 240. Geburtstages von Novalis können nur noch bis zum 23. Juli nach telefonischer Vereinbarung in Räumen des Weißenfelser Kunstvereins Brandsanierung, Novalisstraße 13, besichtigt werden. Mit Unterstützung von Stadt, Burgenlandkreis, WVW, Mibrag und Kultur- und Brauchtumsstiftung konnte das Projekt umgesetzt werden.
MZ vom 02.06.2012


Blaue Blumen lächeln im Flur
NOVALISEHRUNG Ansturm beim Weißenfelser Kunstverein Brandsanierung: Zwei Ausstellungen öffnen in Novalisstraße 13. Besucher lassen sich romantisch anstecken.

Wer erst kurz vor 15 Uhr kommt, muss stehen, um ein Theaterstück in der Novalisstraße 13 zu sehen. Schüler der Klasse 7a des Goethegymnasiums führen es auf und haben sich dafür das romantische Märchen Friedrich von Hardenbergs (Novalis) "Hyazinth und Rosenblütchen" ausgesucht.
Besucherandrang herrschte am Samstagnachmittag beim Kunstverein Brandsanierung in der Weißenfelser Neustadt. In Schauräumen können Gäste die Eröffnung zweier Ausstellungen miterleben. Eine haben Schüler gestaltet, die andere die Weißenfelser Fotografikerin Ingelore Lohse. Doch bevor sich die vielen Gäste umschauen, lächeln ihnen schon im Treppenhaus des Denkmals aus der Gründerzeit blaue Blumen einladend entgegen. Es sind Blumen der Romantik, die an den 240. Geburtstag des Geologen und Dichters Novalis am 2. Mai erinnern. Auch diese Zeichnungen im Flur tragen die Handschrift von Schülern, die sich aus unterschiedlichen Klassenstufen des Gymnasiums mit gemalten Märchen und mit Scherenschnitten an einer Schau im ersten Obergeschoss beteiligen, während Berufsschüler und Fachgymnasiasten der Berufsbildenden Schulen des Burgenlandkreises mit Schriftrollen und Keramik zum Thema Novalis integriert sind. Dezernent Ralf Michel, der in Vertretung des Landrates an der Veranstaltung teilnimmt, ist nicht der einzige Gast, der sich vom Theaterspiel und faszinierenden Bildern und Fotografien "gerne anstecken lässt". Der Burgenlandkreis unterstütze dieses Projekt finanziell und werde das Engagement auch weiterhin fördern, lässt Michel wissen.
Vereinschefin und Initiatorin Christina Simon hört das gern. Die Pädagogin und Künstlerin würdigt das Miteinander vieler Frauen und Männer im Ehrenamt, damit ein solches Programm überhaupt zustande kommen konnte. "Oft wird unterschätzt, was es heißt, Ausstellungen aufzubauen, ich danke deshalb unserer regionalen Crew aus Weißenfels und Naumburg", sagt die 48-jährige Gastgeberin zur Eröffnung.
Jörg Riemer, der 1992 schon als 14-Jähriger den Kunstkreis in der Novalisstraße 13 mit aus der Taufe hob, vor drei Jahren die Brandsanierung als Verein mit gründete und Vorstandsmitglied des Literaturkreises Novalis ist, findet in seiner Laudatio auf die Fotoschau von Ingelore Lohse treffende Worte. Worte, die auch den umtriebigen Novalis sehr gefreut hätten. Denn so wie er, der die Gegensätze Emotionalität und Rationalität als Dichter und Wissenschaftler, als Frühromantiker und Bergbauingenieur auf sich vereinigt - so sind auch die Fotografien ausgewählt worden. Mehr als 50 hat Ingelore Lohse für ihre "Novalis-Traumreise" ausgewählt. Eine Feder im Gras, auf der Eiskristalle glänzen, tanzende Soletropfen im Reisiggeflecht der Saline in Bad Dürrenberg, das Auge eines Pferdes, Weinberge, die an einen Spaziergang bei Goseck erinnern. Alle diese Details, unterlegt mit passenden Zitaten aus den "Lehrlingen zu Sais" von Novalis, gewähren Einblicke in sein Schaffen. Seine Worte werden zu Bildern. "Von so viel Liebe zur Natur lasse ich mich gerne anstecken", sagt Dezernent Michel.
MZ vom 24.04.2012


NOVALISEHRUNG
Künstler stellen Hörbuch zum Geburtstag vor. Werkstatt für Schüler gehört zum Programm.

Dem Leben des Dichters Novalis (1772 bis 1801) widmet sich ein Hörbuch unter dem Namen "Es keimt schon ein künftiges Dasein in mir". Dabei handelt es sich um ein Gemeinschaftsprojekt des Kunstvereins Brandsanierung und des Literaturkreises Novalis in Weißenfels aus Anlass des 240. Geburtstages des Frühromantikers am 2. Mai. An diesem Tag, einem Mittwoch, um 19.30 Uhr stellt der Schauspieler, Regisseur und MDR-Moderator Thomas Zieler aus Magdeburg das Hörbuch im Haus der Brandsanierung in der Novalisstraße 13 interessierten Gästen vor.
Während dieser Premiere erklingt Musik von Christoph Dziedo und Vahid Shahidifar. Als Sprecher fungieren die Schauspieler Corinna Breite, Susanne Heubaum und Oliver Breite sowie Ekkehard Hahn, Markus Manig und Thomas Zieler selbst.
Eine Lesung und Werkstatt für Schüler gibt es im Rahmen der Novalisehrung am Montag um 13.30 Uhr im Novalispavillon, Klosterstraße 24. Der Kunst- und Literaturwissenschaftler Roland Rittig aus Zeitz liest dazu mit Zwölftklässlern des Weißenfelser Goethegymnasiums "Hymnen an die Nacht" und spricht mit ihnen über das Werk des Dichters. Eine weitere Lesung dazu kündigt Kunst- und Religionslehrerin Christina Simon für Donnerstag, 7. Juni, mit Schülern der 11. Klasse an. Die Initiatorin der Brandsanierung verweist zudem auf "Die Blaue Blume", einen Abend bei Novalis, der zum Abschluss der Ehrung am Donnerstag, 31. Mai, um 19.30 Uhr mit Oda Beuschel und Dieter Weidenbach in der Novalisstraße 13 stattfindet. Es moderiert der Publizist Jens-Fietje Dwars. So wie der Kunstmaler Weidenbach ist auch Dwars ein gebürtiger Weißenfelser.
MZ vom 21.04.2012


2011
Gastgeber ehren Novalis
Mibrag übergibt Weihnachtsschecks über 12 000 Euro an sechs Vereine in Sachsen und Sachsen-Anhalt


Dass es gestern nicht nur weihnachtlich, sondern auch romantisch in Räumen des Vereins Brandsanierung in der Weißenfelser Neustadt zuging, hatte seinen Grund. Zum 17. Mal überraschten Vertreter der Mibrag Menschen im Ehrenamt mit ihrer Aktion Weihnachtsscheck. Unter den sechs Vereinen aus Sachsen und Sachsen-Anhalt, die mit je 2 000 Euro für ihr Engagement im sozialen und kulturellen Bereich sowie der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen bedacht wurden, befanden sich diesmal auch die Gastgeber in der Novalisstraße 13.
Schüler der Klasse 7a des Goethegymnasiums stimmten mit Liedern und Novalis-Texten auf die Adventszeit und auf den 240. Geburtstag des Geologen und Frühromantikers Novalis am 2. Mai 2012 ein. Damit boten die Gymnasiasten einen Vorgeschmack auf das neue Projekt der Brandsanierung, die es seit zehn Jahren gibt. Zwei Ausstellungen und ein Hörbuch seien für die Ehrung im nächsten Jahr geplant, wie die Vereinsvorstandsmitglieder Christina Simon und Bernd Steudtner gegenüber den Mibrag-Sponsoren erläuterten. "Mit unserem Vorhaben wollen wir auch das Engagement des Literaturkreises Novalis unterstützen", erklärte die Pädagogin und Künstlerin Christina Simon.
Auch die Gemeinde Elsteraue im Burgenlandkreis durfte sich über eine 2 000-Euro-Spende freuen, die für die Weiterführung der Ausstellung über das KZ-Außenlager "Wille" in Rehmsdorf verwendet werden soll. Zudem übergab Mibrag-Geschäftsführer Heinz Junge Schecks an den Heimatbund Bad Dürrenberg, das Pestalozzi-Kinderund Jugendheim Borna, den Skatepark Pegau und den Obdachlosentreff Leipziger Oase des Diakonischen Werkes.
MZ vom 07.12.2011


Erzähler in seinem Element
Gerhard Begrich erklärt mit dem Gilgamesch-Epos, was im Leben wichtig ist

Geschichten erzählt bekommen - das ist ein Vorrecht der Kinder. Schade. Denn der Besuch Gerhard Begrichs weckt Lust auf gute Erzähler. Wenn der ehemalige Professor, Pfarrer, Rektor des Pastoralkollegs sich ansagt, ist ein heiterer Abend voll Weisheit, Poesie und Mitgefühl garantiert. Am Freitag war es mal wieder so weit: Der 65-Jährige erzählte im Rahmen des Themenjahrs Mythologie in der Weißenfelser Brand-Sanierung die babylonische Geschichte des Gilgamesch.
Begrich erinnert an Professor Dumbledore aus der Harry-Potter-Reihe: nicht nur durch den langen grauen Bart und die Halbmond-Gläser auf der Nase, auch durch seine abwägende Klugheit. Das 3 200 Jahre alte Epos erzählt Begrich nicht einfach nach, sondern er schweift ab, zieht Parallelen zu anderen Mythen, Werken, Menschen. Und genau das macht den Abend aus.
So führt er mit Steve Jobs das Thema ein. Der verstorbene Apple-Chef habe in einem Interview gesagt, die wichtigste Erfindung des Lebens sei der Tod. Eineinhalb Stunden später erklärt Begrich, was in diesem Satz versteckt ist: "Dass es der Tod ist, der das Leben einmalig und kostbar macht."
Die Geschichte Gilgameschs sei denn auch eine ewig aktuelle: die Suche nach dem Sinn des Lebens. Gilgamesch ist im Epos sowohl der Sohn einer Göttin als auch Mensch. Auf der Suche nach dem Sinn des Lebens findet er das einzige Paar, das eine verheerende Flut überlebt hat und erhofft sich Rat. Durch den alten Mann gelangt Gilgamesch an ein "Kraut, das Jugend gibt". Doch es wird ihm gestohlen. Ist das aber ein Verlust? Nein, findet Begrich: "Das Kraut hätte ja nichts gebracht. Gilgamesch hätte kein neues Leben bekommen, sondern er hätte nur jung ausgesehen, wäre aber doch älter geworden." Er vergleicht es mit Salben und Tabletten, wie sie die Pharmaindustrie herstellt: "Dann sieht man zwar wie 30 aus, ist aber trotzdem 60 Jahre alt." Mit all den Konsequenzen, die das hat. So lebensnah argumentiert Begrich, der vor zwei Jahren eine Nacherzählung des Epos´ vorlegte, die mittlerweile vergriffen ist. In der Brand-Sanierung zitierte er aber nicht sein Buch - das sei "unredlich", befand er - sondern aus einer Übersetzung von 1966.
Er kann da ganz humorvoll sein. Als ein späterer Freund Gilgameschs, der noch im Stadium der Unschuld gemeinsam mit den Tieren lebt, zum zivilisierten Leben geweckt wird, geschieht das durch eine Dirne. Er betont: "Die Zivilisierung zum Leben beginnt hier nicht mit der Arbeit, sondern mit der Liebe." Das sei menschheitsgeschichtlich korrekt: Die ältesten erschaffenen Objekte seien nicht Faustkeile - sondern kleine Nachbildungen von Frauen.
Begrich erntet dafür viel Lachen und für den Abend großen Applaus. Auch Peter Meusel war begeistert. Er kannte den Text, hatte ihn in Vorbereitung sogar noch mal gelesen, aber den Autor kannte er nicht. "Meine Erwartungen wurden übertroffen", schwärmt der Weißenfelser. Wenn Begrich wieder käme, sei er auch dabei. Ebenso war Christina Simon begeistert von der dritten Veranstaltung ihrer Reihe "Mythologie". Die vierte steht am Freitag, 16. Dezember, an. Sie wird ein Märchenabend sein.
MZ vom 08.11.2011


JUBILÄUMSAUSSTELLUNG Palimpest - Zugang zur Antike
Dieses Mal zeigt Christina Simon eigene Farblinolschnitte.

Welchen "Schatz die Stadt Weißenfels hier hat", weiß Jörg Freiwald, der Stadtratsvorsitzende (Die Linke) jetzt, und spricht bei der Ausstellungseröffnung darüber. "Hier schaut Kunst und Kultur über den eigenen Tellerrand hinaus", sagt er und das sei für die Stadt wichtig. Freiwald steht mindestens 70 kunstinteressierten Besuchern am Sonnabendnachmittag gegenüber. Es müssen schon wieder Stühle und Bänke dazu geholt werden, damit alle Besucher Platz finden.
Seit zehn Jahren hat Christina Simon, die Weißenfelser Lehrerin und Künstlerin, nicht nachgelassen, das Kunst- und Kulturprojekt in der Weißenfelser Neustadt zu entwickeln, einen Verein gegründet, der auf dem Weg zur Stiftung ist. Es gebe nur acht Leute, die sich "Verdienter Bürger" der Stadt Weißenfels nennen dürfen und als solche ins Ehrenbuch eingetragen sind, doch Christina Simon gehört seit Januar dazu, erinnert Freiwald. Als Stadtratsvorsitzvorsitzender will er so schnell wie möglich dafür sorgen, dass der Vertrag für die Stiftung folgt, damit sich die Kunstszene weiterentwickelt.
Doch ehe die Personalausstellung der Vereinsvorsitzenden der Brand-Sanierung Christina Simon "Palimpsest - Zur Mythologie der griechischen Antike" eröffnet wird, blickt der frühere Geschäftsführer der WVW, Bernd Steudtner, zehn Jahre zurück. In diesem Wohnhaus in der Novalisstraße gab es nur noch eine Bewohnerin - Christina Simon - und die wollte darin ein Atelier haben. "Was macht sie eigentlich in diesem Haus?", habe er sich gefragt und sie besucht. "Es war eine überraschende und überzeugende Begegnung". Die WVW hat begonnen, das Haus zu sanieren, Wohnungen, Atelier, Ausstellungsräume und Gästezimmer sind entstanden. Vor zwei Jahren ist der Verein Brand-Sanierung gegründet worden, Steudtner ist Vorstandsmitglied geworden. Im Kunst- und Kulturprojekt hat sich Stammpublikum entwickelt, und das wächst. "Hier werden interessante, anspruchsvolle Veranstaltungen mit Kunst, Musik und Literatur veranstaltet", meint Steudtner.
Das gilt auch für die Jubiläumsausstellung. In die am Sonnabendnachmittag der Kunsthistoriker Hans-Christoph Dittscheid aus Regensburg einführte und die Musikerin Marie-Luise Detering aus Frankfurt am Main mit außergewöhnlichen Metamorphosen auf der Oboe umrahmte. Dittscheid sei Christina Simon während eines kunstgeschichtlich-theologischen Seminars am Golf von Korinth in Nafpaktos begegnet, erzählt sie. Dieses Seminar werde seit Jahren von der Universität Halle-Wittenberg und Regensburg durchgeführt. Der Schulleiter des Goethegymnasiums habe ihr mit einer Unterrichtsverlagerung die Möglichkeit gegeben, daran als Fortbildung teilzunehmen. Jetzt will sie mit ihrer Ausstellung und den Farblinolschnitten interessierten Menschen und natürlich auch Schülern zur Auseinandersetzung mit gezielten theologischen und kunsthistorischen Themen etwas aus ihren Metier weitergeben. Sie hat sich mit der griechischen Mythologie und der griechischen Kunst auseinandergesetzt und wird in einem Farblinolschnitt-Zyklus dieses abendländische Erbe bis hin zur christlichen Tradition deutlich machen. Ein Ergebnis der fruchtbringenden Zusammenarbeit mit den teilnehmenden Professoren in Griechenland, zu denen Hans-Christoph Dittscheid gehörte, ist, dass jener am Sonnabend 15 Leute aus Mainz und Köln, ehemalige Kommilitonen, mitgebracht hat, die das Wochenende in Weißenfels verbrachten, um die Region näher kennenzulernen. Auch eine Gelegenheit, die Stadt an der Saale deutschlandweit bekannter zu machen
MZ vom 23.08.2011


Historisches Zimmer eingeweiht
Verein Brand-Sanierung erinnert an den Frühromantiker Novalis.

Das Kultur- und Kunstprojekt Brand-Sanierung hat sich in der Novalisstraße 13 in Weißenfels schon so benannt, als sich der gleichnamige Verein noch gar nicht gegründet hatte. Jetzt erinnert dieses Haus, das seit Jahren saniert wird, in einem Raum an Stadtgeschichte. "Novalis ist nicht nur der Namenspatron diese Straße, in dem die Brand-Sanierung beheimatet ist", sagt die Vereinsvorsitzende Christina Simon. "Er ist als einer der bedeutendsten Frühromantiker für die Stadt von Gewicht und reichte mit seinem Geist weit über die Romantik hinaus." Die Stadt Weißenfels und vor allem der Literaturverein Novalis habe in diesem Jahr an seinem 210. Todestag mit einer Festveranstaltung an ihn gedacht.
Doch weil der Verein Brand-Sanierung von Anfang an in seinem geistigen Konzept die Verknüpfung von wissenschaftlichem Gedankengut zum Geistlichen verfolge, treffe sich das mit der Botschaft, die Novalis hinterlassen habe. Deshalb haben beide Vereine gemeinsam in einem neu renovierten Raum, das Historisches Zimmer eingeweiht, in dem auch eigens für die Brand-Sanierung ein Novalis-Porträt seinen Platz gefunden hat. Die Malerin Rosalinde Weber-Hohengrund aus Schwabach hat es für den Verein angefertigt.
Das Historische Zimmer hat noch mehr zu bieten. "Wir befinden uns hier in der ehemaligen Villa des Fabrikanten Straumer, der dieses Haus bauen lies", erinnert Christina Simon. Von der Schuhfabrik sei zwar nichts mehr zu sehen, doch als die Villa im Gründerstil gebaut wurde, kaufte sich der Fabrikbesitzer für seine Etagenwohnung Möbel. Und jene, die zwischen 1906 und 1916 zur Einrichtung gehörten, schmücken jetzt originalgetreu das Historische Zimmer. Dazu gehören Schränke, Vertiko, Tisch und Stühle sowie zwei Gemälde aus jener Zeit.
"Die Möbel sind eine Dauerleihgabe", sagt die Vereinschefin und erklärt, wie es dazu gekommen ist. Günter Kohl, ein Erbe des ehemaligen Fabrikbesitzers Straumer, der noch in Weißenfels wohnt, habe vom Kunstprojekt und der Sanierung des Hauses gelesen, sie angerufen und dem Verein das Mobiliar angeboten. Somit wird in diesem Raum nicht nur an Friedrich von Hardenberg, den Frühromantiker Novalis, sondern auch ein Stück an die Schuhstadt Weißenfels und die blühende Gründerzeit erinnert. Kunstinteressierte und viele Schüler und Studenten, die Veranstaltungen und Ausstellungen in dem Kunstprojekt Novalisstraße besuchen, sehen in diesem Zimmer ein anschaubares und würdigendes Stück der Weißenfelser Stadtgeschichte.
Die Zusammenarbeit zwischen Brand-Sanierung und dem Literaturkreis gehe aber noch weiter. "Zum 240. Geburtstag von Novalis soll ein neues Hörbuch erscheinen", macht sie neugierig. Der Zielophon-Verlag will es herausgeben und hat sich für Aufnahmen dazu in Weißenfels angekündigt. Da machen die Vereine mit. Doch erst einmal werden Sponsoren gesucht. Für die Produktion des Hörbuches über das Leben von Novalis werden 8 000 Euro benötigt.
MZ vom 15.07.2011


Finnin in Weißenfels
Freitagvormittag kommt die in Finnland geborene und jetzt in Deutschland lebende Künstlerin Helena Rytkönen gemeinsam mit ihren Mann in Weißenfels an. Im Kunstprojekt "Brand-Sanierung" in der Novalisstraße 13, wird sie dann ihre "Finnischen Mythenbilder" aufhängen und dann morgen Abend bei der Ausstellungseröffnung selbst durch die Räume führen. Es sei nicht selbstverständlich, dass Künstler über ihre eigene Werke sprechen können und dem Besucher helfen, die Bilder zu erschließen, meint Christina Simon, die Vorsitzende des Vereins Brand-Sanierung. Diese Gabe sei ein Geschenk. Es lohne sich, die 1951 in Iisalmi in Finnland geborene Helena Rytkönen kennenzulernen. Sie habe 1971 Wirtschaftswissenschaften, Philosophie und Statistik sowie Kunstwissenschaften und Germanistik studiert, erst 1983 Freie Malerei an der Kunsthochschule in Kassel. Seit 1992 befasse sie sich mit Mythen, Symbolen und Gegenständen der Mari (ein finnougrisches Volk an der Wolga in Russland). Seit 1996 gibt es von ihr Ausstellungen und Vorträge zum Thema "Mythen in Finnland". Sie befasse sich auch mit Europaprojekten zum Thema Landwirtschaft und Kunst.
Dass die freischaffende Künstler, die jetzt in Rohlsdorf (Schleswig-Holstein) jetzt in der Weißenfelser Neustadt ihre Bilder zeigt, hat seinen Grund. Wie sie befasse sich auch Christina Simon mit der Mythen, der Identität, der Frage, wer bin ich? Woher komme ich? Man müsse Prioritäten setzen. Beziehungen zwischen den Menschen seien das Fundament des Glaubens, meint die Weißenfelser Vereinsvorsitzende. Sie arbeitet im Atelier selbst gerade an eigenen Farblinolschnitten für ihre Ausstellung "Palimpset- Zur Mythologie der griechischen Antike" im August im Haus eröffnet wird. Menschen anderer Kulturen erleben, die etwas zu erzählen haben, ihre Geschichte und Kultur vermittlen wollen und können, ist ihr und auch Helena Rytkönen wichtig. Auf die Finnin sei sie durch das Naumburger Ehepaar Nina und Martin Pflugradt aufmerksam geworden. Seit dem ersten Kontakt vor einem Jahr verbinden sie gleiche Interessen. Als Künstlerinnen gehe es ihnen beiden nicht um hochfliegende Ideen, sondern darum, solide handwerkliche Arbeit abzuliefern
Doch das können die Besucher ab morgen Abend, 19 Uhr, selbst sehen. Emma Aulanko vom Finnland-Institut in Berlin wird die Ausstellung eröffnen. Einen Einführungsvortrag halte dann Helena Rytkönen selbst. Musik macht die Gitarristin Rustam Yuzbashov, Schülerin der Landesschule Pforta. Präsentiert werden an diesem Tag auch das Jahresheft "Brand-Sanierung" für 2010. Bis 26. Juni werden die "Finnischen Mythenbilder" als Malereien und Rauminstallationen zu sehen sein.
Im Rahmen der Ausstellung hält am Freitag, 10. Juni, 19 Uhr, Roland Rittig einen Vortrag "Wäinemöinen - singt durch den Wind". Er widmet sich dem Kalevala und anderen Mythen im Werk des Lyrikers Johannes Bobrowski.
Ausstellungseröffnung "Finnische Mythenbilder", Samstag 19 Uhr, Kunstprojekt "Brand-Sanierung", Novalisstraße 13.
MZ vom 19.05.2011


"Strahlende Kerle" im Dom
Sie kennen sich seit sieben Jahren: Roland Rittig, der die Gesellschaft zur Förderung des Schlosses Moritzburg in Zeit leitet, und Christina Simon, die den Weißenfelser Verein "Brand-Sanierung" gegründet hat. Doch jetzt wird die Zusammenarbeit der beiden Vereine enger. "In Zeiten knapper Kassen macht es Sinn, die Kräfte über die Ortsgrenzen hinaus zu bündeln", sagt der Literaturwissenschaftler, der auch schon Schülerprojekte mit Gymnasiasten in der "Brand-Sanierung", dem Kunst-Projekt in der Weißenfelser Neustadt, das die Lehrerin und Künstlerin entwickelte, durchführte. Er hat ihnen die Prometheus-Darstellungen aus dem Jahr 1982 in Text und Bild und Komposition nahe gebracht, auch Grafiken zu Johannes R. Becher besprochen. Seit der Vereinsgründung der "Brand-Sanierung" ist er kooperatives Vereinsmitglied geworden.
Doch auch Christina Simon ist den Zeitzer Kunstliebhabern längst keine Unbekannte mehr. Sie hat bereits ihre Linolschnitte im Dom St. Peter und Paul ausgestellt. Auch Linolschnitte zu Ernst Ortlepp und zu Martin Luther stammen aus ihrer Hand. Die grafische Sammlung des Museums Moritzburg sei außerordentlich gut, weiß die Weißenfelserin.
"Beide Vereine sind wichtige Kulturvermittler in ihren Städten", meint Rittig. Die Fördergesellschaft des Zeitzer Museums und die Ernst-Ortlepp-Gesellschaft haben landesweit einen guten Ruf und tragen seit Jahren mit Hilfe von Ausstellungen, Vorträgen und Publikationen dazu bei, den Namen der Stadt Zeitz über ihre Grenzen hinaus bekannter zu machen.
Die Resonanz der gegenwärtigen Luther-Ausstellung "Nicht an Worten, an Taten kennet sie" sei ein Beleg dafür. Rittig spricht von bürgerschaftlichem Engagement. In beiden Vereinen geht es um das Erkunden kultureller Synergieeffekte. "Wir wollen uns auf den regionalen Bestand der Kunst besinnen, auf unsere eigenen Wurzeln", sagt die Weißenfelserin. Die Region hat sich, was die Kunst betrifft, der Heimat eine Menge zu geben.
Deshalb hat Christina Simon der Fördergesellschaft Linolschnitte für die Martin-Luther-Ausstellung übergeben. Als "Strahlende Kerle" hat sie Peter und Paul, die Namenspatronen des Zeitzer Doms bezeichnet. "Christliche Motive in der Kunst sind mir wichtig", sagte die Religionslehrerin des Weißenfelser Goethegymnasiums. "Sie haben einen Bezug zu unserem Erbe, der christlichen Tradition." Die Fördergesellschaft könne sich jenes Bild nicht leisten. Deshalb stellt sie es ihr zur Verfügung.
Ums Hinterfragen geht es auch bei den gemeinsamen Schülerprojekten. Die Lehrerin hatte Rittig, einen der zehn Schriftsteller, die im Herbst in Schulen unterwegs waren, zum Thema "Autoren für Demokratie und Courage" zu einer Lesung und Schreibwerkstatt ins Goethegymnasium eingeladen. Es sei ein besonders guter Religions-Kurs, sagt sie und Rittig weiß das jetzt auch. "Immer mehr Schüler engagieren sich gegen Rassismus und Rechtsextremismus, treten in ihrer Schule für Demokratie, Toleranz und gegenseitigen Respekt ein." Über Kriege, Gewalt und Mobbing habe er mit ihnen gesprochen. Beim zweiten Termin haben sie in der Schreibwerkstatt Texte verfasst. "Die Texte der Weißenfelser Schüler kamen alle in die engere Auswahl", zeigt sich der Literaturexperte beeindruckt. Eine Jury in Magdeburg werde sie beurteilen und Preise vergeben.
Beide Vereinsvorsitzende haben bereits Projekte für die zukünftige Zusammenarbeit beplant. Die Luther-Ausstellung, die jetzt im Lebek-Zentrum in der Moritzburg Zeitz zu sehen ist, soll in Weißenfels gezeigt werden. Rittig wird einen Vortrag halten über Johannes Bobrowski im Kunst-Projekt "Brand-Sanierung" in der Saalestadt, wo in diesem Jahr finnische Mythen zu dessen Dichtung unter dem Motto "Wäinemöinen /singt durch den Wind" zu sehen sind. Von Christina Simon werden Linolschnitte zu den Aposteln als Beitrag für die geplante Dauerausstellung im Zeitzer Dom zum Thema "Das Kirchenjahr" gezeigt, die Pfingsten eröffnet werden soll. Im Rahmen der Luther-Dekade arbeitet sie selbst zur Zeit am Thema "Frauen und die Reformation". Die Arbeiten werden 2012 in der Elsterstadt zu sehen sein. Weitere Ideen schwirren beiden im Kopf.
MZ vom 14.02.2011


In Brand-Sanierung brennen Kunst und Kultur
Christina Simon, die Vorsitzende des Vereins Brand-Sanierung, ist beim Neujahrsempfang der Stadt Weißenfels als "Verdiente Bürgerin" ausgezeichnet worden, durfte sich ins Ehrenbuch ihrer Heimatstadt eintragen. Über diese Anerkennung freute sich die 48-jährige Lehrerin für Kunst und Religion am Goethegymnasium Weißenfels, die seit ihrem Studium ganz unterschiedliche Linolschnitte anfertigt, sich aber auch anderen kulturellen Themen widmet.
Sie sieht in der Auszeichnung ein Zeichen, "dass meine Stadt in meine Arbeit Vertrauen setzt und dass viele Menschen aus der Region an das Kunst- und Kulturprojekt ,Brand-Sanierung' glauben". Dass das Projekt inzwischen zu einem kulturellen Hoffnungsträger der Region geworden ist, haben immer mehr Gäste deutlich gemacht, meint sie. Es geht nicht nur darum, eigene Linolschnitte in Ausstellungen zu präsentieren. Sie holt auch bekannte Künstler in die Stadt, lässt Schriftsteller lesen und Musiker spielen.
"Ich habe das Privileg sehr unabhängig und frei arbeiten zu dürfen", sagt sie. Durch ihre Unabhängigkeit könne sie in ihrer Außenseiterposition gewisse Themen und Projekte bearbeiten, "die nicht dem Mainstream verpflichtet" seien wie öffentliche Museen. "Ich sehe meine Aufgabe darin, aufgrund der Abwanderungsrate der Menschen aus dem Osten einen Pfosten da einzuschlagen, wo der Schwund am größten ist", sagt sie. Kultur soll die Menschen festhalten oder in die Heimat zurückkehren lassen.
Obwohl ihr Mann seit zehn Jahren seinen Arbeitsmittelpunkt in den Altbundesländern finden musste, hat sie sich entschieden, in Weißenfels zu bleiben. Dass sie in der Neustadt einen "kulturellen Leuchtturm" entwickelt hat, wie Stadtratsvorsitzender Jörg Freiwald (Die Linke) ihr Projekt bei der Laudatio bezeichnete, bringt sie mit den guten Arbeitsbedingungen in Zusammenhang. Aufgrund ihrer langjährigen Teilzeitarbeit als Lehrerin habe sie die Möglichkeit genutzt, ihre freie Zeit und Energie in den Aufbau des Kunstprojektes fließen zu lassen. "Ich arbeite jetzt zehn Jahre am Kunstprojekt in der Novalisstraße 13", blickt sie zurück. Ihre bewusste Entscheidung, mit dem Projekt ein Stückchen Kultur für die Region zu entwickeln und beharrlich zu bleiben, habe sich gelohnt, meint sie.
Doch Christina Simon hat dazu auch Mitstreiter gefunden und den Verein "Brand-Sanierung" gegründet. Auch immer mehr Lehrer ihrer und anderer Schulen unterstützen sie und nutzen die Projekte, besuchen Veranstaltungen, verlegen Unterrichtsstunden mit ihren Schülern in ihr Atelier und in Ausstellungen in der Galerie. Dort erleben sie, dass sich Kultur und Kunst in der Saalestadt entwickeln. Das verfestige sich im Kopf. Besucher kehren auch deshalb immer wieder dorthin zurück, weil sie sehen wollen, wie die Sanierung des Wohn- und Kunsthauses "Brand-Sanierung" voranschreitet. Dieser Aufgabe hat sich Geschäftsführer Bernd Steudtner von der Wohnungsbau Wohnungsverwaltung Weißenfels gestellt. Auch das sei eine Werbezeichen für die Stadt.
MZ vom 24.01.2011


Ab auf die Insel
Herbert Rosendorfer holt die Lesung aus seinem Italienroman "Der Mann mit den goldenen Ohren" in der Weißenfelser Neustadt nach.

Schon wieder reichen die Stühle in der Galerie des Vereins "Brand-Sanierung" nicht. Aus der Wohnung von Vereinschefin Christina Simon werden noch private herangeschleppt. Die letzten Gäste nehmen ganz hinten auf der Sitzgarnitur Platz. Nicht der beste Ort für den Rücken, um dort anderthalb Stunden auszuhalten. Aber den Samstagabend wollen rund 60 Gäste unbedingt mit der Lesung von Herbert Rosendorfer aus seinem Buch "Der Mann mit den goldenen Ohren" dort beginnen.
Nicht nur Weißenfelser sind ins Kultur- und Kunst-Projekt in die Novalisstraße der Weißenfelser Neustadt gekommen. Nach der Absage eines der "bedeutendsten Schriftsteller im deutschen Raum", wie ihn die Vereinschefin nennt, im August, wo er sein Buch passend zur Moritz-Götze-Ausstellung vorstellen sollte, dann aber krank wurde, sei die Nachfrage groß geworden.
Statt im Sommer liest Herbert Rosendorfer eben mitten im Winter vor und bringt die Frauen und Männern zum Schmunzeln und lauten Lachen - auch die in der letzten Reihe. Doch zuerst verteilt Rosendorfer, der Jurist im Ruhestand (Jahrgang 1934), der jetzt Professor für Bayerische Literaturgeschichte ist, ein Lob an die Seumebuchhandlung, die sich den Roman wohl schon im Sommer "besorgt" und viele seiner Bücher zum Verkauf in die Brand-Sanierung mitgebracht haben. "Der Mann mit den goldenen Ohren", der 2009 erschienene Roman, gilt im Moment beim Verlag als "vergriffen". Er habe gerade zwei Lesungen in Weimar und Erfurt hinter sich. Da sei das Buch nicht mehr zu haben. Das liege mit Sicherheit auch daran, weil er im November 2010 den Corine-Ehrenpreis vom Bayerischen Ministerpräsidenten erhielt für sein Lebenswerk. Da habe er gezuckt, erklärte Rosendorfer in Weißenfels. Bei seiner Dankesrede habe er dann gefragt, ob er noch weiter schreiben darf. Genauso ist der Humor des Schriftstellers Herbert Rosendorfers zu verstehen. Ein gutes Stück Satire gehört zu ihm, der 1993 bis 1997 Richter am Oberlandesgericht in Naumburg war.
"Meine Bücher sind nicht autografisch", sagt er, auch wenn es beim Ich-Erzähler fast so klingt. Dieser ist ein deutsche Maler namens Felix Mahr, der seit 24 Jahren auf der italienischen Insel Zompara lebt. Von dem Schriftsteller Heribet Caesar, der regelmäßig - immer mit einer anderen Frau - auf die Insel kommt, lässt er sich überreden, einen Roman über den Aufstieg und Niedergang der Insel zu schreiben. Dazu gehört die Ansiedlung eines undurchsichtigen armenischen Milliardärs, der einen vorübergehenden Tourismusboom auslöste und seinen vier gescheiterten Ehen. Die Sprachspielereien lassen Zuhörer schon beim Vorlesen grinsen. Auch wenn der frühere Richter beim Vorlesen nicht lächelt, sondern streng bleibt, auf Humor, Komik und Satire können sich die Leser seines Buchs freuen. Vor allem jene, die ihr Exemplar mitgebracht oder eines der letzten bei der Seumebuchhandlung gekauft und nach der Lesung von Rosendorfer haben signieren lassen. Dafür nimmt er sich Zeit.
MZ vom 18.01.2011

2010
Moritz Götze in der Stadt
Ein Altar steht jetzt im Kunst- und Kulturprojekt Brand-Sanierung in der Weißenfelser Neustadt. Es ist der Sachsen-Anhalt-Reliquien-Flügelaltar, den der halleschen Maler und Grafiker Moritz Götze mitgebracht hat. "Ich bin gefragt worden, ob ich in Weißenfels ausstellen will", sagt der internationale bekannte und deutschlandweit ausstellende Künstler. "Ich habe ja gesagt", fügt er locker, wie er nun mal ist, hinzu. Er kenne Weißenfels, sei während seiner Ausbildung mit dem Zug von Halle nach Naumburg gefahren, kenne die Saalestadt, mag sie. Deshalb hat er eigens für diese Ausstellung in der Brand-Sanierung ein Weißenfels-Bild geschaffen. Eins mit ihm selbst drauf, mit Schloss Neu-Augustusburg, der Saale und einem markanten Mops mit der Zipfelmütze . . . Das steht genau gegenüber dem Reliquien-Altar, den er 1998 für die Landes-Kunst-Ausstellung "Frohe Zukunft" in der Moritzburg in Halle geschaffen hat und der auf die Einladungskarte gedruckt ist.
"Der Maler und das Land haben sich gefunden", beschreibt Rüdiger Giebler, hallescher Maler und Grafiker und Freund, bei der Einführung, spricht von Historienbildern, die Götze anfertigt. In jedem Bild laufe ein Film ab, Götze sehe er als "Neo-Pop-Historienmaler". Ein geschichtserzählender Bilderbogen ist bis 26. September in vier Ausstellungsräumen in der Weißenfelser Neustadt zu sehen ist.
Im Kunst- und Kulturprojekt Brand-Sanierung wird seit zehn Jahren Kunst von Christina Simon gemacht und ausgestellt, vor einem Jahr ist ein Verein gegründet worden. Das Haus in der Novalis- straße 13, das in der Gründerzeit die Villa der ehemaligen Schuhfabrik Straumer war, ist nicht abgerissen worden. Es werde vom Hauseigentümer WVW saniert, weil dessen Geschäftsführer Steudtner an das Kunstprojekt glaubt, bedankt sich die Vereinsvorsitzende Christina Simon. Man wolle zeitgenössische Kunst fördern und die Kunsttradition des 20. Jahrhunderts pflegen und bewahren sowie in der Region entstandene Kunst über die Grenzen hinaus bekannt machen. Das gelinge immer mehr, meint Simon. Auch mit Götzes erster Ausstellung "Expedition" in diesen neuen Räumen.
Zur Ausstellungseröffnung ist der Maler von Halle mit dem Fahrrad angereist. Sachsen-Anhalts Regierungssprecherin Monika Zimmermann begrüßt ihn und stellt ihn vor - mit gutem Grund: In jedem Zimmer ihrer Wohnung, von Bad bis Küche und Schlafzimmer und auch im Büro hängen Bilder von Moritz Götze. Sie bestätigt die Worte von Christina Simon "Götze muss man lieben". 50 Gäste begeben sich bereits am ersten Tag auf "Expedition" nach Götzes Art. Und weil er die sanierten Räume nun kennt, darf damit gerechnet werden, dass er wiederkommt.
MZ vom 23.08.2010


Erfurter Ateliergemeinschaft kehrt in Weißenfels ein
. "Es ist ein schönes Bild, wenn das Haus voll ist," freut sich Christina Simon, die Vorsitzende des Vereins Brand-Sanierung. Mehr als 50 Gäste sind am Sonntagnachmittag zur Ausstellungseröffnung in die Novalisstraße 13 gekommen. Simon bezeichnet sie als Menschen, "die immer kommen und nicht nur Interesse an der Kunst, sondern auch an der Entwicklung des Hauses zeigen". Besonders auf die Thüringer Gäste, vornehmlich aus Erfurt, freut sie sich, weil sie eine Ausstellung der Erfurter Ateliergemeinschaft eröffnet. Zum ersten Mal gehörte am Sonntag auch der Weißenfelser Oberbürgermeister Robby Risch (parteilos) dazu.
Frisch renoviert sind die Ausstellungsräume in der ersten Etage des Kunstprojektes Brand-Sanierung. Dafür hat als Eigentümer die Wohnungsbau Wohnungsverwaltung Weißenfels (WVW) gesorgt. Dankbar ist nicht nur Christina Simon, sondern es sind auch die Gäste. "Es braucht aber noch Zeit, bis die Sanierung des ganzen Hauses abgeschlossen ist", erklärt der WVW-Geschäftsführer Bernd Steudtner. Damit sich in der Weißenfelser Neustadt eine Kunst-Szene entwickeln kann, helfe er gern.
Finanziert wird die Ausstellung aber auch durch die Kultur- und Brauchtumsstiftung der Kreissparkasse des Burgenlandkreises. Der Gerstäcker-Verlag, mit dem Christina Simon zusammenarbeitet, hat das Galeriesystem für die erste Etage gesponsert.
Die Vereinsvorsitzende erinnert an die Ausstellung, mit der 2007 Rudolf Franke geehrt wurde. Der habe sich 1963 mit einer Gruppe von Künstlern zur Erfurter Ateliergemeinschaft zusammengefunden, um sich das Recht auf Selbstbestimmung und künstlerische Freiheit, was zu DDR-Zeiten nicht selbstverständlich war, zu bewahren. Viele Erfurter seien schon damals nach Weißenfels gekommen. Der Kontakt sei nicht abgebrochen. Befreundet mit Frankes Frau Ilse ist Christina Simon schon länger. Aus dem regelmäßigen Briefwechsel wurde die Idee, eine Auswahl von Grafiken aus den verschiedenen Jahresmappen der Erfurter Ateliergemeinschaft, die es 1963 bis 1974 gab, in Weißenfels zu zeigen. In Cornelia Nowak vom Angermuseum Erfurt fand sie eine Partnerin, die die Gäste über die Geschichte der Ateliergemeinschaft informiert. Gerade 20 Jahre nach der Wende wird ein Stückchen DDR-Kunst-Geschichte nachempfunden. "Dank der Wiedervereinigung können wir heute frei und unabhängig mit Kunst umgehen", sagt Christina Simon zur Ausstellungseröffnung. Während sich die Gäste die Grafiken anschauen, begleitet sie Gianluca Calica, Schüler der Landschule Pforta, musikalisch auf der Gitarre. Viele Besucher - auch solche aus Berlin und Hannover - nehmen sich das Jahresheft "Brand-Sanierung 8" mit nach Hause.
MZ vom 01.06.2010

Starke Frauen begegnen sich auf und vor den Bildern
Weißenfelser Unternehmerinnen treffen auf die Künstlerin Christina Simon
Mehr als 30 Frauen seien im September 1996 im Weißenfelser Brauhaus dabei gewesen, als der Unternehmerinnenstammtisch in Weißenfels gegründet wurde, sagte Christina Hüttig. Die Geschäftsfrauen, die meisten aus dem Mittelstand, wollten sich kennenlernen, Kontakte knüpfen, bei Vorträgen Erfahrungen sammeln, damit die Existenzgründung auch erfolgreich läuft. "Seit einem Jahr hat sich wieder ein fester Stamm gefunden", sagte sie. Zehn bis 15 Frauen treffen sich einmal im Monat. Ihr Interesse gilt auch der Kunst in der Saalestadt.
Am Mittwochabend besuchten 14 Frauen das Kunst- und Kulturprojekt Brand-Sanierung in der Weißenfelser Neustadt. Die Künstlerin und seit einem Jahr Vereinsvorsitzende der Brand-Sanierung Christina Simon erzählte ihnen, wie das Wohnhaus zum Kunsthaus und Treffpunkt Kulturinteressierter wurde. Sie lud die Frauen in ihr Atelier ein, das sie vor neun Jahren unter ihrer Wohnung einrichtete. Dann habe sie über acht Jahre privat einen Kunst- und Kulturkreis aufgebaut. Kunst sei kein "Brotberuf", sagte sie den Unternehmerinnen. Ihr Geld verdiene sie als Lehrerin am Goethegymnasiums. Sie berichtete von den Projekten und vom laufenden Umbau des Hauses , die in der Vergangenheit immer mehr Interesse geweckt hätten. Dann führte sie die Gäste zur eigenen Ausstellung "Gott grüße Euch, Frau Minne", Linolschnitte zum Werk von Mechthild von Magdeburg. "Mechthild war eine starke Frau im 13. Jahrhundert", meinte Christina Simon. Die Bilder anzuschauen und von ihrem Leben zu erfahren, sah sie auch für die starken Frauen von heute, zu denen sie die Unternehmerinnen zählt, als nützlich. Zwei von ihnen erkannte sie sofort wieder, weil sie bereits Veranstaltungen in der Brand-Sanierung besucht hatten. "Hier haben sie die Möglichkeit, Originale zu sehen", erklärte die Künstlerin. Das sei anders, als gefilmte Ausstellungsbesuche im Fernsehen anzuschauen oder Kataloge durchzublättern.
Das Interesse der meisten Frauen ist geweckt worden, sie wollen wieder kommen. "Ein solches künstlerisches Kleinod hat die Neustadt verdient", sagte die Gleichstellungsbeauftragte Christina Hüttig, die gemeinsam mit Silvia Bannert von der Bannert und Franke EDV-Systemhaus GbR den Unternehmerinnenstammtisch organisiert. Vor zwei Monaten hatten die Frauen die Stadtwerke Weißenfels besucht und sich aufklären lassen, wie die Geschäfte dort laufen. Im Sommer soll der Unternehmerinnenstammtisch nach Kornwestheim verlegt werden, plante Hüttig voraus. "Die Städtepartnerschaft mit Weißenfels besteht seit 20 Jahren", sagte sie.
Gemeinsam mit Silvia Bannert will Christina Hüttig am Montag am Zeitzer Unternehmerinnenstammtisch teilnehmen. "Vielleicht ergibt sich aus Gesprächen dort auch mal ein Thema, für das uns die Zeitzer eine Referentin empfehlen können", dachte sie voraus. Über den Kunstgenuss in der Brand-Sanierung wolle sie den Zeitzern auch berichten und weitertragen, was Christina Simon ihnen mitgegeben habe
MZ vom 19.02.2010


Mechthilds fließendes Licht ist zum Abschluss zu hören
Zum Ausstellungsende stellt Thomas Zieler sein Hörbuch vor - Texte der Mystikerin vorgelesen
Genau ein Jahr ist es her, dass sich in Weißenfels der Verein Brand-Sanierung gegründet hat, erinnerte die Vereinsvorsitzende Christina Simon am Freitagabend die mehr als 40 Besucher der Finissage ihrer Ausstellung "Gott grüße Euch, Frau Minne!". Seit dem hat sich im Gebäude eine Menge verändert. Der Baufortschritt im Kunstprojekt in der Novalisstraße 13 sei nicht zu übersehen, wurde in der Jahresversammlung gewürdigt. Nun klatschten die Besucher Beifall für die Wohnungsbau Wohnungsverwaltung Weißenfels GmbH (WVW). Die saniert das Haus in der Weißenfelser Neustadt. Auch wenn dort noch Baustelle ist, fließt bei jedem Besuch mehr Licht ins Haus. "Es ist ein schöner Erfolg, wie das Haus heute hier aussieht," freute sich Christina Simon. Schließlich sei das auch Voraussetzung gewesen, im Winter ihre Linolschnitte zum Werk von Mechthild von Magdeburg auszustellen.
Die Ausstellung ist am Freitag beendet worden, mit einer Finissage zumindest für die Brand-Sanierung ungewöhnlichen Art. "Mechthild von Magdeburg: Im fließenden Licht" heißt eine Hörbuchproduktion des "zielophon"-Verlages, die erschienen ist. Mechthild von Magdeburg (1207-1282) war eine Mystikerin, Begine und Dichterin. "Sie verdichtete ihre intensive Gottesbeziehung sprachschöpferisch zu Minneliedern, deren Schönheit uns noch heute berührt", begründete Verleger Thomas Zieler, warum er das Hörbuch produziert hatte. Das erzählt das Leben Mechthilds aus ihrer Sicht und der von Zeitgenossen. Diesen Part übernahm bei der Finissage der Verleger. Verbunden wurden die Texte von Mechthild mit Liedern der Mystikerin Hildegard von Bingen. Gesprochen werden sollten sie von den Schauspielern An Kuohn und Thomas Tucht. Weil Kuohn krank geworden ist, war Susanne Heubaum eingesprungen
Doch die CD hat noch eine Besonderheit aufzuweisen. Sie ziert als Deckblatt eines der Linolschnitte von Christina Simon, das sie "Im fließenden Licht" nannte. Mechthilds 800. Geburtstag haben die Minne-Lyrik zweifellos wieder ins Gespräch gebracht. Die Übersetzung von Christina Simon, ihre Art, das Mystische in Linolschnitte umzuwandeln, hat dabei einen Beitrag geleistet. In ihrer Heimatstadt für sieben Wochen die Bilder zu zeigen, wurde darüber hinaus angenommen. So hatten auch wieder einmal Schulklassen die Möglichkeit, sich mit dem Thema Kunst und Religion zu befassen.
Außerordentlich aufmerksam verfolgten die Gäste den Vortrag, griffen danach auch zu anderen "zielophon"-Hörbüchern, die Zieler mitgebracht hatte. Bei Christina Simon hingegen landete die Frage zur nächsten Veranstaltung im Kunsthaus der Weißenfelser Neustadt. Im Mai ist die nächste geplant. Die Erfurter Ateliergemeinschaft 1963-1974 zeigt dann "Kunst im Gegenwind". Bis dahin gibt es eine weitere Rekonstruktions- und Bauphase, die das Weißenfelser Kunst- und Wohnhaus weiter attraktiver machen werden.
MZ vom 25.01.2010


2009
Diplomarbeit fordert zur Diskussion über die Stadtentwicklung heraus.
Visionen für die grüne Saalestadt
Ob aus den Brachflächen in der Weißenfelser Innenstadt mal Kräutergärten werden, ist noch unklar. Mehr Blumen sollen dort aber durchaus und schnell wachsen. Denn die Architekturstudenten der Universität der Künste in Berlin Moritz Ahlert und Robert-Christian Friebe haben in ihrer Diplomarbeit nicht nur Visionen für die Stadtentwicklung erarbeitet. Seit gestern sind sie in der Ausstellung "WSF 2050 - Stadtvision Weißenfels" in der Burgstraße 1 zu sehen. Dort haben sie für die Besucher einen Branchenmix aus Blumensamen zusammengestellt, den jene sich in handlicher Portion mitnehmen und in der Stadt verstreuen sollen.
Ob es Neugier oder Zufall war, dass Ahlert und Friebe im Sommer 2007 in Christina Simons Atelier im Kultur- und Kunstprojekt Brand-Sanierung weilten, weiß die Weißenfelser Künstlerin heute nicht mehr. Doch das Interesse der Studenten, die Potenziale der Saalestadt trotz hoher Arbeitslosigkeit, des Leerstandes von Häusern in der schrumpfenden Stadt unter die Lupe zu nehmen und Ideen zu entwickeln, passte genau dorthin. Schließlich gehöre die Brand-Sanierung in der Gründerzeitvilla einer alten Maschinenfabrik, die als Industriebrache an das Haus grenzt, zu einem festen Baustein der Kulturlandschaft der Stadt, sagt Christina Simon. Sie entwickle sich wegen des Engagements des mittlerweile gegründeten Vereins und der Initiative der Wohnungsbau Wohnungsverwaltung Weißenfels GmbH (WVW).
Weil dort im Kunstprojekt in der Novalisstraße 13 gerade Bauarbeiten laufen, wurde für die visionäre Ausstellung von WVW-Chef Bernd Steudtner mitten im Stadtzentrum das Haus in der Burgstraße 1 zur Verfügung gestellt.
Das Haus steht leer, war von 1994 bis 2001 Eisdiele, gehört seit 2007 zur WVW und wartet auf seine Sanierung, sagt Steudtner zur Ausstellungseröffnung, zu der auch viele Weißenfelser Stadträte gekommen sind.
Die Ideen beider Architekten, deren Diplomarbeit mit dem Prädikat "sehr gut" bewertet wurde, weiß auch die Weißenfelser Stadtarchitektin Diana Wagner zu schätzen. Bis 2050 Visionen für die Stadt zu entwickeln, gehöre nicht zu ihrer Aufgabe. Sie dürfe nur bis zum Jahr 2020 planen. Doch auch dabei habe sie an den Bevölkerungsschwund von 39 000 auf 30 000 Einwohner in der Stadt zu denken. Die Stadtentwicklung stelle schließlich neue Herausforderungen. Man dürfe nicht nur an die ältere Generation denken, sondern auch daran, die Innenstädte für junge Menschen interessant zu machen. "Mit der Ausstellung soll eine Diskussionsprozess angeschoben werden", sagt sie . "Denn das ist ein verdammt unbequemes Thema."
MZ vom 15.09.2009




Rückkehr an die Saale ist gelungen
Finissage: Ausstellung von Rudolf Brückner-Fuhlrott in Weißenfels ist beendet
Die Brückner-Fuhlrott-Ausstellung im Kunstprojekt Brand-Sanierung ist zu Ende. "Es war eine erfolgreiche Ausstellung," sagt die Vorsitzende des gemeinnützigen Vereins Brand-Sanierung, Christina Simon. Nicht nur, weil anfangs mehrere Schulklassen dessen Kunstwerke sehen wollten. "Viele Weißenfelser und Menschen aus der Region - manche zum ersten Mal - haben den Weg hierher gefunden, weil sie Rudolf Brückner-Fuhlrott (1908-1984) kannten, als er noch in Weißenfels zu Hause war", meint sie.
Beinahe täglich habe sie Gäste durch die Ausstellung geführt. "Sie identifizieren sich mit den Kunstwerken aus der Region, weil sie zu ihrer eigenen Lebensgeschichte gehört", fasst sie die Gespräche mit den Gästen zusammen. Immerhin habe Brückner-Fuhlrott Kirchen in elf Städten mitgestaltet. Was von ihm in welcher Kirche zu sehen ist, erfuhren die Gäste bei der Ausstellung auch aus der Lesematte. Des Künstlers Tochter Elke Maes hatte die Daten, auch eine Biografie des Vaters, als Kuratorin zusammengestellt. Weil bei der Ausstellungseröffnung vom damaligen stellvertretenden Weißenfelser Stadtratsvorsitzenden Klaus Heunisch gewünscht, hatte Elke Maes eine solche Mappe auch dem Stadtarchiv zur Verfügung gestellt. Dort können etliche Interessenten sich jetzt Informationen über das Leben des Künstlers und Sohnes der Stadt holen und dann beispielsweise seine sakrale Kunst durch die Gotteshäuser der Region verfolgen.
Mit der Ausstellung ist Rudolf Brückner-Fuhlrott in seine einstige Heimatstadt zurückgekehrt. Das haben auch rund 50 Gäste bei der Finissage am Sonnabend gemerkt. Zu der hatte Christina Simon Harald Schwillus, Professor für Religionspädagogik an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, eingeladen und ihn gebeten, einen Vortrag zum Thema "Und wenn dein Sohn dich morgen fragt" zu halten.
Das Zitat hat biblischen Bezug und verweist auf den Exodus, den Auszug des Volkes Israel aus Ägypten, der als Befreiung dieses Volkes galt. Zum Ritus des jüdischen Passa-Festes gehört es, dass das jüngstes Kind der Familie vier Fragen stellt, erklärt sie. Die Bedeutung des Fragens im Zusammenhang mit der Selbstbestimmung des Menschen und mit dem persönlichen Exodus, der inneren Freiheit, stellte er in den Mittelpunkt. In Bezug auf die Ausstellung wurde klar gemacht, dass Rudolf Brückner-Fuhlrott selbst immer suchend war und als Künstler um innere Freiheit gerungen hatte. Über Menschen, die nach Freiheit ringen, darüber sprechen, passe aber auch zu einem aktuellen Jubiläum: 20 Jahre Mauerfall.
Außerdem sieht der Verein Brand-Sanierung es als seine künstlerischen Aufgabe mit den möglichen Ausdrucksformen Wort, Bild und Musik, im öffentlichen Raum Fragen zu stellen, die auch jeder andere Mensch hat. Dazu gehören für Christina Simon religiöse Fragen, mit denen sich auch Menschen auseinander setzen, die nicht religiös sind und deshalb Kirchen nicht besuchen. Brückner-Fuhlrott soll seine Heimatstadt nun nicht wieder ganz verlassen. Doch nicht nur im Stadtarchiv soll seine Lesemappe bleiben. "Die Stadt Weißenfels fühlt sich seinem kulturellen Erbe verpflichtet. Wir denken darüber nach, vielleicht 2011 ein Kunstwerk von ihm erwerben," spricht Hauptamtsleiter Sven Hantscher und hofft auf Unterstützung. Er könne sich aber auch eine Ausstellung von Elke Maes in Weißenfels vorstellen, die in die Fußstapfen des Vaters getreten ist.
MZ vom 14.07.2009


Erinnerung an den Weißenfelser Künstler Rudolf Brückner-Fuhlrott im Kunstprojekt Brand-Sanierung.
Sakraler Künstler kehrt in Saalestadt zurück
Jugendfreunde trifft die Berlinerin Elke Maes in Weißenfels wieder. Im Kunstprojekt Brand-Sanierung in der Novalisstraße 13 eröffnet sie die Ausstellung "Auf Dein Wort hin. . .". Diese zeigt Kunstwerke aus 60 Jahren von Rudolf Brückner-Fuhlrott (1908 bis 1984). Elke Maes, seine Tochter, selbst Malerin, hat das Konzept für die Ausstellung erarbeitet. Sie freut sich, dass die Werke ihres Vaters, der in Weißenfels geboren und Jahrzehnte lang gearbeitet hat, jetzt hier gezeigt werden. Sie macht mit Leidenschaft auf das Erbe ihres Vaters aufmerksam, freut sich darüber, die Bilder gerade an diesem Ort zu zeigen, wo Ausstellungen nach sieben Jahren Privatinitiative von Christina Simon jetzt durch den im Januar gegründeten Verein Brand-Sanierung organisiert werden.
Mit sakraler Kunst hat Brückner-Fuhlrott in Weißenfels und Umgebung, aber noch viel mehr in Thüringen zur Gestaltung von Kirchen beigetragen. Hans Reinhard Koch, Weihbischof von Erfurt, berichtet über die Auftragskunst der Kirche zu DDR-Zeiten und freut sich darüber, jetzt in Weißenfels Kunstwerke zu sehen, die er noch nicht kennt. "Wir wollen die Lesemappen ins Stadtarchiv übernehmen."
Klaus Heunisch Stellv. Stadtratsvorsitzender
Weil das künstlerische Schaffen Brückner-Fuhlrotts über 60 Jahre nachgezeichnet werden soll, hat Elke Maes Porträtmalerei, Aktzeichnungen und Landschaftsmalerei sowie "Entwürfe Modelle Grafiken", einen Zyklus von 14 Blättern in einer Mappe, dafür ausgewählt. Zudem hat sie Lesemappen erarbeitet, die Besucher durchblättern können. Darin wird nicht nur Rudolf Brückner-Fuhlrotts Lebensgeschichte nachgezeichnet. Es ist auch aufgelistet, in welchen Kirchen seine Werke zu finden sind. "Es ist der Wunsch des Stadtrates, diesen Teil der Weißenfelser Kunstgeschichte wieder in das Bewusstsein der Menschen zu rücken", sagt Klaus Heunisch, stellvertretender Stadtratsvorsitzender, und meint damit die sakrale Kunst wie auch die weltlichen Dinge aus jener Zeit, die hier nahezu unbekannt sind. "Wir wollen die Lesemappen ins Stadtarchiv übernehmen", sagt Heunisch. Über 490 Besucher sind schon zur Ausstellungseröffnung gekommen. Ein großer Teil des Nachlasses Brückner-Fuhlrotts wird heute im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg verwaltet. Dafür hat die dortige frühere Leiterin des Archivs für Kunst, Irmtraud von Andrian-Werburg, gesorgt, die auch nach Weißenfels gekommen ist. Christina Simon lädt auch wieder Schülergruppen in die Ausstellung ein. Am Sonnabend, 11. Juli, 19 Uhr, gibt es zudem einen Vortrag von Harald Schwillus von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg zum Thema "Und wenn dein Sohn dich morgen fragt!".
MZ vom 16.06.2009


Vision wird mit Ausstellung Realität Gabi Weiss zeigt ihren 14-teiligen Kreuzweg
Bilder sind in der Kirche Markröhlitz zu sehen
Von einem denkwürdigen Tag spricht Birgit Hofmann während der Ausstellungseröffnung in der Kirche Markröhlitz. Einig ist sich die Vorsitzende des Vereins zur Erhaltung des Bauwerkes mit Martina Meißner, die für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist und nun sagt: "Unsere Vision und unser Traumbild aus dem Jahre 2000, als wir angefangen haben, ist Wirklichkeit geworden."
Damals hatten sich zunächst 25 Mitglieder und später viele weitere Helfer auf die Fahne geschrieben, das baufällige Gotteshaus wieder herzurichten. Seit dem Vorjahr gab es bereits Taufen, Trauerfeiern und eine diamantene Hochzeit. Nun wird der 14-teilige Kreuzweg von Gabi Weiss gezeigt und Konzerte sollen folgen.
Die 49-jährige Künstlerin ist von Christina Simon nach Markröhlitz geholt worden, die aus dem Ort stammt und in Weißenfels das Projekt Brand-Sanierung initiiert hat. Bereits seit dem Tag zuvor zeigt die Frau aus Baden-Württemberg ihren Zyklus in der halleschen Moritzkirche. In Markröhlitz wird er im Rahmen einer Andacht vorgestellt. Diese gestalten Schüler des katholischen und evangelischen Religionskurses der Klassen 11 des Goethegymnasiums der Saalestadt. Während von der Kanzel Bibeltexte verlesen werden, sind vor dem Altar Meditationen zu hören und sollen Impulse bis ins Heute wirken.
Während ihrer Einführung macht Christina Simon darauf aufmerksam, dass Gabi Weiss vom traditionellen Zyklus abweicht. Sie behalte die Zahl 14 bei, lasse jedoch die verschiedenen Kreuzweg-Stationen teilweise zusammenfließen. So bleiben am Ende vier Bilder, die das aktive Christ-Sein ansprechen sollen und in ihrer hellen Farbgebung von den Tönen in dunklem Blau abweichen, mit denen der Leidensweg von Jesus dargestellt ist. Fenster in den Arbeiten zeigen die Sicht Gottes darauf, wie Menschen - ob in Hass oder Mitgefühl - Jesus begegnet sind.
Die Künstlerin sieht ihre Aufgabe darin, etwas von den Erkenntnissen, die sie gewinnen konnte, zu vermitteln. "Es sind die Fragen, die der Mensch hat, die Fragen nach dem Sinn des Lebens. Habe ich eine Antwort gefunden, möchte ich sie auch anderen zuteil werden lassen." Gabi Weiss sagt, dass schon ihr Vater gern gezeichnet hat. Sie habe begonnen, zuerst die Gräser auf der Wiese darzustellen, später seien neben den Naturarbeiten christliche Motive dazugekommen, als sie begann, sich verstärkt mit der Religion auseinanderzusetzen.
Christina Simon hat Gabi Weiss in der Glasmalerei Peters in Paderborn kennengelernt. Natürlich sei diese vom Studium bei Professor Ludwig Schaffrath an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart geprägt worden, bevor sie verstärkt ihre eigene Richtung verfolgt habe. Ihre Glasmalereien sind zum Beispiel in der katholischen St.-Marien-Kirche in Lüneburg, im Bischofshaus Oslo / Norwegen, am Eingangsportal des Helsinkier Doms in Finnland und einem Kinderkrankenhaus in Kabul / Afghanistan zu sehen. Ausgestellt hat sie außerdem bereits in Osaka / Japan. Nachdem sie mal zwei Bilder im Hygienemuseum Dresden zeigen konnte, präsentiert sich Gabi Weiss nun erstmals wieder im Osten Deutschlands.
MZ vom 05.04.2009


Etabliertes Weißenfelser Kulturprojekt ist auf dem Weg zur Stiftung.
Ein Verein organisiert Kunst in der Brand-Sanierung
VON KARIN GROSSMANN WEISSENFELS /MZ
Im Kultur- und Kunstprojekt Brand-Sanierung ist der Verein Brand-Sanierung gegründet worden. "Mit der Idee haben wir uns schon länger getragen", sagt Christina Simon, die Initiatorin des Kunstprojektes, die in der Gründungsversammlung auch zur ersten Vorsitzenden des Vereins gewählt wurde. Mit Ausstellungen und literarischen Veranstaltungen hat sich das Haus in der Novalisstraße 13 in den letzten Jahren einen Namen gemacht. "Der Verein ist ein Brückenglied für eine Stiftung", blickt sie schon weiter in die Zukunft. Es wurden Gründungsmitglieder gefunden, die die Verantwortung für das mittlerweile etablierte Kunstprojekt auf mehrere Schultern verteilen wollen. Es sei Zeit gewesen, eine juristische Form zu wählen, mit der es auch möglich ist, Fördermittel zu beantragen.
Die würden gebraucht, um den Zweck zu erfüllen. Den sieht der Verein laut seiner Satzung in der Präsentation von zeitgenössischer Kunst auf der Basis landes- und europaweiter Beziehungen, um das kulturelle Leben in der Region über die Grenzen hinaus bekanntzumachen und den Menschen fremde regionale Besonderheiten in Kunst und Kultur vorzustellen. Es geht um Ausstellungen von Werken bildender Kunst verbunden mit Lesungen, musikalischen Darbietungen, aber auch wissenschaftlichen Vorträgen und kulturpolitischen Diskussionen, für die der Verein weiter sorgen will. Der Verein sieht sich aber auch der kunstpädagogischen Arbeit verpflichtet, denkt an Lehrerfortbildung und schülerbezogene Projekte.
Christina Simon ist dabei froh über die die Struktur der Gründungsmitglieder des Vereins. "Deren Profession und soziale Herkunft ist unterschiedlich", sagt sie. Sie hätten den Auftrag im Sinne des Vereinszwecks mit Engagement angenommen. "Sie wissen um die Bedeutung und um die Aufgabe, die Kunst und Kultur in einer Region leisten können", meint sie. So sitzen Künstler oder solche, die dem Gestalterischen und Poetischen von Berufs wegen zugeneigt sind, neben Ingenieuren, Juristen, Kaufmännern und Lehrern. Zweiter Vorstandsvorsitzender ist der Geschäftsführer der Wohnungsbau Wohnungsverwaltung GmbH (WVW), Bernd Steudtner. Gründungsmitglieder sind aber auch der Zeitzer Literaturwissenschaftler Roland Rittig, Bettina Schulze -wie Christina Simon Lehrerin am Goethegymnasium Weißenfels -, Jörg Riemer, der an der Christophorusschule Droyßig unterrichtet, zudem Günther Bareis, Geschäftsführer der Stadtwerke Weißenfels, sowie der SPD-Bundestagsabgeordnete Maik Reichel und der CDU-Landtagsabgeordnete Harry Lienau und Friedrich Bez, der Aufsichtsratsvorsitzende der Volks-und Raiffeisenbank.
Brand-Sanierung will Kunstgespräche pflegen und kunstpädagogische Arbeit leisten. Das bezieht die Vereinsvorsitzende auf Lehrerfortbildung und schülerbezogene Themen, die in den letzten Jahren immer besser angenommen wurden. Außerdem will der Verein Publikationen und Dokumentationen zu aktuellen und kulturellen Themen herausgeben
Da im Haus Novalisstraße 13 in den nächsten Monaten die nächsten Bauarbeiten anstehen, wird dort die nächste Ausstellung im Juni beginnen. "Auf Dein Wort hin" rückt die 60-jährige künstlerische Arbeit des Weißenfelsers Rudolf Brückner-Fuhlrott (1908-1984) ins Blickfeld, der sich mit sakraler Kunst einen Namen gemacht hat. In seiner Heimatstadt hat er Werke für die Sankt-Elisabeth-Kirche geschaffen.

MZ vom 26.02.2009

2008
AUSSTELLUNG Kunst-Projekt Brand-Sanierung und Stadtbibliothek erinnern an Johannes R. Becher.
Gedichten folgen Grafiken
Im Kunstprojekt Brand-Sanierung in der Novalisstraße 13 in Weißenfels steht in der nächsten Woche die nächste Vernissage an. Christina Simon eröffnet dort am Mittwochabend die Ausstellung "In Licht und Finsternis". Aus Anlass des 50. Todestages von Johannes R. Becher zeigt sie Grafiken, die im Auftrag des Kulturbundes der DDR zu dessen Gedichten entstanden sind. Sie stammen von Uwe Pfeifer, Otto Möhwald und Fotis Zaprasis. In die Ausstellung wird der Zeitzer Ronald Rittig einführen.
"Der 50. Todestag ist eine Gelegenheit, um an den Schriftsteller zu erinnern."
Angela Kabisch Bibliothekarin
Christina Simon hat sich für dieses Projekt, das auch ins Programm des Literaturherbstes an Saale, Unstrut und Elster aufgenommen wurde, einen Partner ins Boot geholt: die Stadtbibliothek Weißenfels.
"Wir arbeiten mit verschiedenen Partnern zusammen, jetzt zum ersten Mal mit Christina Simon", sagt Angela Kabisch, Leiterin der Stadtbibliothek. Kunstwerke, die in den Ausstellungsräumen der Brand-Sanierung gezeigt werden, literarisch zu verbinden, halte sie für eine interessante Sache.
Die Stadtbibliothekarin hat für die Ausstellungseröffnung die freischaffende Pädagogin, Konzertgitarristin, Sängerin und Schauspielerin Ursula Kurze eingeladen. "Sie hat Gedichte von Johannes R. Becher vertont", weiß Angela Kabisch, einige extra für den Auftritt in Weißenfels. Die 1963 in Cottbus geborene Musikerin habe sich mit ihren Interpretationen einen Namen gemacht.
Ursula Kurze hat ihre Rezitationen und Interpretationen für die Weißenfelser Vernissage mit "Der Dichter meidet strahlende Akkorde. . ." überschrieben. Sie will damit auch einen Einblick in das Leben Bechers geben. In der Bibliothek seien dessen Gedichte heute nicht mehr so gefragt. "Der 50. Todestag ist eine Gelegenheit, um an den Schriftsteller zu erinnern", meint die Angela Kabisch.
Das sieht auch Roland Rittig so. Der Herausgeber der grafischen Werke zu Bechers Werken wird in einem Schülerprojekt mit Weißenfelser Gymnasiasten in der Ausstellung über die Grafiken sprechen und dazu Gedichte von Johannes R. Becher vorlesen. Am Mittwoch, dem 22. Oktober, will er sich 18 Uhr mit Schülern im Kunstprojekt Brand-Sanierung treffen.
MZ vom 02.10.2008

Kunstprojekt Brand-Sanierung: Christina Simon bereitet neue Jubiläumsausstellung vor Mechthild folgt der Elisabeth
In Christina Simons Atelier im Kunstprojekt Brandsanierung liegen jede Menge Bilder auf dem Boden. Gut geordnet und allesamt Mechthild von Magdeburg gewidmet. Seit ungefähr einem Jahr arbeitet sie an den Linolschnitten, mit denen sie jener Frau, deren Geburtsjahr sich zum 800. Mal jährte, eine Ausstellung widmen will. VON UNSERER REDAKTEURIN KARIN GRO ß MANN Weißenfels/MZ. "Mechthild von Magdeburg - auf den Wellen des Geistes", das ist der einzige Linolschnitt, dem sie bereits einen Titel gab. Jenes Bild zeigt Christina Simon, die Weißenfelser Künstlerin, ab 22. April im Kulturhistorischen Museum in der Landeshauptstadt Magdeburg. Gemeinsam mit dem Katholischen Bistum Magdeburg zeigt das Museum bis zum 6. Juli aus Anlass des 800. Geburtstages der Mystikerin Mechthild von Magdeburg die Ausstellung "Minne Mut Mystik".
"An der Ausstellungskonzeption arbeite ich noch." Christina Simon Künstlerin
Darin soll erstmals einer breiten Öffentlichkeit die original Abschrift von Mechthild von Magdeburgs Buch "Das fließende Licht der Gottheit" gezeigt werden. Im letzten Teil sollen zeitgenössische Arbeiten zu sehen sein. Frau Simons Leihgabe wird eine davon.
Für ihre eigene Mechthild-Ausstellung sei sie noch am Experimentieren, vor allem bei den Farben, sagt Frau Simon. Welches Motiv sie dann auswählen oder ob sie manchen Schnitt auch mal in verschieden farbigen Drucken nebeneinander hängen wird, ist noch nicht klar. "An der Ausstellungskonzeption arbeite ich noch", sagt sie. Sie wisse auch noch nicht, wie viele Motive sie zeigen werde. Ihr schwirren noch einige im Kopf herum. Doch es sei noch Zeit. Schließlich werde sie ihre Bilder erst im Juli zeigen - zunächst in Sankt Sebastian Magdeburg, dann in Halle und dann wohl noch im Kloster Helfta.
Warum die Weißenfelser Lehrerin und Künstlerin sich Mechthild von Magdeburg widmete, hängt mit Elisabeth von Thüringen zusammen. Ihre Wanderausstellung im vergangenen Jahr erregte Aufsehen. "Ich bin vom Bistum Magdeburg gefragt worden, ob ich mich nun im Mechthild-Jahr nicht ihr widmen will", nennt sie den Grund. Das liegt eine gutes Jahr zurück. Sicher, Mechthild von Magdeburg war ihr längst ein Begriff. Doch mittlerweile habe sie viel über diese Frau gelesen, sich mit deren Leben und der von ihr überlieferten Literatur befasst. Zwar sei Mechthild nicht wie Elisabeth von Thüringen heilig gesprochen worden, doch ihr soziales Engagement habe auch heute noch den Menschen etwas zu sagen. Frau Simon will es auf ihre Weise vermitteln. Dabei wird die Weißenfelser Künstlerin wie bei der Elisabeth-Ausstellung wieder vom Kunsthistoriker Dr. Falko Bornschein unterstützt. Der hat sie bereits in ihrem Atelier besucht, um das Faltblatt zu erarbeiten. Die Kunstwissenschaftlerin Ulrike Meier wird zur Einführung in die Ausstellung wieder einen Vortrag für die interessierten Gäste halten. "Die Zusammenarbeit mit Bornschein und Frau Meier hat sich bereits bei der Elisabeth-Ausstellung bewährt", sagt Frau Simon.
MZ vom 15.04.2008

Irene-Buchanan-Ausstellung in Weißenfels 05.06.2008
Die Lilie auf dem Lieblingsbild
"Jetzt zeige ich euch das Bild, dass ich mir kaufen würde, wenn ich das Geld dafür übrig hätte", sagt Martina Baumgart. Die Deutsch- und Kunstlehrerin des Fachgymnasiums ist mit den Schülern, die sich an den Berufsbildenden Schulen Weißenfels zu Gestaltungstechnischen Assistenten ausbilden lassen, ins Kunstprojekt Brand-Sanierung in Weißenfels-Nord gekommen. Ihr Lieblingsbild zeigt Lilien, ist der Blickfang in einem der vier Ausstellungsräume, in denen Farbholzschnitte von der Merseburgerin Irene Buchanan gezeigt werden. "Mich fasziniert die Farbenvielfalt genauso wie die Rationalität ihrer Drucke", sagt sie.
Martina Baumgart unterrichtet die Klasse im Fach Grafik und Design. "Mit Holzschnitten und Farbdrucken befassen wir uns im zweiten Ausbildungsjahr", erklärt die Lehrerin. "Hier können sich die Schüler dafür Anregungen holen."
"Das sind alles Denkanstöße der Künstlerin." Martina Baumgart Lehrerin
Sie weiß zu schätzen, dass die Ausstellungsbesuche im Kunstprojekt kostenlos sind, die Schüler trotzdem ganz praktisch an Kunst herangeführt werden können. Das verbindet die Berufsschullehrerin mit der Gymnasiallehrerin Christina Simon. Letztere hat das Kunstprojekt initiiert und hier ihr Atelier.
Irene Buchanans Farbholzschnitte stehen unter dem Motto "Bewahrung der Schöpfung". Es geht um die Sintfluterzählung, in der Gott Noah befiehlt, eine Arche zu bauen und von jeder Tierart ein Paar mitzunehmen. Martina Baumgart macht die Schüler auf die Arche-Bilder aufmerksam: "Das gleiche Motiv wird in unterschiedlichen Farben gedruckt." Außerdem sei es unterschiedlich stark symbolisiert. "Das sind alles Denkanstöße der Künstlerin", erklärt sie. Sie habe Irene Buchanan bei der Ausstellungseröffnung getroffen. Diese habe der Interpretation ihrer Bilder durch andere nicht widersprochen, wolle, dass die Betrachter sich selbst Gedanken machen, sagt Martina Baumgart.
Fast 100 Leute seien zur Eröffnung der Ausstellung erschienen, darunter auch mehr Schüler und Lehrer als zu früheren Ausstellungseröffnungen, blickt Christina Simon zurück. Seitdem hätten bereits Schüler der Neustadtschule, des Goethegymnasiums und des Fachgymnasiums in Kunstunterrichtsstunden die Ausstellung besucht, zählt sie auf und sieht es als Erfolg.
MZ vom 07.06.2008

Weißenfelser Schau erinnert an "Prometheus 1982" Feuerbringer wirft einen Brandsatz
VON UNSEREM REDAKTEUR ANDREAS HILLGER
Weißenfels/MZ. Der Anlass war über jeden Verdacht erhaben: Zum 150. Todestag Goethes wollte der hallesche Germanist Roland Rittig im Jahr 1982 eine Mappe mit Texten und Original-Grafiken veröffentlichen, die den "Prometheus" des Weimarer Klassikers auf seinen Sitz im gegenwärtigen Leben befragen sollte. Im Kulturbund der DDR war bald der geeignete Partner für das Projekt gefunden, dem frühere Editionen zu historischen Persönlichkeiten wie Luther und Lessing als Referenz dienten.
Wie und warum aus dem Mappenwerk schließlich doch ein Politikum wurde, will der Weißenfelser Verein Brand-Sanierung nun zum 25-jährigen Jubiläum des Mappenwerks "Prometheus 1982" beleuchten. Zur Vernissage einer Ausstellung mit den Originalblättern der Kollektion spricht heute der Herausgeber Roland Rittig, der hallesche Dichter Dieter Mucke liest u. a. seinen damaligen Beitrag "Panik im Olymp (Sisyphos erprobt sich als Prometheus)" - eine trickreiche Anverwandlung, in der den olympischen Göttern nur ein Schlips umgebunden wurde, um sie kenntlich zu machen.
Eben darin lag die Sprengkraft, die dem antiken Mythos eingeschrieben wurde: Texte wie Wilhelm Bartschs "Beurteilung des Prometheus" oder Adolf Endlers "Statement Ende März 82", Rainer Kirschs "Das Ende vom Lied" und Volker Brauns "Verfahren Prometheus" zogen den Menschenbildner und Feuerbringer mal sanft, mal gewaltsam an sich. Grafiken von Wolfgang Mattheuer und Otto Möhwald, Michael Morgner und Volker Stelzmann nutzten den Auftrag als Anregung zur Selbstbefragung.
Dass die aktuelle Debatte um nukleare Aufrüstung (etwa in Wieland Försters Atompilz über Strommasten) ebenso Darstellung fand wie der internationale Ideologie-Export (bei Uwe Pfeifers Che-Guevara-Porträt als Panzerschütze), konnte man mit Berufung auf die Erwartungshaltung durchaus als Einverständnis mit dem Thema werten. Wer jedoch im Lesen des Subtextes geübt war, musste den Doppelsinn solcher Motive erkennen. Und der blieb denn auch den Auftraggebern nicht verborgen.
Bereits bei der Uraufführung der Texte am 12. Juni 1982 in Dresden waren Beiträge von eingeladenen Künstlern aussortiert worden, das geplante Publikumsgespräch fand nicht statt. Wenig später landete die Auflage, die eigentlich landesweit an Galerien ausgeliehen werden sollte, im Depot: Die Götter hatten entschieden und übten sich "dem Knaben gleich, der Disteln köpft", in kleinlicher Zensur.
Zweieinhalb Jahrzehnte später ist die Anthologie noch immer sehenswert, weil sich eine repräsentative Auswahl von künstlerischen Positionen an einem gemeinsamen Thema studieren lässt. Dabei wird deutlich, dass die rückblickend so scharf gezogenen Fronten zwischen Staatskünstler und Dissident im Alltag keineswegs undurchlässig waren. Der Visionär Heiner Müller aber ahnte eine Zukunft, die den Künstlern bald blühte: Prometheus in weggesprengter Welt, "endlich allein mit seinem endlich frei schwebenden Felsen."
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Prometheus bringt Schülern Feuer
Ausstellung in Weißenfels verlängert - Schulbezogenes Projekt auch in Naumburg und Zeitz von Karin Großmann
Weißenfels/MZ. Die Prometheus-Ausstellung in Christina Simons Kunstprojekt Brand-Sanierung ist bis Mitte Dezember verlängert worden. Das liegt einerseits am Interesse des Publikums. Nicht nur zur Eröffnung der Schau kamen 60 Kunstinteressierte aus der ganzen Region, um die qualitativ wertvollen Arbeiten, die zu DDR-Zeiten zwar in Auftrag gegeben worden waren, dann aber nur einmal gezeigt, zensiert und verboten wurden, zu sehen. Im Zeitzer Museum sind die Arbeiten nicht verloren gegangen. Der Begleitausschuss des Burgenlandkreises für das Bundesprogramm "Vielfalt tut gut!" hat Fördermittel bewilligt, damit die Ausstellung nach Weißenfels als schulbezogenes Projekt im Januar und Februar noch in Zeitz und Naumburg gezeigt wird. Lothar Tautz, der Sprecher des Vereins "Gegen Vergessen - für Demokratie" will auch dort mit Schülern über die DDR-Geschichte und die Kunst ins Gespräch kommen. Die Auseinandersetzung mit Fragen, die die Prometheus-Mythologie aufwirft, und der Zusammenhang zu Christina Simons eigenen Linolschnitten fand bereits bei Lehrern und Schülern des Goethegymnasiums, des Fachgymnasiums der Berufsbildenden Schule Weißenfels und der benachbarten Neustadt-Sekundarschule Resonanz. 30 Elft- und Zwölfklässler des Goethegymnasiums kamen an einem Abend mit ihrer Lehrerin Uta Sommer ins Kunstprojekt in die Novalisstraße. Mit der Prometheus-Sage bereits im Unterricht vertraut gemacht, zeigte ihnen Tautz den Kurzfilm "Die Berliner Mauer", um sie in jene Zeit zu versetzen, als die aus Texten, Grafiken und Musik bestehende Prometheus-Ausstellung zum 150. Todestag Johann Wolfgang von Goethes 1982 in Auftrag gegeben wurde. In Gruppen schauten sich die Pennäler die Ausstellung mit dem Auftrag an, sich Bilder auszuwählen, über die sie später sprechen wollten. Erstaunliche Ansichten hörten Tautz, Simon und Sommer von den aufgeschlossenen und neugierigen Schülern. Warum jene Ausstellung 1982 zensiert und nicht mehr gezeigt werden durfte, erschloss sich den jungen Leuten nicht sofort. "Meinen Sie denn, dass sie damals eine Revolte ausgelöst hätte?", schickte Tautz die Schüler auf Tour und verband das Nachdenken mit dem wenige Jahre späteren Mauerfall in Deutschland.
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2007
Wanderausstellung von Christina Simon: Von Budapest über Freyburg nach Lengenfeld
Elisabeth-Bilder ziehen um
Anlässlich des 800. Geburtstages der Landgräfin Elisabeth von Thüringen hat die Weißenfelser Künstlerin Christina Simon einen dreiteiligen Farblinolschnitt-Zyklus mit 30 Bildern angefertigt. Der wird an historischen Lebensorten der Heiligen Elisabeth gezeigt. Gerade ging die Wanderausstellung auf Schloss Neuenburg in Freyburg zu Ende.
VON UNSERER REDAKTEURIN KARIN GROSSMANN
Freyburg/Weißenfels/MZ. Christina Simon packt im Schlosshof der Neuenburg in Freyburg ein. Ihre Wanderausstellung "Elisabeth -Landgräfin von Thüringen, Dienerin, Heilige" ist hier zu Ende. Als nächstes werden die Linolschnitte im St.-Elisabeth-Krankenhaus in Lengenfeld unterm Stein gezeigt. Mit dem eigenen Pkw bringt die Weißenfelserin die Bilder nach Thüringen. Ihr Bruder Holger hilft ihr dabei. Dort will sie die Ausstellung, den Räumen angepasst, noch konzipieren. Der dreiteilige Zyklus, der in Erzählbilder, Schwellenbilder und Stillleben gegliedert ist, wird in dieser Woche aufgehängt und am Freitag eröffnet. 30 Bilder hat Christina Simon in den vergangenen zwei Jahren angefertigt. Doch nicht alle gehen auf die Reise an den dritten Ausstellungsort. Der 100 mal 70 Zentimeter große Linolschnitt mit dem Titel "Durch den Dornenwald hindurch" verbleibt auf der Neuenburg. Das Museum kauft ihn, bestätigt Museumsdirektor Jörg Peukert. Im Vorraum der Doppelkapelle, schräg gegenüber der Holzfigur der Heiligen Elisabeth, die aus dem 14. Jahrhundert stammt, hängt das Bild. In jenem Raum kann auch der Knüpfteppich aus Wolle und Leinen aus dem 15. Jahrhundert besichtigt werden. Darauf sind auch Szenen aus dem Leben der Heiligen Elisabeth dargestellt. "Es ist ein Experiment", sagt Museumsdirektor Jörg Peukert. "Wir integrieren hier historische Exponate und zeitgenössische Kunst."
Die Bilder der Weißenfelser Grafikerin seien größtenteils gut angekommen, meint der Museums-Chef. Die Neuenburg war der zweite Lebensort der Heiligen Elisabeth, an dem die Bilder gezeigt wurden. Begonnen in der St.-Franziskus-Kirche in Budapest wird mit der Wanderausstellung, einem Pilgerweg gleich, dem Lebens der 1207 geborenen ungarischen Königstochter, die zur Landgräfin von Thüringen wurde, drei Kinder zur Welt brachte, sich bis zur Entkräftung für Bedürftige aufopferte und früh (1231) starb, gefolgt. Auf ein besonderes Exponat, das zurzeit auf der Neuenburg gezeigt wird, macht der Museumsdirektor aufmerksam. Im Rahmen der Dauerpräsentation Burg und Herrschaft wird die Predigtsammlung "Vita S. Elisabeth" von Dietrich von Apolda gezeigt, die als bedeutendste Lebensbeschreibung der Heiligen gilt. Darin sei die Neuenburg erwähnt und zitiert worden, dass Elisabeth verschenken könne, was sie wolle. Das spiegelt sich auch in den Bildern wider.
Das Andenken an eine große mittelalterliche Frau wollte Christina Simon mit ihren Schnitten bildkünstlerisch umsetzen, um zum Nachdenken über das karitative Wirken Elisabeths anzuregen. Das erscheint ihr in heutiger Zeit, in der Reichtum und Armut immer heftiger aufeinander stoßen, wichtig.
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Linolschnitte von Christina Simon zurück in Weißenfels - Aus 18 Bildern entsteht jetzt Standardausstellung Heilige Elisabeth verschwindet nicht
Die Wanderausstellung "Elisabeth - Landgräfin von Thüringen, Dienerin, Heilige" ist zu Ende. Vom letzten Ausstellungsort, dem St.-Elisabeth- und St.-Barbara-Krankenhaus in Halle holte Christina Simon die 31 Linolschnitte jetzt zurück in ihr Weißenfelser Atelier.
VON UNSERER REDAKTEURIN KARIN GROSSMANN
Weißenfels/MZ. Mit dem großen Einpacken geht das Jahr für Christina Simon zu Ende. Geübt hat sie dafür in den letzten Monaten ziemlich regelmäßig. Immer wieder hat sie Folien schützend um ihre Bilder gelegt, sie dann gut gepolstert in ihr Auto gepackt und zum nächsten Ausstellungsort gefahren. Das war ihr die Heilige Elisabeth dann doch wert. Zu deren 800. Geburtsjubiläum in diesem Jahr hatte Christina Simon Linolschnitte für eine Wanderausstellung angefertigt.
"Ich habe parallel eine zweite Ausstellung mit 18 Bildern konzipiert."
Christina Simon Künstlerin
"Tausende Menschen haben sie gesehen", zieht die Weißenfelser Lehrerin und Künstlerin, deren Atelier sich im Kunstprojekt Brand-Sanierung in der Weißenfelser Novalis-straße 13 befindet, ein Resümee. Das wohl auch, weil sich die Bilder, entgegen der herkömmlichen Präsentationsmethoden in Museen, zu den Menschen auf den Weg gemacht haben. "Sie sind auf Pilgerreise zu verschiedenen Orten und damit unterschiedlichen Menschengruppen gegangen", erklärt Frau Simon. Sie spricht von der geschlossenen Kirchengemeinde in Budapest genauso wie von unzähligen Pilgern in der Begräbniskirche in Marburg, Wallfahrern in Erfurt und den ärzten, Krankenschwestern, Kranken und Besuchern in Kliniken - wie zuletzt in Halle. Dass eine Wanderausstellung eine hohe organisatorisch-technische Belastung darstellt, weiß die passionierte Künstlerin mittlerweile auch. Jeder Raum sei anders, die technische Ausstattung, um Bilder zu zeigen, ohnehin. Die Linolschnitte in Kirchenhäusern genauso gut wie in Kliniken zu präsentieren, sei schon eine Herausforderung gewesen, sagt sie. Doch die Bildergruppen immer so zu hängen, dass sie bei den jeweiligen Lichtverhältnissen am besten wirken, ist wichtig. Darum kümmerte sich Frau Simon jeweils persönlich. Die aneinander gereihten Ausstellungsorte folgten dem Lebensweg von Elisabeth, macht Frau Simon aufmerksam. Das Publikum habe an allen sechs Orten positiv und dankbar reagiert. Das Thema, mit dem sie sich selbst auseinander setzte, habe das Jubiläumsjahr bereichert. Das bezeugen auch die Einträge ins Gästebuch.
Figuren mit ihrer Geschichte zu verbinden und immer wieder zu erzählen, sieht sie als aktuelles Thema an. "Im Nach- und Weitererzählen von gehaltvollen Geschichten für nächste Generationen besteht unsere Aufgabe", stellt sich die Weißenfelser Pädagogin auch für ihre Freizeit eine Aufgabe.
"Für dieses Projekt konnte ich sehr schnell Verbündete finden", blickt Christina Simon auf das Jahr zurück. Der Kunsthistoriker Dr. Falko Bornschein publizierte für die Schau ein Faltblatt. Die Kunsthistorikerin Ulrike Meier führte an jedem Ort mit einem Vortrag in die Ausstellung ein. Die Theologin Prof. Dr. Regina Radlbeck-Ossmann richtete den Blick auf die Entwicklung der Frömmigkeitsbewegung des 13. Jahrhunderts, das die Heilige Elisabeth sehr prägte.
Elf Linolschnitte aus der Elisabeth-Serie hat Christina Simon verkauft. Reich werden könne sie davon nicht. Doch die Anerkennung ihrer Arbeit sehe sie darin schon. Weil die Resonanz in diesem Jahr so groß war, wird Simons Elisabeth auch nicht von der Bildfläche verschwinden. "Ich habe parallel eine zweite Ausstellung mit 18 Bildern konzipiert", sagt sie. Die war zur Langen Nacht an der Martin-Luther-Universität in Halle, in ihrer Heimatpfarrei Goseck und in der Herz-Jesu-Kirche sowie dem St.-Barbara-Krankenhaus im bayerischen Schwandorf zu sehen. Es gebe weitere Nachfragen, die Elisabeth-Linolschnitte auch nach dem Jubiläumsjahr zu zeigen, sagt die Künstlerin. Deshalb wolle sie nun eine Standardausstellung zusammenstellen, die dann abgerufen werden könne.
Dass die Weißenfelserin aber auch schon an einem anderen Thema arbeitet, verwundert nicht. Sie sei angesprochen worden, sich doch mal mit Mechthild von Magdeburg zu befassen. Auch deren Geburtstag jährte sich 2007 zum 800. Mal. Doch mehr verrät Christina Simon noch nicht. Erst, wenn die Ausstellung für 2008 fertig ist.
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Ausstellung in der Brand-Sanierung: Heute Vortrag über Grafiker und Kunstsammler Rudolf Franke
Linolschnitte begeistern durch Farben
VON UNSERER REDAKTEURIN KARIN GROSSMANN
Weißenfels/MZ. Rote Punkte kleben auf einigen Schildern unter den Bilden. "Die sind verkauft", erklärt Christina Simon die Kennzeichnung. Zwar stehe der Verkauf von Linolschnitten von Rudolf Franke, die zurzeit im Kunstprojekt Brand-Sanierung in der Weißenfelser Novalisstraße 13 unter dem Motto "Rudolf Franke (1925 -2002 - Wirken in die Zeit" gezeigt werden, nicht im Vordergrund.
"Auch Gymnasiasten im Kunstunterricht nutzen die Chance, Frankes Bilder zu sehen."
Christina Simon Künstlern
Doch Frankes Frau Ilse, die Schirmherrin der Schau, gibt den Kunstfreunden die Möglichkeit. Wohl auch, weil sie bei der Eröffnung der Ausstellung in Weißenfels auf viel interessiertes Publikum gestoßen sei, meint Frau Simon, die Initiatorin der Brand-Sanierung. Simon und Franke verbinden Gemeinsamkeiten im bildnerischen Schaffen und im Auftrag, Menschen miteinander via Kunst ins Gespräch zu bringen. Christina Simon zeigt in den gegenüberliegenden Räumen in ihrer Werksschau großformatige Linolschnitte. Die geben einen spannungsvollen Bogen zu den Drucken des Erfurter Künstlers, Kunsterziehers, Hochschullehrers und Sammlers, bei dem Frau Simon selbst ein Jahr Unterricht hatte. Nicht nur auf vielfältige Technik, sondern auch auf außergewöhnliche Farbenvielfalt kann sich der Besucher in der Brandsanierung freuen. Es seien übrigens nicht nur zur Eröffnung rund 100 Leute, davon etliche aus Erfurt, angereist, sagt Frau Simon. "Täglich kommen Leute in die Ausstellung. Auch Gymnasiasten im Kunstunterricht nutzen die Chance, Frankes Bilder zu sehen", freut sie sich.
Frankes Grafiksammlung, die er gemeinsam mit seiner Frau Ilse aufgebaut hat, gehört mit 14 000 Exemplaren zu den wertvollsten privaten Sammlungen internationaler Grafik des 20. Jahrhunderts, sagt Frau Simon. Im Jahr 2004 hat seine Witwe die Sammlung dem Angermuseum in Erfurt geschenkt. Nach dem Umbau des Museums sollen dort Teile der Sammlung ausgestellt werden. Mit der Kuratorin der Sammlung "Ilse und Rudolf Franke" hat Christina Simon bereits gesprochen, auch in Weißenfels immer mal wieder eine Teil davon zu präsentieren. Zunächst können die drucktechnische Meisterschaft Frankes und die eindrucksvolle Farbgebung seiner Bilder aber in der bis 29. September laufenden Ausstellung bewundert werden. Dort halte Cornelia Nowak, die Kustodin der grafischen Sammlung am Angermuseum Erfurt, heute Abend den Vortrag "Die Kunst soll eine kraftvolle Speise für alle sein". Dazu werde auch Ilse Franke, die Ehrenbürgerin der Stadt Erfurt und Trägerin des Thüringischen Verdienstordens sei, nach Weißenfels kommen, um interessierten Besuchern gerne Fragen zu beantworten.
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Ausstellung im Kunstprojekt Brand-Sanierung: Linolschnitte von Rudolf Franke (1925 bis 2002) zum Thema "Wirken in die Zeit"
Ehefrau wählt Bilder für Weißenfelser Schau aus
VON BIRGIT SCHULZ
Weißenfels/MZ. Dicht gedrängt standen am Sonntagnachmittag fast 100 Besucher in den Ausstellungsräumen des Kunstprojektes Brand-Sanierung. Sie waren nicht nur aus der Region, sondern selbst aus Erfurt, Frankfurt und München gekommen, um die Ausstellung "Rudolf Franke - Wirken in die Zeit" festlich zu eröffnen. Ihre Motive, die sie an diesen Ort führten, waren unterschiedlich. Für viele stand der Kunstgenuss im Vordergrund, andere kamen, weil sie die Entwicklung des Ateliers seit Jahren begleiten. Eine große Besucherschar aber hatte besonderen Grund zu kommen, da Rudolf Franke zu ihrer Lebensgeschichte als ein Meilenstein in ihrer Biografie gehört. Kunsterzieher erlebten ihn während ihrer Ausbildung in Erfurt als einfühlsamen Hochschullehrer.
Dass die Ausstellung hier in Weißenfels gelingen konnte, ist in erster Linie Frankes Ehefrau Ilse, Ehrenbürgerin der Stadt Erfurt und Trägerin des Thüringer Verdienstordens, zu verdanken. Als exzellente Kennerin des Werkes und Wegbegleiterin traf sie die Bildauswahl und richtete als Schirmherrin bewegende Worte an das Publikum. In Christina Simon, der Initiatorin der Brand-Sanierung, findet sie mit Rudolf Franke Gemeinsamkeiten im bildnerischen Schaffen und im Auftrag, Menschen miteinander via Kunst ins Gespräch zu bringen. Da die Druckkunst im Haus in der Novalisstraße 13 einen festen Platz einnimmt, bilden die in der gegenüberliegenden Werkstattschau zu sehenden großformatigen Linolschnitte Christina Simons neben den Arbeiten Rudolf Frankes einen spannungsvollen und ebenbürtigen Gegenpart. Cornelia Nowak, Kustodin der grafischen Sammlung am Angermuseum Erfurt und Kuratorin der Sammlung "Ilse und Rudolf Franke", eröffnete die Ausstellung, die bis zum 29 September zu sehen ist.
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Kunstprojekt Brand-Sanierung: Ausstellung zeigt Linoldruckgrafiken
Vorbild fällt auf fruchtbaren Boden
Weißenfels/MZ/gro. Nach der Sommerpause lockt die nächste Ausstellung ins Kunstprojekt Brand-Sanierung Weißenfels, Novalisstraße 13. Ab 2. September werden dort Linoldruckgrafiken des Erfurter Künstlers Rudolf Franke (1925 bis 2002) unter dem Motto "Wirken in die Zeit" gezeigt. "Dass die Brand-Sanierung Rudolf Franke ausstellt, hat doppelten Symbolwert", sagt Christina Simon, die Chefin des Hauses. Einerseits werde die Ausstellung einen konzentrierten überblick über sein Linoldruckwerk, angefangen von einfachen Darstellungen der 60er Jahre bis hin zu den Mehrfachdrucken der 90er Jahre, zeigen und Frankes Wege exemplarisch nachzeichnen. Zum anderen zeige sie genau die Kunstform, die im Haus Brand-Sanierung einen festen Platz auf hohem Niveau habe. An diesem Ort sei das Vorbild und Vermächtnis Frankes auf fruchtbaren Boden gefallen. Schließlich habe sie viel von ihm gelernt, sagt die Weißenfelser Künstlerin. Frankes Grafiksammlung, die er gemeinsam mit seiner Ehefrau Ilse aufgebaut hat, darf mit 1 400 Werken als eine der qualitativ wertvollsten und umfangreichsten Privatsammlungen internationaler Grafik des 20. Jahrhunderts, zumindest im Raum der ehemaligen DDR, bezeichnet werden, meint Frau Simon. Als treibende Kraft der Erfurter Ateliergemeinschaft, die es von 1963 bis 1974 gab, organisierte er Ausstellungen zeitgenössischer Kunst und förderte Künstler.
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2006
Ausstellung im Weißenfelser Kunstprojekt "Brand-Sanierung" über Arbeiten reden
VON UNSEREM REDAKTEUR ANDREAS MONTAG
Wie bekommt man das Nachdenken nicht allein über den Mangel an Arbeitsplätzen, sondern auch über die Vielgestalt der Arbeit und die sich wandelnden Lebensverhältnisse in einer schrumpfenden Region wie Weißenfels unter den Hut einer Ausstellung? Indem man die vom Wandel Betroffenen, die ja zugleich Adressaten der Kunst-Arbeiter sind, als handelnde Personen begreift und sie einlädt, über ihre Lage öffentlich nachzudenken. So geschehen in Weißenfels, die Räume des von Christina Simon ehrenamtlich betriebenen, verdienstvollen Kunstprojektes "Brand-Sanierung" geben den Rahmen für die Arbeit von Judith Siegmund aus Berlin. Die ideelle, nicht ideologische Grundlage für das Projekt "Berufung - Job - Maloche?" liefert Hannah Arendts Buch "Vita activa", in dem es um die Grundbedingen menschlicher Existenz geht. Arendt (1906-1975), deutsche Jüdin und Schülerin des Philosophen Martin Heidegger, hat in diesem Hauptwerk ihrer Politischen Theorie verschiedene Formen der Tätigkeit benannt: das Arbeiten, das Herstellen und das Handeln. "Handelnd und sprechend offenbaren die Menschen jeweils, wer sie sind." Hannah Arendt Philosophin Letzterem weist sie besonderen Stellenwert zu, weil es sich in ihrer Lesart allein zwischen Menschen, nicht zwischen Menschen und Dingen vollzieht. "Handelnd und sprechend offenbaren die Menschen jeweils, wer sie sind", schreibt Arendt. Diesem Ansatz ist die Konzeptkünstlerin und studierte Philosophin Siegmund zunächst mit so genannten Lesekursen zum Werk Arendts gefolgt, die sie im vergangenen Jahr im Kunstraum "Brand-Sanierung" mit Weißenfelser Bürgern veranstaltet hat. Nun kehren die Ergebnisse des Reflektierens über Arbeit und politisches Handeln in die Arbeiterstadt zurück, die schwer am Strukturwandel zu tragen hat. Auf Monitoren und an den Wänden kommen die Gesprächsteilnehmer zu Wort, der Austausch von Gedanken wird als Tätigkeit begriffen, die einen immateriellen Mehrwert schafft. Auch wenn bittere Befunde wie dieser das Gegenteil zu behaupten scheinen: "Nur wer Geld hat, kann für sein Ansehen etwas tun."
Ausstellung im Haus der "Brand-Sanierung" Weißenfels, Novalisstraße 13, bis zum 25. Mai, Di-So 14-18 Uhr.
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Langes Interesse an den leblosen Dingen
Im Haus in der Novalisstraße 13 waren am vergangenen Samstagabend wieder die Pforten für Besucher geöffnet. Das Kunst- und Kulturprojekt „BRAND-SANIERUNG“ führt nach erfolgreicher Bilanz der vergangenen Jahre die Arbeit fort. Zeitgenössische Kunst mit regionaler Verankerung hat dort eine Heimat gefunden.
Christina Simon hat sich über ein halbes Kalenderjahr mit der stillen Natur auseinandergesetzt und stellt ihre Antwort in großformatigen farbigen Linolschnitten in einer beachtlichen Ausstellung zur Schau. … Ein großes Publikum kam zusammen und saß dicht gedrängt inmitten der Ausstellung, um dem Kunstwissenschaftler Armin Hauer vom Museum Junge Kunst Frankfurt/Oder bei einem Streifzug durch die Kunstgeschichte des Stillebens in der europäischen Kunst von der Antike bis zur Gegenwart zu folgen.
MZ vom 06.05.2006
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Ein Projekt auf dem Weg zur Stiftung
Für das Gründerzeithaus in der Weißenfelser Novalisstraße13 soll mit der Schaffung einer Stiftung ein positives Signal gesetzt werden.
Dafür setzen sich die Künstlerin Christina Simon und Bernd Steudtner, der Geschäftsführer der WVW Wohnungsbau Wohnungsverwaltung Weißenfels GmbH mit großem Engagement ein. Beide arbeiten gemeinsam daran, das denkmalgeschützte Haus mit Unterstützung einer solchen Stiftung zu sanieren und auch auswärtigen Künstlern sowie Besuchern zugänglich zu machen.
MZ vom 10.06.2006
2005 Seitenanfang  Zum Seitenanfang

Bilder beschäftigen sich mit Jona
Seit über einem Jahrzehnt gilt die Novalisstraße 13 als Adresse für kleine aber feine Begegnungen Kunstinteressierter. Am Samstag, 9. April hatte Frau Simon anlässlich der Eröffnung ihrer Frühjahrsausstellung mit Arbeiten über den Propheten Jona mehr als dreißig interessierte Besucher zu Gast.
Durch den Theologen Dr. Gerhard Begrich aus Erfurt erhielt das Publikum eine kurzweilige Einführung in die Hintergründe der biblischen Prophetie. Sein Vortrag machte anschaulich klar, in welchem Ausmaß der Text aktuelle Bezüge aufweist. Danach sahen die Betrachter die in einer besonderen Linoltechnik gefertigten Kunstwerke von Frau Simon mit ganz anderen Augen.
MZ vom 12.04.2005
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Fotos aus Chloes Tagebuch
Wieder einmal konnte das Projekt „BRAND-SANIERUNG“ am Wochenende auf einen Höhepunkt in seiner Veranstaltungsfolge des Jahres verweisen.
Die Ausstellungseröffnung der jungen Fotokünstlerinnen Nora Erdmann, Myriam Lutz und Jean Balke zog starkes Interesse der Besucher auf sich. Mit modernen Medien, großformatigen Fotografien, einer konzeptionell arrangierten Fotowand und einer Videoinstallation mit fünf Monitoren nähern sie sich aus verschiedenen Positionen dem Porträt.
Höhepunkt der Eröffnungsveranstaltung war das anschließende Akkordeonkonzert mit Nancy Laufer, einer gebürtigen Weißenfelserin, die sich jüngst in die Meisterklasse von Stefan Husong gespielt hat.Es war einfach wie die Akkordeonistin mit dem ganzen Körper das Instrument in Bewegung versetzt und welchen Herausforderungen sie sich bei der Musikauswahl gestellt hat. Das Konzert endete mit Bravo- und Zugaberufen eines sehr konzentrierten und ergriffenen Publikums.
Neben den Arbeiten der jungen Künstlerinnen hat die Gastgeberin und Initiatorin Christina Simon ihre neuesten Linolschnitte zur Schau gestellt. Sie hinterfragtin ihrer Arbeit das Verhältnis des Menschen zur Welt und zu Gott. Im Gegensatz zu den Porträtierenden hat sie einen symbolischen und typologischen Ansatz gewählt. Neue Farbkombinationen und Themen weckten hier das Auge der Betrachter, von denen viele ihren Arbeitsstil kennen.
MZ vom13.09.2005
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Kunstkurse verlegen den Unterricht ins Atelier
Die Fotoarbeiten der jungen Künstlerinnen Nora Erdmann und Miriam Lutz aus Berlin, sowie Jean Balke aus Köln, haben ein breites Publikum sehr beeindruckt.
Auch viele Jugendliche fühlten sich unmittelbar von den Bildern angesprochen und erkannten sich und ihre Fragen darin wieder. Ältere Besucher waren überrascht und erstaunt über die neuen Formen, Kompositionen und Sichtweisen. Die Bilder regten zu intensiven Diskussionen an über das Antlitz des Menschen als Landkarte seiner Seele.
Etwa vierhundert Gäste haben die Ausstellung gesehen. Hervorzuheben, und als neue Qualität für das Projekt zu verzeichnen, ist der rege Anteil von Kunstkursen verschiedener Schulen. … Gemeinsam mit ihren Lehrern haben sie vor Ort ihren Kunstunterricht in einer offenen und sehr kommunikativen Form durchführen können.
Die Besonderheit des derartigen Unterrichts lag zum einen in der direkten Auseinandersetzung mit den Originalen, an einem Ort, an dem Kunst entsteht und gezeigt wird und zum anderen in der Möglichkeit, unmittelbar mit den Künstlern ins Gespräch zu kommen, ihnen Fragen zu Motiv und Technik stellen zu können. …
Die Fotografie und das Video als moderne Form auf der einen Seite und das alte Handwerk auf der anderen Seite, das forderte auch die Besucher zu unterschiedlichen Reaktionen heraus. Schienen doch Film und Foto für einige leicht lesbar zu sein, so mussten sie bei den Linolschnitten länger verharren, um in die Inhalte einzudringen.
Diese breite und umfassende Palette an verschiedenen Techniken, Themen und Sichtweisen von vier verschiedenen Künstlerinnen war für viele ein außergewöhnliches Erlebnis und eine kunstvolle Bereicherung. Erstaunlich und erwähnenswert sind auch immer wieder unerwartete Gäste in den Nachmittagszeiten gewesen. Sie kamen durch Neugier motiviert von weit außerhalb der Grenzen der Region und würdigten das Projekt als äußerst bedeutsam für die Stadt Weißenfels.
MZ vom 19.10.2005
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2004
Kontrastreiche Ausstellung verspricht Spannungsbogen
Wieder zog es viel Stammpublikum in das denkmalgeschützte Gründerzeithaus, das als wertvoller Klinkerbau saniert werden müsste.Christina Simon schuf in diesem Jahr großformatige Druckgrafiken, die biblische Gestalten zeigten und ebenso wie Glasmalereien seit dem vergangenen Wochenende viel Aufmerksamkeit erregen.
Einen spannenden Kontrast dazu bieten die Arbeiten der langjährigen MZ-Bildreporterin Ingelore Lohse.
MZ vom 31.08.2004
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Akustische Reise im Kopf
Das Publikum im Gründerzeithaus ließ sich am Abend schnell darauf ein und genoß Phantasielandschaften und Zeitreisen. Ob gregorianische oder spanische Klänge, Großstadt-Beats oder Jazz-Melodien angereichert mit Kalimba und Klangschalen oder mit dem Klopfen auf den Resonanzkörper der Gitarre – all jenes präsentierte Zenker so nuancenreich, dass die gedankliche Reise durch die Welt nicht schwer fiel.
MZ vom 9.10.2004
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Biograf lässt Raum für Interpretation
Hochkarätiger Besuch in der Novalisstraße 13. Einmal mehr bewies Simon in der dreijährigen Tradition ihres Projektes mit der Einladung von Dwars, wie wichtig die Kommunikation zwischen Menschen ist, ohne Meinungen vorzugeben oder mit dem Strom zu schwimmen.
MZ vom 11.11.2004
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2003
Bilder versprechen Spannung
Dicht gedrängt stehen die Besucher am Sonnabend in der ersten Etage des Hauses Novalisstraße 13 in der Weißenfelser Neustadt. Nicht eine, sondern gleich drei Ausstellungen werden eröffnet. Ausstellungen, die unterschiedlicher nicht sein können und deshalb einen spannungsreichen Nachmittag mit guten Gesprächen und interessanten Begegnungen versprechen.
Während Schüler der Landesschule Pforta und des Weißenfelser Goethe-Gymnasiums im Hof ungewöhnliche Stuhl- und Tischprojekte zeigen, teilen sich im Atelier Gastgeberin Christina Simon mit Druckgrafik und Jacqueline Apel aus Genf mit Landschaften und Stillleben in Öl die Räume.
MZ vom 26.08.2003
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Etwas anderes Atelier zieht magisch an
Nein, es ist nicht die Elite aus der Kunstszene, die sich hier in der Novalisstraße 13 in der Weißenfelser Neustadt trifft, es sind Menschen wie du und ich. … Dieser Ort lässt Eitelkeit nicht zu, die Kleingärtner von der Sparte in der Nachbarschaft sind neugierig. Kinder wollen Fragen los werden. Hier muss sich niemand etablieren … Es sind keine zahlenden Gäste gekommen. Hier waren Menschen mit verschiedenen Motiven, sei es Mundpropaganda, Neugier, Ehrlichkeit, Leidenschaft an der Sache, sei es Vertrautheit oder die Chance, sich einzubringen und offen zu sein. … Es ist Ausdruck für das Miteinander von Generationen.… man muss mit dem arbeiten, was da ist, damit nicht noch mehr verloren geht und der Kreislauf der Kultur weiterleben kann.
MZ vom 18.09.2003
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2002
Während eines Treffens brachte sie Künstler mit Besuchern zusammen, hob die Barriere zwischen beiden auf, indem sie Freunde und Bekannte herausforderte und ihnen Möglichkeiten gab, den Kunstwerken Eigenes entgegenzusetzen. …
MZ vom 23.08.2002
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